Runder Tisch für Integration tagte in Olpe

Zahlreiche Ehrenamtliche begrüßten ein nicht mehr ganz neues Gesicht

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Daniel Bethke (l.) Ulrike Beckmann (3.v.l.) und Georg Allebrodt (r.) moderierten den Runden Tisch, in dessen Verlauf auch die neue Sozialarbeiterin Judith Schulte (2.v.l.) vorgestellt wurde. 

Olpe. Ein entscheidender Satz fiel am Dienstag eher am Rand des Runden Tisches für Integration in Olpe: „Begegnung muss man schaffen“, meinte Daniel Bethke, der gemeinsam mit Georg Allebrodt und Ulrike Beckmann durch einen Abend mit Zahlen, Fakten, Rückblicken und einer Neuvorstellung führte.

Um die Essenz des Abends vorweg zu nehmen: Es tut sich viel in Sachen ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuung in Olpe, aber weitere Akteure sind in allen Bereichen, sei es Sport, sei es Sprache, seien es Patenschaften, gerne gesehen. Der Bedarf ist nach wie vor da, auch wenn die im Januar prognostizierten 400 bis 600 Neuzuweisungen für das laufende Jahr sich nicht bestätigt haben, wie der städtische Sozialamtsleiter Ingo Sondermann erläuterte. Bislang wurden Olpe, bedingt durch die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) im „Regenbogenland“, keine neuen Flüchtlingen zugewiesen.

In der Stadt leben derzeit 70 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, kreisweit sind es 108: 79 in Heimerziehung, zwei „Verselbstständigte“, vier in Gastfamilien und 22, die bei Familie und Verwandten untergebracht sind. Jessica Gebser vom Fachdienst Pädagogische Jugendhilfen betonte, wie schwierig es sei, Gastfamilien zu finden, da es sich zumeist um männliche Jugendliche ab 14 handele.

Die Entscheidung, ob das DRK weiterhin Trägerin des „Regenbogenlandes“ sein wird, fällt in dieser Woche. „Kaum Auffälligkeiten“ vermeldete Leiter Wolfgang Wallrabe aus seinem Haus. Hier sind im Augenblick 91 Männer, 50 Frauen (darunter neun Schwangere) und 43 Kinder untergebracht. Die durchschnittliche Verweildauer liegt zumindest derzeit bei etwa drei Monaten. Seit Juni setzt der AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe mit Marius Bahnschule einen Mitarbeiter in der ZUE ein, der täglich Beratung rund um das Asylverfahren anbietet.

Der Runde Tisch für Integration ist auch ein Forum für die Ehrenamtlichen, die sich in Olpe in vielfältiger Weise für geflüchtete Menschen engagieren. Viele von ihnen waren am Dienstag trotz der Herbstferien ins Lorenz-Jaeger-Haus gekommen, und einige hielten mit Kritik nicht hinterm Berg. So monierte die Gruppe „Arbeit/Praktika“ die schlechte Kommunikation zwischen Jobcenter und Integration Point und wünschte sich mehr Transparenz.

Kritik am Integration Point

Nicht nur zwischen den Zeilen wurde deutlich, dass die Berufsvermittler den Freiwilligen zu viel abverlangten. Luft nach oben herrscht auch in Sachen Sprachvermittlung: So wusste eine Teilnehmerin aus der Praxis zu berichten, dass Asylbewerber nicht selten parallel drei Einladungen zu Lehrangeboten erhalten.

Eine Bitte um Unterstützung richtete die stellvertretende Leiterin der Hakemicke-Schule, Ellen Sandforth-Lindner, an die Versammlung: An ihrer Schule werden 25 junge Flüchtlinge, die meisten in Regelklassen, unterrichtet, optimalerweise in Zweierteams. Hier würde man sich über die Hilfe weiterer Ehrenamtlicher freuen, es sei ausreichend Lehrmaterial vorhanden.

Eine neue Ansprechpartnerin für das Ehrenamt sitzt seit vier Monaten im Rathaus, und die ist vom ehrenamtlichen Engagement in der Stadt bereits vollauf begeistert: Die gebürtige Maumkerin Judith Schulte kehrte aus Berlin in ihre Heimat zurückgekehrt, um die soziale Betreuung der kommunal zugewiesenen Asylbewerber zu übernehmen und die Aktivitäten der Ehrenamtlichen zu koordinieren. Unterstützt wird die Sozialarbeiterin dabei von zwei Bundesfreiwilligen.

Judith Schulte stellte sich vor

Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Bildung und Arbeitsvermittlung sowie Sprach- und Wohnungsvermittlung. Bei Letzterer sei die Stadt sehr stark auf die Hilfe von Privatpersonen angewiesen, berichtete Schulte, auch seien Patenschaften immer hilfreich. Der Einsatz der Olper beeindruckt sie sehr: „Ich bin immer noch hin und weg.“

Dem schloss sich Otmar Schuhen, der Leiter des Ausländerbehörde des Kreises an: „Das Engagement nimmt mehr zu als ab“, hatte er beobachtet; Kollegen aus anderen Kreisen hätten da Anderes berichtet. Schuhen hatte sowohl aktuelle Zahlen zur Flüchtlingssituation im Kreis Olpe als auch Informationen zum am 5. August in Kraft getreten neuen Integrationsgesetz im Gepäck.

Über das 1. Olper Willkommensfest hat der SauerlandKurier bereits berichtet. Auf ein langes Resümee verzichtete Zaklina Primavesi als Vertreterin der Initiative „Willkommen in Olpe“, ließ stattdessen den Film sprechen, den der junge , seit einem Jahr in Deutschland lebende Syrer Jan Hamshoro während des Festes gedreht hatte. „Das war kein Fest, bei dem es darum ging, Party zu machen“, unterstrich Primavesi: Auch hier war Begegnung das Stichwort.

Dies fortzuführen und zu festigen, vielleicht in Form von Patenschaften oder in Projekten, wie sie auf dem Fest ihren Anfang nahmen, ist erklärter Wunsch der Initiative; Unterstützer sind weiterhin gern gesehen. Rund 350 Besucher kamen am 2. Oktober ins Lorenz-Jaeger-Haus. Zaklina Primavesi: „Wir sind begeistert von der Resonanz.“

Es ging nicht allein um Party

Auch der Vorsitzende des Integrationsrates Olpe, Cevdet Aydin, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Zuspruch auf den Tag der offenen Moschee, der unmittelbar nach dem Willkommensfest stattfand.

Man habe bewusst keine Konkurrenzveranstaltung schaffen wollen und daher diesmal auf kulinarische Extras verzichtet, wegen des schlechten Wetters auch draußen keine Zelte aufbauen können. Trotzdem nahmen Aydin zufolge noch etwa 60 Besucher die Gelegenheit wahr, die Moschee zu erkunden. Der Tag der Moscheen findet seit 2009 jährlich in Olpe statt. Ob das Willkommensfest ähnliche Kontinuität gewinnt, wird sich zeigen.

 

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