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Tops und Flops des Biggesee Open Air: Veranstalter spricht Klartext

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Von: Sebastian Schulz

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Mark Forster rockte das Biggesee Open Air (BOA) 2022.
Mark Forster rockte das Biggesee Open Air (BOA) 2022. © Schulz

Nach dem Biggesee Open Air 2022 ist vor dem Biggesee Open Air 2023: Zeit für einen Ausblick und ein Fazit - und dabei nennt der Veranstalter auch Enttäuschungen.

Olpe-Sondern - Dietmar Harsveldt ist ein Mann der ehrlichen Worte. Wenn er als Veranstalter und Investor die vergangenen Wochen mit dem Biggesee Open Air in seinem Strandbad in Sondern Revue passieren lässt, dann blickt er auf ganz viele positive Erfahrungen zurück – aber eben auch auf kleinere Fehlschläge.

Wichtig ist: Insgesamt bleibt für Künstler, Besucher und Veranstalter nach den anderthalb Wochen Konzertprogramm mit Top-Künstlern ein Gefühl der Glückseligkeit. Der Kreis Olpe, ja das ganze Sauerland, können sich glücklich schätzen, eine solche Veranstaltungsreihe vor der Haustür geboten bekommen zu haben.

Womit wir auch schon bei den Tops, also den gelungenen Erfahrungen, sind, denen in unserer Auflistung die Flops folgen.

Top 1: Die Knallertage mit Cro, Mark Forster und Wincent Weiss

Es gab Veranstaltungstage, die herausgestochen sind und die das ganze Potential des Biggesee Open Air auf die Wiese gebracht haben. Die Abende mit den Headlinern Mark Forster, Wincent Weiss und Cro waren jeder für sich ein Kracher. Unvergesslich wird bleiben, wie Forster vor 10.000 Fans von der Bühne aus eine zufällige Vortags-James-Blunt-Besucherin anrief, wie die Masse zu Cros „Easy“ mitsang oder wie Wincent Weiss unter einem Feuerwerk gefeiert wurde.

Top 2: Das Feedback der Künstler

„Biggi war so so so schön!“ (Mark Forster), „Oh, wie schön ist Biggesee!“ (Lea) oder „Es war so unendlich schön“ (Motrip) – kaum ein Künstler ließ während seiner Show oder danach in den sozialen Netzwerken die Gelegenheit aus, die grandiose Location im Strandbad Sondern zu loben. Rap-Star Cro nutzte am Freitagmittag vor seinem Auftritt sogar das gute Wetter, um eine Runde im Biggesee schwimmen zu gehen – unerkannt von Besuchern, weil er als Künstler ja stets eine Maske trägt...

Top 3: Behörden und Anwohner mit viel Lob

„Das Gelände, die Stimmung, die Konzerte: Es ist faszinierend, was sich dort abgespielt hat“, wird Sonderns Ortsvorsteher Winfried Freitag in einer Mitteilung zitiert. Auch die Rettungs- und Sicherheitskräfte waren voll des Lobes: Alle Planungen und Abstimmungen seien aufgegangen. Es sei ein friedliches Fest mit keinerlei nennenswerten Vorkommnissen gewesen, „was sich nicht zuletzt auf das vorbildliche Publikum des Open Airs zurückführen lässt“, heißt es in der Abschlussbewertung.

Flop 1: Wenige Besucher bei Bigge singt

Als enttäuschend stuft Veranstalter Harsveldt die Besucherzahlen beim Bigge singt am letzten Sonntag ein. Er habe dem im Sauerland so beliebten Chorgesang eine Plattform bieten wollen, er habe hunderte, ja tausende Menschen am Biggesee gemeinsam singen hören wollen, sagte Harsveldt – und am Ende sei die Veranstaltung eher eine „Darbietung der Chor-Leistungen“ mit überschaubarem Publikum gewesen. „Es wurde nicht angenommen“, konstatiert Harsveldt ganz ohne Umschweife.

Flop 2: Der Donnerstag und der Sonntag

Eine Lehre sind auch die vergleichsweise schwächeren Besucherzahlen vom ersten Konzert-Sonntag und dem Donnerstag. Trotz des guten Wetters und eines Top-Acts wie Max Giesinger (Sonntag) und eines Weltstars wie James Blunt (Donnerstag) kamen jeweils nur 3000 und weniger Besucher. Die Leistungen und die Stimmung bei beiden Auftritten waren gut, keine Frage. „Konzerte abends spät bis 22.30 Uhr, wenn die Leute am nächsten Tag zur Arbeit müssen – das scheint nicht zu funktionieren. Wir nehmen das als Erfahrung mit“, sagt Dietmar Harsveldt.

Erst Flop, dann Top: Das Bigge Dance

Mehr versprochen hatte sich der Veranstalter auch vom Bigge-Dance mit mehreren hochkarätigen DJs am letzten Samstag. „Nur“ 3000 Besucher waren es am Ende – 10.000 wären möglich gewesen –, aber die Gäste seien hellauf begeistert gewesen, berichtet Harsveldt. „Die EDM-Szene spricht jetzt über uns.“ Und weil die 3000 Besucher so viel gastronomischen Umsatz gebracht haben wie die 10.000 bei Mark Forster, war auch der geringere Ticketverkauf zu verschmerzen. Ergo: Vielleicht gibt es hier eine Fortsetzung.

Und wie geht es jetzt weiter?

Trotz der schlechter besuchten Tage: Mehr als 40.000 Besucher verzeichnete das Biggesee Open Air bei seiner Premiere. Für Harsveldt und sein Team ist das Anlass genug, die Planungen für eine Fortsetzung im nächsten Jahr aufzunehmen. Einen Zeitraum hat er wie bereits berichtet auch schon im Visier: die Fronleichnams-Woche vom 7. bis 11. Juni 2023, dann vielleicht sogar nach Behördenfreigabe mit bis zu 15.000 Besuchern pro Veranstaltung, wozu ein Professor für Bewegungssimulation derzeit ein Gutachten erstellt.

Ob und mit welchen Stars dann wieder Konzerte im Strandbad Sondern stattfinden können, hängt allerdings auch von den Kostenentwicklungen ab. „Ich alleine werde es nicht mehr machen können“, sagt Harsveldt. Er sucht deshalb nach Unterstützern, um ein „für die Allgemeinheit bezahlbares Kulturerlebnis schaffen zu können“.

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