"Bin doch kein Altes Eisen"

Hermine Schiemann an ihrem Arbeitsplatz in den Olper Werthmann Werkstätten. Seit nunmehr über fünf Jahren ist sie hier beschäftigt. Foto: Jan Lippemeier

Die Werthmann Werkstätten in Olpe betreuen Menschen mit psychischen Erkrankungen, um sie nach Möglichkeit ins alltägliche Berufsleben zurückzuführen. Da der Umgang mit diesen Menschen in der Gesellschaft noch immer nur zu oft ein Randthema ist, gibt Hermine Schiemann einen Einblick in ihren Arbeitstag.

Der Abteilung Olpe angehörig sind die Werkstatt in der Kreisstadt sowie eine Nebenstelle in Welschen Ennest.

Die berufliche Rehabilitation betrifft nur Olpe, Welschen Ennest ist ein reiner Arbeitsbetrieb. Jährlich kommen acht bis zehn neuen Kräfte hinzu, momentan sind es 102 Mitarbeiter.

Ein Neuzugang erlebt in den ersten drei Monaten das Eingangsverfahren, um zu klären, in welchen Bereichen Defizite liegen und ob man in der Werkstatt richtig aufgehoben ist.

Ein weiter, aber sicherer Weg

Anschließend erfolgt eine zweijährige Erwerbstätigkeit. Nach diesem Berufsbildungsbereich meldet man sich auf dem freien Arbeitsmarkt, schlägt andere berufliche Maßnahmen ein oder wird häufig auch in der Werkstatt übernommen.

Hermine Schiemann ist 59 Jahre alt. Sie besucht die Werthmann Werkstätten seit Januar 2005 und ist der Gruppe von Susanne Schulte zugeteilt.

"Der erste Schritt ist das Wiedererlernen von Grundfähigkeiten, wie den Mangel an Antrieb zur Arbeit in den Griff zu bekommen", so die Sozialarbeiterin Petra Müller. Es scheitere teilweise bereits an der Motivation zum alltäglichen Aufstehen.

In der Werkstatt werden diese und andere Probleme gezielt trainiert. So bringt man den Arbeitskräften das Verständnis nahe, zuvor bestehenden Schwächen zu erkennen und zu beheben, wie Petra Müller erläutert.

Auch Hermine Schiemann hat ihre Konflikte bewältigt und wird inzwischen als sehr vielseitige und verantwortungsbewusste Arbeitskraft geschätzt.

Es sei anfangs die Regel, sich auf einen Arbeitsschritt gezielt zu konzentrieren und sich langsam durch immer weiter reichende Eigenständigkeit, wie sich selbstständig das Material aus dem Lager zu beschaffen, weiterzubilden.

"Hermine Schiemann ist mittlerweile zuständig für diverse Montage- und Verpackungstätigkeiten, zum Teil zu erledigen in Handarbeit, nach Bedarf aber auch mit Maschinen. Ebenfalls verfügt sie über verschiedene organisatorische Qualifikationen und kontrolliert unter anderem den Warenbestand. Sie zeichnet sich durch die Übernahme von Verantwortung, aber auch die Entwicklung eines Pflichtbewusstseins aus", so Petra Müller weiter.

Von besonderer Bedeutung für die Arbeit in der Werkstatt sind auch eine gewohnte Tagesstruktur und soziale Kontakte, die für die Integration unerlässlich sind.

Hermine Schiemann sieht das genau so.

Die Integration in ein ebenso geregeltes wie gewohntes Umfeld schaffe Sicherheit, hinzu komme das Vertrauen zur Gruppenleitung und das Entstehen von Freundschaften und sozialen Kontakten, die über die Arbeit hinaus gehen.

Das ist das Rezept für die insgesamt 102 Beschäftigten im Alter von 18 bis 65 Jahren, einen festen Hafen in einer oft schwierigen Umwelt zu finden. "Die Beschäftigung in den Werthmann Werkstätten ist ein Prozess, den man über Jahre erlernt, um daran zu wachsen", so Petra Müller abschließend.

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