Veranstaltungen in Wenden, Drolshagen und Olpe

„Idylle der Dörfer in Gefahr“: Bürger äußern Sorgen zum geplanten Windpark A4 

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Besonders die Visualisierungen interessierten die Besucher in Wenden.

Wenden/Drolshagen/Olpe. Sechs Windenergieanlagen in drei Kommunen, 247 Meter hoch, jedes Rotorblatt misst 81 Meter: Nachdem vor zwei Wochen bereits die Ratsmitglieder informiert wurden, fanden jetzt an drei Abenden in Wenden, Drolshagen und Olpe Bürgerdialoge für das Bauprojekt Windpark A4 statt. Besonders die Lärmbelästigung, der Naturschutz und der mögliche Wertverlust der Immobilien interessierten die Bürger.

Entstehen sollen insgesamt sechs Windkraftanlagen entlang der Autobahn A4, die von der Firma Gelsenwasser und VSB Neue Energien Deutschland geplant und gebaut werden. Bisher wurden die genauen Standorte der einzelnen Windkraftanlagen geplant - unter Einhaltung der Mindestabstände, um die Belästigung durch Schall und Schattenwurf für die Anwohner möglichst gering zu halten. Die genauen Abstände betragen 800 Meter zu Außenbereichsbebauungen und 1000 Meter zu geschlossenen Ortsanlagen, die den Schallschutz gewährleisten sollen. 

Die genaue Lautstärke aller Anlagen bei Volllast läge hierbei bei 40 bis 50 Dezibel, was ungefähr der Lautstärke einer ruhigen Unterhaltung entspricht. Auch wurden im Vorfeld Untersuchungen und Gutachten erstellt, um den Schutz der Tierwelt zu gewährleisten. 

Michael Ramrath von Gelsenwasser und Oliver Thomas von VSB klärten die Zuschauer unter der Moderation von Anne Willmes über den aktuellen Planungsstand auf und beantworteten im Anschluss zahlreiche Fragen. Demnach ist vorgesehen, dass im dritten bis vierten Quartal diesen Jahres der Genehmigungsantrag gestellt wird, der innerhalb eines Jahres bestätigt werden sollte. Der Baubeginn ist für den Anfang des Jahres 2022 vorgesehen und die Bauzeit beträgt voraussichtlich ein Jahr. 

Nach dem Vortrag hatten die Besucher Zeit sich an Stellwänden nochmals alles anzuschauen und verschiedene Experten zu dem Thema zu befragen bevor die offene Fragerunde gestartet wurde. Auch gab es Fotomontagen, um den Besuchern anschaulich zu zeigen, inwiefern die Windkraftanlagen das Landschaftsbild beeinflussen werden.

Oliver Thomas und Michael Ramrath informierten unter der Moderation von Anne Willmes die Besucher über das anstehende Bauprojekt.

Wenden

  • Den Auftakt machte der Bürgerdialog in der Aula der Gesamtschule Wenden. Viele Bürger waren gekommen, auch Mitglieder der Waldgenossenschaften Hillmicke, Saßmicke und Huppen, die am Ende die Pachtverträge mit den Betreiberunternehmen schließen würden. Kritik gab’s vor allem aus Rehringhausen. Bereits im Anschluss an die Präsentation meldete sich Christof Gerhard, Vorsitzender der BI „Rehringhauser Berge“ und Sprecher des Bündnisses „Gegenwind Südwestfalen“ zu Wort. Seine Themen: Einspeisevergütung und Infraschall, zum konkreten Bauvorhaben hatte er keine Fragen.
    Die kamen indes von einer Besucherin aus Gerlingen. Sie fragte, ob die Lkw, die beispielsweise Beton und Einzelteile der Anlagen zu Baustellen bringen, durch Gerlingen fahren werden. Das würde die ohnehin katastrophale Verkehrssituation noch verschlimmern. „Wir wissen noch nicht, woher der Beton kommt, daher können wir nicht sagen, welchen Weg die Lkw nehmen“, so Oliver Thomas. Er gab aber auch zu bedenken, dass ein Fundament für eine Anlage an einem Tag gegossen werden müsse: „Es ist also nicht so, dass da ein Jahr lang jeden Tag Lkw fahren.“ Für Transporte entlang der A4 wäre auch eine behelfsmäßige Abfahrt nördlich von Hillmicke denkbar.

Drolshagen

  • Unmut herrschte einen Tag später bei der Veranstaltung im St. Clemens-Haus in Drolshagen: Rund 140 Bürger kamen, um sich über das Vorhaben zu informieren bzw dieses zu kritisieren. Besonders die Männer und Frauen aus dem Iseringhauser Grund meldeten sich häufig zu Wort: „Je höher die Anlage ist, umso lauter ist sie“ – „Nein, das stimmt nicht. Die Größe der Anlage hat nichts mit der Lärmbelästigung zu tun“, erklärte Oliver Thomas. Die geplanten Anlagen seien sogar leiser als die ursprünglich geplanten Windräder, obwohl sie größer sind.
    Die Lärmbelästigung stand bei vielen ebenso im Fokus wie der mögliche Wertverlust der eigenen Immobilien. Letzterer werde laut Thomas jedoch von vielen Faktoren beeinflusst, nicht nur durch die Sicht auf Windräder. Auf die Anfrage einer Bürgerin zur Parteilichkeit der Gutachter reagierten die Verantwortlichen direkt: „Wir wollen die Anlagen in den nächsten Jahren betreiben. Daher ist es auch in unserem Sinne, dass alles sauber vonstatten geht.“ 

Olpe

  • In Olpe kamen weniger Besucher als in Drolshagen, die Resonanz war dennoch groß, da sich viele Anwohner gegen den Bau der Windkraftanlagen wehrten. So reagierten die Bürger kritisch auf die Informationen und zweifelten an den Angaben zur Lärmbelästigung und zum Schutz der Landschaft. Das Thema Waldrodung wurde unter anderem heftig diskutiert, obwohl ein Ausgleich an anderer Stelle vorgesehen ist.
    Viele Besucher sahen auch die „Idylle ihrer Dörfer in Gefahr“. Anne Willmes betonte nochmals, dass Michael Ramrath und Oliver Thomas ihren Auftrag erfüllen und dass die Politik für die Entscheidung für die Windkraftanlagen verantwortlich sei. Auch über den Wertverlust der Immobilien, die in Hör- und Sichtweite stehen, wurde diskutiert. Es gab allerdings auch Stimmen, die sich für erneuerbare Energien stark machten, und argumentierten, dass die Windkraftanlagen einen Ausweg aus der Kohleenergie darstellen.

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