„Melkroboter statt Milchkanne“

Bundesministerin Julia Klöckner zu Gast bei Diskussionsrunde in Hanemicke

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Auf dem Podium in „Anteks Scheune“ in Hanemicke standen (v.l.): Matthias Heider, Heribert Kamm, Peter Liese, Julia Klöckner, Sebastian Strumann, Henner Braach und Jochen Ritter.

Sondern/Hanemicke. Von der Düngemittelverordnung bis hin zu einer offenen Diskussionskultur: Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft (CDU) fand klare Worte. Gemeinsam mit Europaabgeordneten Dr. Peter Liese, Henner Braach (Vizepräsident Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband), Sebastian Strumann (NABU) und Heribert Kamm (Landesinnungsmeister Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe) stand die Ministerin auf der Bühne.

Gut besetzt war „Anteks Scheune“ in Hanemicke, die Diskussionsrunde rund um die Bundesministerin zog viele Interessierte an. Schließlich haben die Hauptthemen Klöckners – Ernährung und Landwirtschaft – direkte Auswirkungen auf unseren Alltag. Zunächst unterstrich sie allerdings die Wichtigkeit der Europawahl: „Ich selbst bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es etwas Besonderes war, plötzlich nicht mehr Geld wechseln zu müssen, wenn man in Urlaub fuhr“, erinnerte sie sich. „2002 – als junge Abgeordnete im Bundestag – ging es nach Polen mit dem Zug. Es war ein komisches Gefühl, nachts an der Grenze kontrolliert zu werden. Und heute – die Grenzen sind auf. Die heutige Generation kennt das gar nicht anders. Die EU ist selbstverständlich. Sie sehen nur, wenn etwas nicht so gut läuft.“ 

Umso wichtiger sei es, die junge Generation mitzunehmen. Anschließend unterstrich sie – Julia Klöckner stammt aus einer Winzerfamilie – die Wichtigkeit der Landwirtschaft und betonte, dass es dringend notwendig sei „ein generationsübergreifendes Leben auf dem Land zu ermöglichen.“ Außerdem „müssen grüne Berufe spannend und sexy sein“, so Klöckner. Leider sei das Bild von der Bäuerin mit der Milchkanne immer noch fest in den Köpfen verankert. Dabei hat das nichts mehr mit der modernen Landwirtschaft zu tun. „Melkroboter und Digitalisierung statt Milchkanne“ so Klöckner. 

Wichtig war der Agrarministerin, dass eine Diskussion geführt werde, die auf Fakten basiert: „Nach dem Dürresommer vergangenes Jahr hatten wir plötzlich 80 Millionen Hobby-Agrarwissenschaftler in Deutschland“, sagte sie. Und: „Als Indiz für das Insektensterben – das natürlich ein großes Problem ist – werden gerne die sauberen Windschutzscheiben der Autos genannt – allerdings wurde der Winkel der Scheiben geändert.“ 

Nachhaltigkeit und Tierwohl

Es sei nicht immer so, wie es scheine, umso wichtiger sei es, eine klare Faktenlage zu schaffen. „Ich freue mich zum Beispiel sehr, dass viele das – ich nenne es jetzt mal ,Bienenbegehren‘ – unterschrieben haben, aber dann auf einem Kreuzfahrtschiff Urlaub machen.“ Auch Nachhaltigkeit und das Tierwohl hat sich die Ernährungs- und Agrarministerin auf die Fahne geschrieben: „Wer mehr Tierwohl will, darf nicht beim Discounter einkaufen“, sagte sie. Daher setze sie sich unter anderem für ein „Tierwohl“-Siegel ein. 

Auch der Gülle-Tourismus aus den Niederlanden sei ein Unding und diesen gelte es aktiv zu bekämpfen. „Abrauchen geht nicht – man muss sich der Sache stellen“, fand Klöckner. Nachhaltigkeit und Effizienz sind die Ziele der modernen Landwirtschaft, sagte die CDU-Politikerin. Über das klare Bekenntnis zum ländlichen Raum freuten sich alle drei Diskussionpartner. 

„Es wäre trotzdem schön, wenn das Grünland mehr gefördert würde – oder die derzeitige Förderung bestehen bliebe“, forderte Braach. Eine faktenbasierte Diskussion wünschte sich auch Sebastian Strumann, zuständig für Agrarpolitik und Landwirtschaft beim NABU Bundesverband. Die bessere Umsetzbarkeit und weniger Bürokratie insbesondere für kleine und mittlere Bäckereien forderte Heribert Kamm, Bäckerinnungsmeister: „Lebensmittel müssen wieder mehr Wertigkeit erhalten. Jeder Deutsche wirft 55 Kilogramm im Jahr weg. Da ist keine Wertschätzung oder Respekt vor der Arbeit mehr.“

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