Aussiedler und Flüchtlingsheime

Wo die AfD im Siegerland und Sauerland am meisten Stimmen holte

AfD in Sachsen stärkste Kraft - "Schlag ins Gesicht" der CDU
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Die AfD sammelte offenbar besonders bei Aussiedlern und Menschen, die in der Nähe von Flüchtlingsheimen wohnen, ihre Stimmen.

Siegerland/Sauerland. Einen Tag nach der Bundestagswahl läuft die Aufarbeitung der Ergebnisse. Obwohl ein starkes Abschneiden der AfD erwartet worden war, stellen sich trotzdem auch viele Sieger- und Sauerländer die Frage: Wo hat diese Partei ihre Stimmen gesammelt? Wir haben nachgeforscht.

Festzuhalten ist, dass die AfD im Verbreitungsgebiet von SiegerlandKurier und SauerlandKurier insgesamt unterhalb des Bundesdurchschnitts lag. In Siegen-Wittgenstein lag die Partei bei den Zweitstimmen bei 10,6%, im Kreis Olpe (Wahlkreis gemeinsam mit Teilen des Märkischen Kreises) bei 7,7% und im Hochsauerlandkreis bei 7,9%. Doch einige Wahlbezirke stechen bei genauer Betrachtung deutlich hervor. 

So punktete die AfD beispielsweise enorm im Siegener Stadtteil Fischbacherberg. Dort war sie im Wahlbezirk Fischbacherbergschule 2 mit 25% der Zweitstimmen gar stärkste Partei. Das Gebiet gilt als sozialer Brennpunkt der Großstadt. Viele (Spät)Aussiedler sind dort heimisch. Interessant, galt doch bislang als ziemlich gesetzt: Russlanddeutsche wählen CDU. Denn es war die Regierung von Helmut Kohl, die es ihnen 1990 gesetzlich erleichterte, nach Deutschland zu kommen und den deutschen Pass zu erhalten. Eine Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration zeigt nun: Mittlerweile finden die Unions-Parteien nur noch bei 45 Prozent der Spätaussiedler Zustimmung. Gut möglich, dass die Stimmen der nachfolgenden Generation der ersten Aussiedler zur AfD „gewandert“ sind. 

Auch in Burbach-Lippe und -Lützeln schnitt die AfD stark ab (19,2% bzw. 17,3%). Denkbar ist, dass es sich um „Spätfolgen“ der Unterbringung von Flüchtlingen in der ehemaligen Siegerlandkaserne auf der Lipper Höhe handelt. Die Unterkunft steht seit Mitte Juni leer. 

17% in Maumke, mehr als 20% in Moosfelde

Im Kreis Olpe sticht Schwalbenohl (Stadt Attendorn) mit hohen Stimmanteilen für die AfD hervor (15,3%, 13,9% und 12,6% in den einzelnen Wahlbüros). Der Ortsteil besteht in weiten Teilen aus großen Mehrfamilienhäusern, in denen größtenteils sozial schwächere Bewohner zu finden sind. Die dortige Rundturnhalle hat viele Monate als Auffanglager für Flüchtlinge gedient, was in Teilen der Bevölkerung für viel Kritik gesorgt hat. Im Februar 2016 gab es eine große Polizei-Aktion, in deren Rahmen ein vermeintlicher IS-Anhänger in der Rundturnhalle festgenommen worden ist. 

13,5% der Zweitstimmen sammelte die AfD im Wendener Wahlbezirk Elben/Scheiderwald. Am Drachenfels in Elben sind Flüchtlinge untergebracht. Ähnliches gilt für den Wahlbezirk Rothemühle/Rothenborn (AfD mit 12%): Die Einwohner haben drei Container mit Flüchtlingen „direkt vor der Haustür“. Zudem wohnt der AfD-Direktkandidat des Kreises Olpe in Rothemühle.

11,2% gab es für die AfD im Olper Wahlbezirk VIII (Hakemicke) – ein Bezirk mit überproportional vielen Mehrfamilienhäusern für sozial benachteiligte Menschen. In Lennestadt-Maumke kam die AfD auf knapp 17% der Stimmen – der höchste Stimmenanteil im Kreis Olpe. Der Ort beherbergt viele Aussiedler (siehe Fischbacherberg, Siegen). 

Im Hochsauerlandkreis lassen die AfD-Ergebnisse in Arnsberg-Moosfelde aufhorchen. In den drei Wahlbüros kommt die Partei auf 26,1%, 24,1% und 19%. Auch hier dürfte es sich um viele Stimmen von Aussiedlern handeln. Kurios: Die Grundschule in Moosfelde, die als Wahlbüro diente, ist vor zwei Jahren als dritte Schule im Stadtgebiet Arnsberg insgesamt als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, ausgezeichnet worden. Auch in Marsberg-Essentho – dort sind Flüchtlinge in der alten Schule untergebracht – kommt die AfD auf mehr als 20%. 

Doch es gibt auch einen Ausreißer nach unten: In Eslohe im Hochsauerlandkreis fiel die AfD deutlich ab – nur 4,8% der Zweitstimmen gab es dort. Dort hatte sich schon im März 2015 – und damit relativ früh - ein Integrationskreis „Flüchtlingsarbeit Eslohe und Wenholthausen" gegründet. Die Initiative gilt als beispielhaft und rege.

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