Burcu auf dem Sprung

Es war ein kleines Mädchen, das auszog, die Fußballwelt ein wenig durcheinander zu wirbeln. Ihr Name: Burcu Özkanca, Alter: 14 Jahre, Wohnort: Olpe, Verein: VfR Rüblinghausen.

"Wie fing es an?", sinniert Vater Mahmut, beim Gesprächstermin. "Ich bin Fußballfan und habe meinen Sohn immer zu seinen Spielen begleitet. Als Burcu acht Jahre alt war, kam sie dann auch mit und spielte abseits des Platzes mit einem Fußball. Ein Arbeitskollege von mir hat das gesehen und gesagt, dass ich Burcu unbedingt mal zum Fußball bringen müsse."

Der Kollege empfahl den VfR Rüblinghausen, wo das so zierlich wirkende Energiebündel seit 2007 spielt.

Von Anfang an zeigte sie den Jungs, was eine Harke ist. Ihr Trainer Klaus Kinkel gerät ein wenig ins Schwärmen bei der Aufzählung von Burcus Können: "Beidfüßig ballsicher, schnell, ehrgeizig, kampfstark, taktisch geschickt, diszipliniert, gute Schusstechnik." Mit anderen Worten: Das junge, dunkelhaarige Mädchen ist genau aus dem Stoff, aus dem Großes werden kann.

Vater Mahmut bremst erst einmal ein wenig: "Wegen des Fußballs musste sie in der Grundschule eine Klasse wiederholen, die Schule war da Nebensache." Vater und Tochter schlossen seinerzeit einen Pakt, den beide Seiten bis heute einhalten: "Er hat gesagt, wenn ich mich in der Schule anstrenge und diszipliniert bin, bringt er mich zu den Fußballspielen."

Da wusste Mahmut Özkanca aber noch nicht, worauf er sich einlassen würde. Schon 2008 wurde FLVW-Auswahltrainerin Kathrin Peter auf die junge VfR-Spielerin aufmerksam, Burcu wurde in den U13-Mädchenkader berufen, besucht seither regelmäßig die U-Auswahllehrgänge und ist Stammspielerin in der U15-Westfalenauswahl. "Ich führe Buch", sagt Mahmut Özkanca, "allein im Mai 2010 bin ich mit Burcu mehr als 1500 Kilometer zu Lehrgängen und Trainingslagern gefahren." Darunter auch zu den Vorbereitungstreffen zu einem "Event", über das sich Vater und Tochter heute noch freuen: Burcu war im Sommer 2010 ausgewählt worden, als eine der "Ballzauberinnen" vor einem U19-WM-Spiel der DFB-Auswahl im Bochumer Ruhrstadion ihre Fertigkeiten "an der Pille" zu demonstrieren.

Burcus Position ist die rechte Außenbahn, die sie "von der ersten bis zur letzten Minute rauf und runter marschiert. Sie gibt auch in der letzten Trainings- und Spielminute noch Vollgas", sagt Klaus Kinkel über sie. Gerade Training und Spiel mit den Jungen bringt ihr in Bezug auf Durchsetzungsvermögen und Zweikampfstärke sehr viel und würde ihr auch im kommenden zweiten C-Jugend-Jahr in der sportlichen Weiterentwicklung helfen.

Bekannt ist aber das Interesse höherklassiger Clubs an diesem Ausnahmetalent: SF Siegen, SG Wattenscheid 09 und andere haben schon angeklopft und zum Probetraining gebeten. Darunter auch Frauen-Zweitligist 1. FC Köln. Vater und Tochter lachen in der Erinnerung: "Sie war versehentlich als Junge angekündigt worden und weil wir schon einmal da waren, durfte sie mit den männlichen B-Junioren trainieren. Danach hieß es: ,Die darf wiederkommen.' Zur Frauenabteilung."

Burcu selbst gehts locker an: "Ich könnte mir schon vorstellen, Profifußballerin zu werden, aber die Schule ist genau so wichtig."

Den VfR-Jungs macht der Fan von BVB-Mittelfeldstar Nuri Sahin ein Kompliment: "Sie gehen sehr fair mit mir um, aber Angst vor Verletzungen habe ich sowieso nicht."

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