Schatten in einer heilen Welt

Claudia Gliemann präsentiert Kinderbuch über Depression

Mit Gitarre und ihrem Buch „Papas Seele hat Schnupfen“ war Autorin Claudia Gliemann zu Gast in der Olper Stadtbücherei.

„Was glaubt ihr: Wie viele Kinder gibt´s in Deutschland, die eine Mama oder einen Papa haben, deren Seele krank ist?“ Die Antworten der Drittklässler reichen von „50“ bis „40.000“ – dazu „das sind doch viel zu viele“. Die richtige Antwort kommt von Autorin Claudia Gliemann: „Es sind zwei bis vier Millionen Kinder.“

Olpe – „Papas Seele hat Schnupfen“ heißt das Buch, mit dem die Karlsruher Autorin und Verlegerin Claudia Gliemann auf Einladung des „Bündnisses gegen Depression in Olpe und Siegen-Wittgenstein“ in der Stadtbücherei Olpe zu Gast war. Ein Kinderbuch über Depression, unter anderem ausgezeichnet mit dem Publikumspreis der Frankfurter Buchmesse. 

„Das ist das erste Mal, dass wir eine Veranstaltung speziell für Kinder anbieten“, sagte Petra Lütticke vom Bündnis gegen Depression und Behindertenbeauftragte des Kreises Olpe. Zwei dritte Klassen der Düringer Schule lauschten andächtig Neles Geschichte: Nele ist ein Zirkuskind, ihre Eltern sind Hochseilartisten. Inmitten dieser bunten, glitzernden, fröhlichen Welt wird Neles Papa krank. „Papa ist da und doch nicht da. Manchmal ist es so, als hätte er Angst vor sich“, erzählt Nele im Buch. 

Ausgerechnet während der großen Olympiade der Zirkusartisten kann er nicht mehr, steht auf dem Seil, kann keinen Schritt mehr gehen, wird ins Krankenhaus gebracht. Und Nele sieht sich einer Vielzahl von Gefühlen ausgesetzt – von Scham, dass ihr stets großer, starker Papa vor den Augen der Welt zusammenbricht, über Wut, Trauer und Angst, dass die anderen Kinder sie hänseln: „Dein Papa hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“. „Ich will tanzen, toben, lachen, will ein Kind sein, bin noch klein“, singt Claudia Gliemann gemeinsam mit den Grundschülern. 

Mit der „Nummer gegen Kummer“

Hilfe findet Nele beim Clown „dummer August, der eigentlich sehr schlau ist“. Er erklärt: „Die Seele von deinem Papa hat Schnupfen, der ganz lange dauert. Genau wie wenn man sich das Bein bricht.“ Nele versteht: „Papas Seele ist traurig, obwohl sie fröhlich sein möchte“. Nachdem Papa aus dem Krankenhaus zurück ist, ist noch lange nicht alles gut. Aber eines Tages sieht Nele ihn auf dem Seil üben – und er streckt ihr seine Hand entgegen. Ihr Papa konnte nie sagen, dass er stolz auf sie ist, dass er sie lieb hat. Aber jetzt weiß Nele: „Du bist toll, großartig, wundervoll, du bist du“: 

Die Autorin animiert die Kinder erneut zum Mitsingen und fragt: „Was denkt ihr, wie ginge es euch als Nele?“ „Ich hätte nicht mehr lernen und denken können“, so die Antwort einer Schülerin. Zum Abschluss hat Claudia Gliemann noch ein „Ich-Buch“ zum Ausmalen für jedes der Kinder dabei – vor allem geht´s hier um den Zustand ihrer Seele. Und auf der letzten Seite: die „Nummer gegen Kummer“ für Kinder, Tel. 116 111 – anonym und kostenlos.

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