1. SauerlandKurier
  2. Kreis Olpe
  3. Olpe

Digitale Stadtführung in Olpe - was geht und vor allem: wie es geht

Erstellt:

Von: Sebastian Schulz

Kommentare

Digitale Stadtführungen in Olpe
Die Macher der digitalen Stadtführungen, unter anderem Silke Niederschlag (hinten, 2. v. r.) vor dem Olper Geschichtsbrunnen und der Kirche St. Martinus. © Stadt Olpe

In Olpe wird es bald eine neue Möglichkeit geben, die Stadt zu erleben und besser kennenzulernen. Der Stadtmarketingverein Olpe Aktiv steht kurz davor, das Projekt „Digitale Stadtführungen“ zu starten. Wie es funktioniert und warum dieses Vorhaben sogar preiswürdig ist, darüber sprachen wir mit Projektleiterin Silke Niederschlag von Olpe aktiv.

Frau Niederschlag, die Stadt Olpe kann man bald auch digital mit dem Handy erleben. Was steckt dahinter?

Im Rahmen des Smart-City-Projektes möchten wir unsere Kreisstadt digital und vor allem auch barrierearm erlebbar machen. Wir wollen Tradition und Moderne miteinander verbinden und Stadtgeschichte auf interessante Weise präsentieren. So wird es im Stadtkern bald 15 Hinweisschilder mit Kurzbeschreibung, Kartenausschnitt und QR-Code geben, die unsere Denkmale und Sehenswürdigkeiten kurz und knackig darstellen.

Digital bedeutet: Ich nehme mein Handy und finde an den Stationen QR-Codes vor, mit deren Hilfe ich Informationen auf den Bildschirm bekomme?

Exakt. Die Nutzer scannen den QR-Code, gelangen dann auf eine Homepage, auf der man viele Auswahlmöglichkeiten findet: Eine Vorleseoption, ein Hörspiel für Kinder, eine detaillierte Beschreibung für Menschen mit Sehbehinderung und den Text in leichter Sprache für kognitiv beeinträchtigte Menschen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Google-Übersetzung, sondern professionell gesprochene Podcasts mit Hintergrundgeräuschen. Ein wahres Erlebnis. Zudem bieten wir die Möglichkeit an, die Texte professionell übersetzt auf Englisch, Französisch und Niederländisch zu lesen.

Welche Stationen sind zum Beispiel Teil der digitalen Stadtführung?

Wir haben uns zum einen am bereits bestehenden historischen Stadtrundgang orientiert. Ein Flyer mit 12 Stationen liegt bei uns in der Tourist-Information aus. Das war uns aber nicht genug. Wir haben zudem die Kompetenz unserer Stadtführer:innen genutzt und diese gebeten, uns durch Olpe zu begleiten, um so die für sie wichtigsten Standorte zu definieren. Nun sind es 15 an der Zahl, darunter der Pannenklöpper, die Martinus-Kirche, die Evangelische Kirche, der Geschichtsbrunnen, Hexen- und Engelsturm sowie weitere Denkmale entlang des Weierhohls bis zur Bleichewiese.

Sie sprachen zum Beispiel Menschen mit Sehbehinderungen an. Können also auch Menschen mit Einschränkungen die digitale Stadtführung erleben?

Neben der Vorleseversion für Sehbehinderte, die die Sehenswürdigkeit im Detail beschreibt und die Umgebung ganz eindrucksvoll schildert, ist es uns wichtig, dass die Hinweistafeln ebenso für Rollstuhlfahrer gut lesbar und der QR-Code leicht zu scannen ist. Die Höhe und der Neigungswinkel der Schilder werden rollstuhlgerecht montiert. Wir versuchen zudem, Hinweistafeln auf holprigen Pflastersteinen wie auf dem Marktplatz oder beim Hexenturm zu vermeiden. Daher wird der Hexenturm zum Beispiel auch aus dem Weierhohl heraus beschrieben.

Ist die digitale Stadtführung auch für Kinder geeignet?

Ja, sehr sogar – für Kinder, Schüler und Familien. In unserem Hörspiel unterhalten sich Felix (Tamme Heuel) und Marie (Noa Struve) mit ihrem Vater Sebastian (Michael Heuel) über die geschichtlichen Hintergründe, stellen Fragen zu den Olper Sehenswürdigkeiten, haben aber auch Antworten parat. Das macht das Ganze sehr lebendig. Eine tolle Empfehlung für den sonntäglichen Familienausflug.

Löst diese neue Variante nun die bisherigen Stadtführungen in Olpe ab?

Auf keinen Fall. Daher haben wir auch die Stadtführer:innen Andrea Arens, Sonja Hütte und Klaus Klapheck von Anfang an mit ins Boot genommen. Wir sehen die digitale Stadtführung eher als smarte Ergänzung zu unserem bisherigen Angebot und verweisen online auch auf die persönlichen Führungen, die ja noch einmal ganz andere Zielgruppen ansprechen.

Wie sind Sie auf die Idee für diesen digitalen Rundweg gekommen?

Ehrlich gesagt hatten wir während der Pandemie plötzlich Zeit, uns mit Themen, die über das Tagesgeschäft hinausgehen, zu beschäftigen. In normalen Jahren bleibt kaum Gelegenheit, sich nebenbei um außergewöhnliche und zeitintensive Projekte zu kümmern. Die Umsetzung einer digitalen Stadtführung resultierte als Wunsch aus der Bürgerbeteiligung im Rahmen von Smart City. Uns gefiel die Vorstellung sehr. Wir haben im Januar 2021 mit der Umsetzung begonnen und im Laufe des Projektes immer neue kreative Ideen mit einfließen lassen. Diese Entwicklung hat unserem Team – Martin Telsnig, Lea Hartmann und mir – sehr viel Spaß bereitet.

Sie haben sich mit diesem Projekt auch für einen landesweiten Preis beworben...

Ja, genau. Wir haben uns um den ADAC-Tourismuspreis NRW beworben. In Summe sind rund 30 Projekte eingereicht worden, die besten zehn durften ihr Vorhaben am 13. Oktober in Dortmund vor einer zehnköpfigen Jury präsentieren. Das war richtig aufregend und für uns bereits ein wahnsinniger Erfolg. Wir sind jetzt ganz gespannt.

Wann soll die Verleihung des ADAC-Tourismuspreises stattfinden?

Am 3. November. Zunächst werden dem Publikum die zehn Projekte noch einmal vorgestellt und dann heißt es „the winner is…“ – ein bisschen so wie bei einer Oskar-Verleihung. Drei der zehn Teams können sich auf ein tolles Marketingpaket freuen. Für uns ist das bereits jetzt ein absolutes Highlight, so weit gekommen zu sein. Es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und etwas geschaffen haben, worauf wir in Olpe stolz sein können.

Und ab wann geht das Angebote der digitalen Stadtführung in Olpe offiziell an den Start?

Wir hoffen, dass wir die Hinweisschilder noch vor dem Winter einbetonieren können. Dann kann es endlich losgehen mit der Olper Stadtgeschichte, die für alle erlebbar gemacht werden soll.

Auch interessant

Kommentare