Immer mehr Aufgaben

Digitaler Impfpass: Apotheker im Sauerland schlagen Alarm - „Gehen auf dem Zahnfleisch“

Klassischer Impfpass für den Nachweis der Corona-Impfung? Viele werden stattdessen lieber den digitalen Impfnachweis auf dem Smartphone nutzen - mit dem CovPass.
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Der digitale Impfpass soll am Montag an den Start gehen. Für die Apotheken bedeutet das eine Mehrbelasung.

Der digitale Impfpass soll am Montag, 14. Juni, in den Apotheken ausgestellt werden. Das hat das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch erklärt. Was für vollständig Geimpfte eine gute Sache werden soll, treibt die Apotheken jedoch weiter ans Limit. Wie sehr, erklärt Ulf Ullenboom, Sprecher der Apothekerschaft im Kreis Olpe, am Donnerstagmorgen auf SauerlandKurier-Nachfrage.

Olpe - Am Mittwoch angekündigt - am nächsten Montag realisiert. Das Vorgehen beim digitalen Impfpass sorgt für eine Kurzfristigkeit, die den Apothekern sauer aufstößt. „Die Regierung prescht vor und sagt: ‚Die Apotheken schaffen das schon. Das haben sie ja immer geschafft‘“, erklärt Ulf Ullenboom. Dabei würde das Personal in den Apotheken die immer neuen Aufgaben nur schaffen, „indem wir weiter auf dem Zahnfleisch gehen“, beschreibt er die Überlastung in den Apotheken.

Paradox: Bürger können bereits jetzt online unter www.mein-apothekenmanager.de nachsehen, welche Apotheken digitalen Nachweis nachträglich ausstellen. Die Registrierung der Apotheken läuft aber noch recht holprig: „Viele Apotheken wissen noch gar nicht, wie das mit der Registrierung funktioniert.“ Aktuell laufen bereits „die Telefone heiß“, wie Ullenboom erklärt.

Digitaler Impfpass: „Es wird Druck aufgebaut“

„Es wird Druck aufgebaut - und bei uns stapeln sich die Dinge. Man wird nicht mehr fertig“, sagt Ullenboom. Schließlich haben die Apotheken neben den Corona-Tests, der Ausstellung von Nachweisen darüber und der Ausstellung der digitalen Impfnachweise auch noch eine Kernaufgabe, nämlich die Beratung und die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten.

Die Apotheker arbeiten laut Ullenboom immer mehr in Verläufen, die sich dauernd ändern. „Wenn wir damit fertig sind, die Nachweise nachträglich auszustellen, gibt es den digitalen Impfpass bereits bei den Impfstellen. Dann hat sich der ganze Zirkus erledigt und wir haben uns für eine kurzfristige Sache aufgerieben“, blickt er in die Zukunft.

Ullenboom erteilt dem digitalen Impfnachweis aber keine grundsätzliche Absage: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass alles ab Montag klappt. Aber es sollten jetzt nicht alle direkt am Montag mit dem Impfpass in die Apotheken kommen.“ Der Apotheker macht deutlich. „,Mal eben‘ geht nicht. Das Ganze ist doch mit einigen Klimmzügen verbunden.“

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