Vor-, Nach- und Vorurteile

„Eine Hilfe für den Wald“: Waldgenossenschaften werben für Fichte als Brennholz

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Oskar Weber, Philipp Hammeke und Thomas Kramarz (v.l.) stellten am Freitag die Vor- und Nachteile von Fichten-Brennholz vor.

Rehringhausen – Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahre und der Borkenkäfer setzen dem heimischen Wald – besonders der Fichte – sehr zu. Das ist hinlänglich bekannt. Auch, dass den Waldbesitzern dadurch immense wirtschaftliche Schäden entstehen. Allerdings ist ein Problem noch nicht so im öffentlichen Bewusstsein: Wohin mit dem ganzen Holz, das jetzt anfällt? Die Waldbesitzer im Raum Olpe werben nun für Fichtenholz als Brennholz. Und räumen dabei gleich mit Vorurteilen auf.

Freitag, 11 Uhr, am „Kruberg“ oberhalb von Rehringhausen. Blick nach rechts: Kahlschlag. Blick nach links: große Mengen an geschlagenem Fichtenholz. Hier war der Borkenkäfer am Werk. Die Folge: „Wir mussten unendlich viel Holz einschlagen“, erklärt Revierförster Thomas Kramarz, Leiter des Forstbetriebsbezirks Kleusheim. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht, denn um der „Käfer-Seuche“ Herr zu werden, müssen sicherlich in den kommenden Jahren noch mehr Fichten gefällt werden. Zum Teil können die Waldbesitzer das Fichtenholz verkaufen und exportieren, aber das sogenannte „Industrieholz“, aus dem normalerweise Spanplatten oder Holzwolle hergestellt wird, ist laut Kramarz aufgrund des hohen Angebots „faktisch nicht mehr absetzbar.“ Und so verbleibt viel Holz, der älteste vom Menschen genutzte Energieträger, der dazu noch CO2-neutral, ist, in den Wäldern. Dabei eignet es sich auch als Brennholz.

„Es herrscht die Meinung, dass das Harz im Nadelholz für Glanzruß im Kamin sorgt und so zu Kaminbränden führen kann. Aber das stimmt nicht. Das Harz verbrennt einfach mit. Das ist unbedenklich für alle Öfen“, räumt Oskar Weber von der Schornsteinfeger-Innung mit einem Vorurteil auf. Ursache für den Ruß seien zu wenig Sauerstoff beim Verbrennen und nasses Holz. „Das Wichtigste ist, dass das Holz trocken ist. Aber das ist bei Laubholz aber auch so“, weiß Philipp Hammeke, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Rehringhausen und der Forstbetriebsgemeinschaft Kleusheim.

Ein weiteres, oft gehörtes Vorurteil: Mit dem „Käferholz“ holt man sich den Borkenkäfer ins Haus. „Der Käfer sitzt vor allem unter der Rinde. Wenn das Holz aufgearbeitet ist, ist die Rinde aber entfernt. Da ist kein Käfer mehr drin“, so Kramarz. Er gibt auch einen Ausblick auf die kommenden Jahre: „Die Olper Waldgenossenschaften werden in den nächsten drei bis vier Jahren keine gesunden Eichen, Buchen oder Ahorne mehr fällen, solange so viele Fichten absterben.“ Eine Haubergswirtschaft wird in dieser Zeit nicht stattfinden.

1500 Kilowattstunden pro Raummeter

Natürlich hat Fichten-Brennholz auch Nachteile: Während Buche einen Brennwert von 2100 Kilowattstunden (kWh) pro Raummeter hat, stehen bei Fichte gerade einmal 1500 kWh pro Raummeter zu Buche. Ein Raummeter entspricht einem Würfel von einem Meter Kantenlänge. „Wenn Sie bisher zwei Stücke Buchenholz zum Heizen genommen haben, werden Sie in Zukunft drei Stücke Fichtenholz brauchen“, erklärt Schornsteinfegermeister Oskar Weber die Zahlen. Aufgrund des Funkenflugs darf Nadelholz nur in geschlossenen Systemen verbrannt werden. Laut Weber geht der Trend aber weg vom „offenen Kamin mit Bärenfell davor“: „Die dürfen ohnehin nur unter Aufsicht betrieben werden. In den vergangenen zehn Jahren habe ich keinen offenen Kamin abnehmen müssen.“

Aktuell liegen rund 500 Festmeter Holz unverkauft in den Wäldern der Forstbetriebsgemeinschaft Kleusheim. Das soll sich bald ändern: „Das Holz kann selbst aufgearbeitet werden oder auch am Weg gerückt in Drei-Meter-Stücken von den Vorständen der Waldgenossenschaften erworben werden. Das wäre auch eine Hilfe für die Wälder“, sagt Kramarz, Denn das Holz muss schnellstmöglich aus den Wäldern raus: „Wir müssen bis zum Frühjahr die Wälder aufgeräumt haben.“ Und da bittet Kramarz um Nachsicht: „Wir arbeiten waldschonend, aber ohne Dreck geht es nunmal nicht. Daher bitten wir um Verständnis, wenn mal Dreck auf der Straße liegt oder die Waldwege nicht im allerbesten Zustand sind.“

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