Frau des Bundespräsidenten spricht mit Eltern und Mitarbeitern

Elke Büdenbender besucht Kinderhospiz Balthasar

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Dass das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar wahrhaftig ein Ort zum Leben und Lachen, Sterben und Trauern ist, erfuhr Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, hautnah. Lotta übergab ihr eine Erinnerung an ihren Besuch (v.l.): GFO-Geschäftsführer Markus Feldmann, pädagogische Leitung Anja Schulte, Einrichtungsleiter Rüdiger Barth, Lotta und Elke Büdenbender.

Olpe – „Also fangen wir mal ganz vorne an: Ich bin Elke Büdenbender, komme gerade aus Berlin, bin Richterin und gerade allerdings beurlaubt“: Schon mit ihrer Begrüßung bricht die Gattin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mögliche Hemmungen. Im Gespräch mit lebensverkürzend erkrankten Jugendlichen, deren Eltern, Geschwistern und den Mitarbeitern im Olper Jugendhospiz Balthasar am Dienstagmittag zeigt sich Elke Büdenbender berührt und begeistert.

„Wenn ich durch meinen Besuch mehr Aufmerksamkeit sowohl für die Betroffenen als auch für das Thema schaffen kann, habe ich viel erreicht“, sagt Büdenbender nach dem Gespräch während sich im Hintergrund im Garten bunte Windräder drehen, die an die verstorbenen Kinder erinnern. „Was für eine tolle Einrichtung. Und auch Pflegeberufe müssen in allen Bereichen viel, viel mehr wertgeschätzt werden.“ 

Im Gespräch mit den Eltern zeigt sich Elke Büdenbender ernsthaft interessiert, teilweise erschüttert, sie neigt sich den Eltern entgegen, hakt nach, will in der Kürze der Zeit möglichst viel verstehen, hört den einzelnen Geschichten zu, will wissen, was getan werden muss, um die Situation der Betroffenen zu verbessern. „Es ist hart. Wenn man sein Kind pflegt, kommt man ständig an seine Grenzen“, erzählt eine Mutter, die bereits einen Sohn verloren hat. „Hier im Kinderhospiz haben wir Urlaub, können tatsächlich Kraft tanken.“ Dies ginge nur durch das Vertrauen, das man in die Mitarbeiter und Pflegekräfte habe. 

Elke Büdenbender im Gespräch mit den Familien.

Das bestätigen auch andere Eltern: „Wenn ich hier bin, erkenne ich meine Frau nicht wieder“, schmunzelt ein Vater. „Sie ist entspannt und gelöst. Zuhause steht sie unter Dauerspannung“. Bereits in der ersten Nacht schlafe sie hier durch, während sie Zuhause zwei bis drei Mal aufstehen müsse, um ihr lebensverkürzend erkranktes Kind zu versorgen. 

"Personalmangel in der Pflege ist dramatisch"

Allerdings nicht nur die Wärme und positive Erfahrung und Entlastung im Kinderhospiz Balthasar verbindet die Familien – auch die schwierige Situation im Bereich der Pflege wird ständig thematisiert. „Mein Sohn musste operiert und anschließend auf der Intensivstation 24 Stunden überwacht werden“, berichtet eine Mutter. „Ich konnte noch nicht mal für 30 Minuten weg, um neue Windeln für ihn zu holen – schlicht und einfach, weil es kein Pflegepersonal gab, das mich hätte ablösen können. Es war einfach nicht möglich“. Zustimmendes Nicken in der gesamten Runde und ein entsetzter Gesichtsausdruck bei Elke Büdenbender. 

In gemütlicher Runde sitzt die Frau des Bundespräsidenten mit den Familien im Kinderhospiz zusammen.

Das kenne sie auch, meist würde sie im Krankenhaus die komplette Pflege übernehmen, ergänzt eine andere Mutter. Nicht weil die Pflegekräfte nicht engagiert seien – im Gegenteil: „Aber der Personalmangel in der Pflege ist dramatisch. Krankenkassen arbeiten gewinnmaximierend, wachsende Bürokratie und Überlastung machen das nicht einfacher“, so ein Vater. Entschieden werde nach Aktenlage, nicht nach dem realen Zustand des Kindes – ein unmöglicher Zustand für die Betroffenen. 

Als Idee geben die Eltern Elke Büdenbender mit, eine ganzheitliche, niedrigschwellige Beratungsstelle – außerhalb von Pflege- und Krankenkassen – einzurichten, die sowohl in der Pflege, als auch im Paragraphen-Dschungel helfen könne.

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