Ein Holzbau für die Waldhüter

Fast ein Déjà-vu: Regionalforstamt plant Neubau in der Stubicke

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Hubert Kaiser, Jochen Ritter, Jürgen Messerschmidt, Andreas Wiebe und Erwin Zeller (v.l.) stellten die neuen (und alten) Planungen vor. 

Olpe. Irgendwie hat man das alles schon einmal gehört: Das Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland mit Sitz in der Olper Stubicke zieht um. In ein neues Gebäude, direkt gegenüber vom aktuellen Standort. Jetzt haben die Verantwortlichen des Olper Forstamts die Pläne vorgestellt. Wem das bekannt vorkommt: Richtig, ähnliches ist bereits im Jahr 2015 durch die Presse gegangen. Doch jetzt gibt es einen kleinen – aber am Ende ausschlaggebenden – Unterschied.

Es sind keinen besonders guten Bedingungen, unter denen die Beschäftigten des Forstamts derzeit arbeiten müssen. Das erklärte dessen Leiter Jürgen Messerschmidt bei einem Pressegespräch am Freitagmorgen: „Das Hauptgebäude platzt aus allen Nähten. Das frühere Kutscherhaus ist nicht mehr als Büro- und Lagergebäude nutzbar. Daher müssen einige Mitarbeiter zwangsweise von zuhause arbeiten.“ Doch nicht nur das: Im Keller des Hauptgebäudes breitet sich der Schimmel aus, alte Akten mussten deshalb schon vernichtet werden. Und der Besprechungsraum im Dachgeschoss kann ebenfalls nicht mehr genutzt werden. Eigentümer der denkmalgeschützten Häuser ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW. Dieser will die Gebäude nach dem Umzug verkaufen.

„Wir brauchen ein gestärktes Forstamt für den geschwächten Forst“, warb der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Ritter am Freitag für den Neubau. Vor dem Hintergrund der aktuellen Anforderungen – Klimawandel, Borkenkäferplage, Trockenheit – sei der Neubau „absolut gerechtfertigt.“ Erinnerte auch daran, dass das „Vorhaben seit einigen Jahren in der Pipeline“ sei und „an mancher Stelle stockte“. Umso mehr freute sich Ritter, dass „das Vorhaben jetzt Fahrt aufnimmt.“

Plan liegt jahrelang auf Eis

Gestockt hatte der Neubau, dessen Pläne und ebenso die Baugenehmigung der Stadt Olpe aus dem Jahr 2015 datieren, weil sich das Projekt für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW als wirtschaftlich nicht darstellbar erwies. Also wurden die Pläne zunächst auf Eis gelegt. Seit dem 21. Februar ist die Ausschreibung aber wieder öffentlich – mit einem Unterschied zur Ursprungsversion: „Es handelt sich um eine beschränkte Ausschreibung zum Teilnahmewettbewerb mit Verhandlungsverfahren“, erklärte Erwin Zeller, Leiter Zentrale Dienste beim Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland. Ein Verhandlungsverfahren gab es früher nicht. 

Die geplante Photovoltaikanlage ist zwar nur optional, bietet aber gewisse Vorteile.

Im Klartext sieht der Zeitplan jetzt vor, dass potenzielle Investoren, die das Grundstück kaufen, das Gebäude bauen und anschließend an Wald und Holz NRW vermieten, ihre Vorschläge bis zum 6. Mai einreichen. Diese werden bis Ende Mai bewertet, danach werden die Vorschläge mit den in Frage kommenden Investoren verhandelt – die aktuellen Pläne sind also nicht in Stein gemeißelt.

Genau so wenig wie das neue Gebäude, das soll nämlich in Holzrahmenbauweise mit Fichte als Konstruktionsholz und einer sieben Zentimeter dicken Weißtannen-Schalung entstehen. Die Nettogeschossfläche in den vier Etagen (inklusive Dachgeschoss) beträgt rund 1100 Quadratmeter. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage geplant. „Dazu wollen wir den Investor nicht zwingen. Aber wir wären bereit, unseren Strom dann komplett über die Photovoltaik zu beziehen“, räumte Zeller ein. Geheizt wird komplett mit Holz: mit einer 32-KW-Holzpellettanlage. Zeller: „Das Gebäude wird ein Referenzprojekt für den Investor.“

Werkraum für Menschen mit Handicap

Neben Arbeitsplätzen für die derzeit 15 Büro-Mitarbeiter und drei Auszubildenden soll es im Neubau auch eine Bibliothek/Archiv, Sitzungsräume und einen Werkraum geben. „In dem Raum können Menschen mit Handicap den Werkstoff Holz erleben“, so Zeller weiter. Wenn alles gut läuft, beginnt der Bau im April 2020, der Umzug ist für August 2021 geplant – fünf Jahre später als in den ursprünglichen Planungen.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, ist besonders angetan von der Holzbauweise des geschätzt 2,7 Millionen Euro teuren Gebäudes: „Das ist seht zur Nachahmung empfohlen.“ Und auch Landesforstchef Hubert Kaiser aus dem NRW-Umweltministerium zeigte sich erfreut: „Wir setzen damit ein Zeichen, dass wir uns einem zentralen Standort in NRW dauerhaft engagieren. Das Ministerium ist sehr daran interessiert, dass das Projekt jetzt schnell umgesetzt werden kann.“

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