25 Jahre Begegnungsstätte „Altes Backhaus“ in Saßmicke

„Gang in die Vergangenheit“

Das Backhaus Saßmicke wurde bereits um 1800 errichtet und wurde liebevoll restauriert. Foto: Ina Zeppenfeld

25 Jahre Begegnungsstätte „Altes Backhaus“ in Saßmicke – das muss natürlich gefeiert werden: Der Backhausausschuss Saßmicke feiert am Samstag, 9. August, sein 25-jähriges Bestehen als Mittelpunkt des Dorfes.

Der Tag startet ab 11 Uhr mit einem Gottesdienst in der St. Johannes Nepomuk Kirche Saßmicke. Dieser wird vom Musikverein Saßmicke mitgestaltet. Anschließend geht´s im und rund um das Backhaus hoch her. Die Original Saßmicker Blasmusik sorgt für Stimmung, im alten Ofen wird selbstverständlich frisches Brot gebacken und für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Gegen 18 Uhr klingt das Fest langsam aus.

Wenn Wände reden könnten, hätten die des Backhauses in Saßmicke sicher viel zu erzählen. Im Sonderdruck aus den „Heimatstimmen“ des Kreises Olpe gewährt Maria Ebbert einen genaueren Eindruck in die Geschichte des Backhauses. Das um circa 1800 erbaute Gebäude diente generationenübergreifend als Backhaus des Dorfes Saßmicke. Die Backstube war Teil eines Bauerngehöfts – des Hofs Lütticke. In den Anfängen war die von den Besitzern Burg abstammende Bezeichnung „Op der Burg“ sehr geläufig. 1800 wurde das urige Haus von denen aus Saßmicke stammenden Eheleuten Gummersbach bewohnt. Nur wenige Jahre später (1803) zerstörte ein Brand das Heim der Familie, bei dem auch die damals 36-jährige Ehefrau ums Leben kam. Mühselig renovierte der verbliebene Ehemann das Haus, in welchem jedoch 1850 erneut ein Brand im Obergeschoss ausbrach. Die abermalige Renovierung wurde vom Sohn der Familie Gummersbach, Peter Ignaz, vorgenommen. Dessen Tochter, Maria Elisabeth, heiratete im Jahre 1853 Heinrich Lütticke. So kamen Hof und Backhaus in den Besitz der Familie Lütticke. Nachdem diese jedoch verstarb und Heinrich Lütticke erneut heiratete, kam es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände. Von neun Kinder, aus erster und zweiter Ehe des Heinrich Lütticke verstarben bereits drei im jungen Alter. Die verbliebenen Töchter heirateten abermals und bekamen Kinder. Der einzige verbliebene Sohn heiratete ebenfalls und wurde Vater.

Doch auch hier schien der Fluch kein Ende zu nehmen; vier seiner Kinder verstarben, sodass nur der Sohn Josef als alleiniger Erbe übrig blieb. Er lebte mit Frau und Kind zusammen, welche aber nach seinem tödlichen Traktorunfall, umsiedelten. Danach ging der Besitz in viele andere Hände über, letztlich aber in jene des Graphikers Gunter Hoffmann. Dieser stellte das historische Gebäude unter Denkmalschutz um es nicht dem Verfall preis zu geben.

300 Brote gebacken

Durch eine 8.000 D-Mark hohe Bezuschussung des Landesamtes für Denkmalschutz wurde dem Backhaus seine ursprüngliche Funktion wieder zugeführt. Dieses Geld fand seinen Nutzen in der Renovierung des alten Gewölbekellers und dessen Ofen, welcher geschätzte 200 Jahre alt ist. Überlegungen, wie der obere Teil des Hauses genutzt werden könne, führten zu der Einigung einen Treffpunkt für Jung und Alt zu schaffen. Zur weiteren Restaurierung bezuschusste der Kreis Olpe 20.000 D-Mark und der Landeskonservator nochmals 40.000 D-Mark. Somit konnte ein Gemeinschaftsraum, samt Küchenzeile und Toiletten, errichtet werden. Letzteres wurde durch Zugabe von weiteren 20.000 DM finanziert. Durch viele fleißige Helfer und knapp 1200 Arbeitsstunden wurde es am 28. Juli 1990 durch die Stadt Olpe übernommen.

Die damalige Einweihung fand großen Andrang. Rund 300 Brote wurden gebacken. Die Feier ließ Maria Ebbert in Erinnerungen schwelgen: „Für mich war diese Feier zugleich ein Gang in die Vergangenheit. Wieviele Erinnerungen aus fast acht Jahrzehnten ranken sich um dieses alte Backhaus!“.

In früheren Zeiten wurden Brote aus eigens geerntetem Roggen gebacken, Weizen hingegen war damals nicht sehr verbreitet und eher eine Rarität. Stattdessen war Hafer und dessen verschiedenen Endprodukte, wie Plätzchen aus Hafermehl, sehr beliebt, so Maria Ebbert. Bis heute hat das Backhaus in Saßmicke, auch bei geschlossenen Türen, seine Funktion in der Gemeinde; es dient als Aushängebrett für Veranstaltungen und Versammlungen innerhalb des Ortes. Seit dem 15. August 1990 liegt die Obhut des Backhauses in den Händen des Backhausausschusses, welchem die Verantwortung für die Pflege und weitere Ausstattung des Gemeinschaftsraumes zugetragen wurde. (Von Ina Zeppenfeld)

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