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Gaspreise steigen teils „erdrutschartig“: Die Situation im Kreis Olpe und im HSK

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Von: Daniela Weber, Andrea Vollmert, Stefanie Schümmer, Rebecca Weber, Sebastian Schulz

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Gaskunden müssen demnächst bei den heimischen Stadtwerken rund 10 bis 15 Prozent mehr bezahlen.
Gaskunden müssen demnächst mehr bezahlen. © Grein, Dirk

Wer daheim mit Gas heizt, wird sich künftig auf eine deutlich höhere Jahresrechnung einstellen müssen. 100 bis 200 Euro sind nach bisherigen Schätzungen für einen durchschnittlichen Haushalt – je nach Verbrauch – an Mehrkosten zu erwarten, nachdem die Gasversorger nun den Preisanstieg an die Kunden weitergeben. 

Kreis Olpe/HSK - Der Sauerlandkurier wollte nun wissen: Wie ist die Situation derzeit im Kreis Olpe und im Hochsauerlandkreis? Nachfolgend ein Überblick.

Erhöhung der Gaspreise? Nachfrage bei Eon Energie

Wer in den Städten und Gemeinden Finnentrop, Lennestadt, Wenden, Drolshagen, Kirchhundem und in vielen Teilen des Hochsauerlandkreises Gas bezieht und nie den Anbieter gewechselt hat, wird von der Eon Deutschland GmbH, zu der bis zuletzt auch Innogy gehörte, versorgt. Man beobachte die aktuelle Entwicklung an den Energiemärkten sehr genau, habe „vorausschauend die für unsere Privatkunden benötigten Strom- und Gasmengen beschafft“, könne aber keine Aussagen zu den Verbraucherpreisen in den kommenden Monaten treffen, erklärte ein Eon-Sprecher auf Anfrage unserer Mediengruppe. In anderen Punkten hat der Energiekonzern mit Sitz in Essen bereits Fakten geschaffen. „Leider können wir Ihnen derzeit keine Erdgas-Produkte anbieten“, heißt es seit Mitte der Woche auf der Internetseite. Dahinter steckt, dass Eon das Neugeschäft mit Privatkunden vorläufig gestoppt hat. Ein Unternehmenssprecher betonte laut der Deutschen Presseagentur, dass Bestandskunden nicht betroffen seien. Auch seine Aufgaben als Grundversorger werde der Konzern weiter nachkommen, also weiterhin dann einspringen, wenn ein anderer Lieferant für einen Bürger ausfällt.

Schon in der Vorwoche hatte Eon die Belieferungsverträge mit einigen Stadtwerken in ganz Deutschland gekündigt – trotz laufender Rahmenverträge. Die Nachricht zeigt, „wie sich die Lage gerade zuspitzt“, sagte zum Beispiel Dr. Uwe Allmann, Geschäftsführer der Stadtwerke im benachbarten Plettenberg, die ihr Gas unter anderem von Eon beziehen.

Erhöhung der Gaspreise? Nachfrage bei Bigge-Energie

Wer in Attendorn oder Olpe wohnt, hat die Bigge-Energie als Grundversorger. Roland Schwarzkopf erklärt auf Anfrage des SauerlandKuriers, dass der Arbeitspreis, also der Preis pro Kilowattstunde, ab 1. November um 1,1 Cent netto angehoben wird.

Bei einem durchschnittlichen Verbrauch einer Familie von 20.000 Kilowattstunden wäre das eine Mehrbelastung von 220 Euro pro Jahr – zuzüglich Steuern. „Das ist schon weltbewegend und erdrutschartig“, so der Geschäftsführer der Bigge-Energie.

Trotzdem gehört der heimische Anbieter laut Vergleichsportalen zu den günstigsten. „Das liegt daran, dass wir mit mehrjährigen Beschaffungen arbeiten“, erklärt Schwarzkopf. „Wir müssen dann nicht jede Spitze auf dem Markt mitnehmen.“ Viele Anbieter seien nun – bei fast senkrecht steigenden Preisen an der Börse – in Schieflage geraten, weil sie nur kurzfristig planen und bei der Preisentwicklung die versprochenen Tarife nicht halten können.

„Wir von der Bigge-Energie sind sehr bemüht, das so verträglich wie möglich zu gestalten“, ist für Roland Schwarzkopf ein wichtiger Punkt. „Den Trend nach oben gibt es schon lange. Daher haben wir auch lange gewartet, bevor wir die Erhöhung um 1,1 Cent netto beschlossen haben.“ Der Geschäftsführer weiß um die Relevanz: „Ich bin seit Anfang der 1990er Jahre in dem Bereich tätig. Eine solche Erhöhung hat es in der Zeit noch nie gegeben.“

Damit aber nicht genug, denn Roland Schwarzkopf befürchtet, dass es auf dem Weltmarkt bald eine ähnliche Entwicklung für Strom geben werde. Derzeit rede nur noch niemand darüber. Er ist sich aber sicher: „Es wird eine ganz harte Energiezeit auf uns zukommen.“

Erhöhung der Gaspreise? Nachfrage bei den Stadtwerken Brilon

Bei den Stadtwerken Brilon als Grundversorger ist laut Internetportalen eine Preissteigerung von sage und schreibe 15,4 Prozent zu erwarten. „Leider können wir uns nicht erklären, wie von einer Preiserhöhung von 15,4 Prozent auf der Seite ausgegangen werden kann“, wie die Pressesprecherin der Stadtwerke Brilon, Katrin Elsholz, auf Nachfrage des SauerlandKuriers betont: „Wir haben lediglich die CO2-Steuer an unsere Kunden weitergegeben und das nicht einmal, wie eingeführt zum 1. Januar 2021, sondern zum Vorteil unserer Kunden erst zum 1. September 2021.“

Eine Preiserhöhung für Neuverträge sei vorgenommen worden. „Diese Mengen sind für uns nur schwer planbar – hinzu kommen beim Gas noch mögliche Temperaturschwankungen, welche die zu beschaffende Menge maßgeblich beeinflussen können“, so die Pressesprecherin weiter.

Bei den Stammkunden seien die Stadtwerke Brilon derzeit noch am Rechnen und könnten noch nicht genau sagen, welche Auswirkungen zu erwarten seien. Katrin Elsholz: „Grundsätzlich haben wir aber durch eine vorausschauende Beschaffung bereits einen Großteil der Mengen eingedeckt, sodass mögliche Auswirkungen eher moderat ausfallen werden. Die Steigerungen, die sich aufgrund der CO2-Steuer ergeben, müssen wir jedoch weitergeben. Hier hat der Gesetzgeber jährliche Steigerungen beschlossen, die sich auf die Endkundenpreise auswirken.“

Erhöhung der Gaspreise? Nachfrage bei HochsauerlandEnergie

Bei der HochsauerlandEnergie, Grundversorger für Olsberg und Bestwig und ab dem 1. Januar 2022 auch für Meschede, werden in der zweiten Oktoberhälfte die Preise kalkuliert. „Derzeit belasten viele Faktoren den Gaspreis, daher ist eine Preiserhöhung wahrscheinlich“, erklärt Jörg Fröhling, Pressesprecher HochsauerlandEnergie. Genaue Zahlen können aber noch nicht genannt werden.

Erhöhung der Gaspreise? Nachfrage bei den Stadtwerken Arnsberg

In Arnsberg können die Kunden neben dem Grundversorger Eon auch die Stadtwerke Arnsberg als lokalen Gasanbieter wählen. Die Stadtwerke werden voraussichtlich in der kommenden Woche in die Preisfindung gehen. „Aufgrund der im Moment extrem volatilen Situation auf den Energiemärkten, wird die Preisfindung einer besonderen Prüfung bedürfen und kann daher länger dauern. Wir versuchen natürlich für unsere Kunden das Beste rauszuholen“, so Thomas Stock, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb / Energie / Marketing / Campus.

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