"Größter Bankraub aller Zeiten"

Ludger Siebert, Peter Hundt, Dietmar Bock und Bernd Griese (v.l.) stellten am Freitag die Jahresbilanz 2011 der Volksbanken vor.

Obwohl die sich immer mehr verschärfenden fiskalischen Rahmenbedingungen sowie die internationale Begleitmusik alles andere als optimistisch stimmen, konnten die Volksbanken Olpe-Wenden-Drolshagen sowie Grevenbrück im Rahmen ihrer traditionellen Bilanzpressekonferenz im Hotel "Albus" abermals auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken.

Bankensprecher Rudolf Siebert (Volksbank Olpe-Wenden-Drolshagen) und sein Kollege Dietmar Bock sowie Peter Hundt und Bernd Griese von der Volksbank Grevenbrück führen das vor allem auf das eigene Geschäftsmodell sowie die nach wie vor ungebrochene Leistungsfähigkeit des heimischen Mittelstandes zurück.

Als den "größten historischen Bankraub" bezeichnete Rudolf Siebert den Schuldenschnitt für Griechenland. Banken, die dem Staat Geld geliehen hätten, verlange man nunmehr ab, auf 50 Prozent ihrer Einlagen zu verzichten. Und das, obwohl sie zuvor nicht einmal einen Zinsvorteil realisiert hätten. Die Volksbanken seien zwar nicht direkt betroffen, Auswirkungen auf den internationalen Kapitalmarkt seien aber sehr wohl gegeben. Die vielzitierte Finanzkrise, so Siebert, sei in Wirklichkeit eine Staatsschuldenkrise. Für das laufende Jahr hoffen die heimischen Banker darauf, dass sich die Politik nicht mit Reparaturen beschäftigt, sondern die grundlegende Sanierung der Staatsfinanzen einleitet. Siebert: "Wenn das gelingt, glauben wir fest daran, dass der Euro dauerhaft Bestand hat."

Volksbanken weiter gewachsen

Gemessen an der Bilanzsumme, die die 820 Millionen Euro-Grenze hinter sich ließ, sind die beiden Volksbanken auch im Jahr 2011 weiter gewachsen. Getragen von mehr als 33.300 Mitgliedern, 299 mehr als im Vorjahr, legten die Genossenschaftsbanken auch in allen anderen wichtigen Bereichen weiter zu. Zurückgeführt wird das vor allem auf das eigene Geschäftsmodell sowie das damit verbundene hohe Vertrauen der Mitglieder und Kunden.

Klare Tendenzen sehen die Bankvorstände vor allem bei den gewerblichen Kunden: Nach den Jahren der Zurückhaltung blickten diese wieder optimistisch in die Zukunft. Florierende Geschäfte, volle Auftragsbücher und steigende Beschäftigungszahlen im Kreis Olpe zögen eine erhöhte Investitionsbereitschaft nach sich, wodurch in diesem Marktsegment auch der Kreditbedarf steige.

Ihre seriöse Geschäftspolitik sowie das auf Sicherheit, Vertrauen, Nachhaltigkeit und dem persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern basierende eigene Geschäftsprinzip bestätigt sehen die Bankvorstände durch die Agentur Standard & Poor´s, die das Rating für die heimischen Genossenschaftsbanken um eine Stufe auf AA- angehoben hat.

Im Aufwind war 2011 auch das Einlagengeschäft. Das Guthaben von Mitgliedern und Kunden auf Giro-, Festgeld- und Sparkonten erhöhte sich in den vergangenen zwölf Monaten um über neun Millionen Euro, was einem Plus von 1,6 Prozent entspricht, auf insgesamt 594 Millionen Euro. Aufgrund der aktuellen Zinsentwicklung werden zurzeit vor allem kurzfristige Anlageprodukte nachgefragt.

Die Kunden setzten zudem auf eine schnelle Verfügbarkeit ihrer Gelder, um kurzfristig und flexibel reagieren zu können. Teilweise fehle auch einfach das Vertrauen in Politik und Wirtschaft für längerfristige Anlageentscheidungen. Nach Einschätzung der Bankvorstände "wird uns das derzeit niedrige Zinsniveau noch einige Zeit erhalten bleiben".

Als besonders bemerkenswert betrachten die Banker die Tatsache, dass sich das Plus bei den Kundenausleihungen auf 17,4 Millionen Euro und somit 3,3 Prozent belief, womit das Kreditvolumen zum Jahresende auf 550 Millionen Euro stieg. Ursächlich für diese Steigerung sei das ausgesprochen gesunde Wachstum der vergangenen Monate.

Optimistisch in die Zukunft

Siebert: "Dass Kredite jetzt auch verstärkt in Erweiterungsinvestitionen fließen, stimmt für die Zukunft optimistisch."

Gute Zahlen prägen auch das Vermittlungsgeschäft. So konnten neue Bausparverträge über eine Gesamtsumme von 51 Millionen Euro abgeschlossen werden. Und auch bei den Lebensversicherungen konnte mit 17 Millionen Euro ein starker Zuwachs von 39 Prozent verzeichnet werden.

Die beiden Genossenschaftsbanken gehören mit 227 Beschäftigten mit zu den großen Arbeitgebern im Kreis Olpe. Besonders stolz ist man auf die Ausbildungsquote von mehr als 10 Prozent, 26 junge Menschen erhalten derzeit bei den Volksbanken im Kreis Olpe eine dauerhafte berufliche Perspektive.

Mit mehr als zwölf Millionen Euro an Gehältern sowie Gewerbesteuerzahlungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro an Städte und Gemeinden leisteten beide Banken einen erheblichen wirtschaftlichen Beitrag für die Region. Im Jahr 2011 seien zudem 189.000 Euro für soziale Zwecke ausgeschüttet worden.

Die mit Basel III verbundenen Eigenkapitalrichtlinien bereiten den Volksbankern keine Kopfschmerzen, schon jetzt sei absehbar, dass man diese Hürde ohne weiteres nehmen wird. Deutliche Kritik übten die Bankvorstände hingegen an der weiteren Zunahme des regulatorischen Drucks. Neben Basel II belasteten Compliance-Regelungen und Maßnahmen zum Verbraucherschutz die Banken über Gebühr, ohne dass damit jedoch ein konkreter Nutzen oder Vorteil für die Kunden verbunden sei.

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