Außergewöhnliches Generationenprojekt – Infonachmittag am 2. November

„Hand in Hand“ – Ehrenamt mit Gewinn

Gemeinsam stark: Das Generationenprojekt „Hand in Hand“ vermittelt Patenschaften, von denen beide Seiten profitieren.

Der Name ist Programm: „Generationen Hand in Hand“ ist ein Projekt von Caritas AufWind und dem Diakonischen Werk, das Patenschaften vermittelt. Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenssituationen über einen längeren Zeitraum hinweg unterstützt und begleitet werden. Exklusiv für den SauerlandKurier berichtet eine Patin von der Idee, sich an dem Hilfsprojekt zu beteiligen – und wie das Leben mit ihrem neuen „Patenkind“ ist: „Hand in Hand“ Die Patenschaftsorganisation „Generationen Hand in Hand“ gibt es seit 21 Jahren. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Diakonie und Caritas-AufWind und im gesamten Kreis Olpe vertreten.Das nächste Patentreffen findet am Montag, 2. November, um 14.30 Uhr bei Caritas-AufWind Olpe, Kolpingstraße 62, statt. Jeder, der sich für „Generationen Hand in Hand“ interessiert, ist willkommen. Ansprechpartner sind:Für Olpe und Wenden: Caritas-AufWind Olpe Gudrun Keßeler Tel.  0173/6165188 oder Tel.  02761/9211511 gkesseler@caritas-olpe.deFür Lennestadt, Kirchhundem und Finnentrop: Caritas-AufWind Lennestadt und Kirchhundem Sebastian Striemer Tel.  0173/3002912 sstriemer@caritas-olpe.deFür Attendorn und Drolshagen: Diakonie Freiwilligenzentrale Ute Biecker Tel.  0162/2400906 Heike Schäfer Tel.  02391/954029 freiwilligenzentrale@diakonie-plbg.de

Olpe.

„Es fehlt mir nichts, dachte ich lange Zeit. Ich bin Anfang 50; habe beruflich und familiär vieles erreicht, mein Leben ist erfüllt und geregelt. Allerdings kam es mir manchmal etwas zu kopflastig vor, weil die vielen verantwortungsvollen, komplizierten Aufgaben im Beruf mich mental ziemlich beanspruchen. Wie steht es mit einem Ausgleich dazu? Wann war ich in meinem Leben zuletzt so richtig unbeschwert?, habe ich mich manchmal gefragt.

Und da ist mir eingefallen, wie schön es war, als mein Kind noch klein war und ich mir Zeit genommen habe, mit ihm zu spielen und gemeinsam die Welt zu entdecken. Dabei wird man selbst fast wieder zum Kind und auf das Wesentliche zurückgeführt. Dann braucht es wenig, um so vergnügt, ausgelassen und befreit zu sein, dass man alles andere vergisst. Aber Kinder sind in meiner Familie eher Raritäten; mein eigenes ist schon erwachsen und zum Studieren aus dem Haus; mein einziger Neffe lebt im Ausland, so dass ich ihn kaum sehe. Und ein Patenkind habe ich nicht; wie schade das ist, wird mir nach und nach erst bewusst...

Durch einen Zeitungsartikel erfuhr ich von dem Projekt ,Generationen Hand in Hand‘, einer Institution von Diakonie und Caritas, die kreisweit Paten vermittelt für Kinder, die in besonderen Lebenslagen die Unterstützung und Begleitung durch einen Paten gebrauchen können. Kurzentschlossen habe ich mit den Mitarbeitern telefonisch Kontakt aufgenommen und so saß ich bereits kurze Zeit später mit im monatlich stattfindenden Patentreffen:

Etwa 20 Patinnen und Paten habe ich dort kennengelernt, deren ,Patengeschichten‘ ich im Laufe der Zeit erfuhr. Faszinierende, denkwürdige Erfolgsgeschichten, die nur das Leben schreiben kann, darüber, wie wichtig und wie es möglich ist, einem Kind in einer schwierigen Lebenssituation als Pate einfach zu helfen. Fast alle Paten begleiten ihr Kind seit mehreren Jahren, sind mit den Besonderheiten der Lebensgeschichten und des Umfeldes vertraut und haben so manche Höhe und Tiefe der kindlichen Entwicklung miterlebt. Bei jedem Paten, der berichtet, spüre ich dessen tief empfundene Anteilnahme am Leben seines Patenkindes.

Welcher Pate passt zu welchem Kind?

Aus der Art des Erzählens und den fröhlichen Mienen der Paten spricht die Herzensbindung, die diese Patenschaft jeweils begründet hat. Und ich erkenne, wie erfüllend es nicht nur für das Kind, sondern auch für den Paten sein muss, einem solchen Kind in seinen Schwierigkeiten, die meist durch Schicksalsschläge verursacht sind, ein Stück Zuwendung und Stabilität zu geben, oftmals durch simple und selbstverständliche, aber regelmäßige Aufmerksamkeit.

Es hat einige Wochen gedauert bis ich ,mein‘ Patenkind bekam. Die Projektmitarbeiter prüfen sehr genau, ob der Pate zum Kind passt und umgekehrt. In groben Zügen hatte ich mitgeteilt, dass ich gerne ein Kind im Grundschulalter mit betreuen möchte und dass ich so etwa alle 14 Tage einen Nachmittag dafür Zeit aufbringen könnte. Ein bisschen war die Wartezeit wie eine Schwangerschaft; meine Vorfreude stieg immer weiter an. Dann meldete mir das Generationenprojekt, man werde mir ein Patenkind vorschlagen: ein fünfjähriges Mädchen, das bald in die Schule kommt.

Das Mädchen hat schon viel mitgemacht – mit einem kürzlich verstorbenen, zuletzt über lange Zeit pflegebedürftigen Elternteil; und der Tatsache, dass der andere Elternteil jetzt im Wesentlichen allein vor den Herausforderungen eines selbständigen Betriebes steht, was ihn an die Grenzen der Belastbarkeit bringt.

Für die Kleine bleibt da schon seit Längerem wenig Zeit, zumal noch weitere Kinder im Teenageralter die elterliche Zuwendung fordern. Ganz klar, dass es da sinnvoll wäre, wenn die Kleine eine weitere Bezugsperson hätte.

Als die Mitarbeiterin des Patenprojekts die kleine Susi (Name geändert), ihren Elternteil und mich bekannt macht, stimmt die Chemie sofort; das spüren wir alle drei. Susi und ich sind uns sofort sehr sympathisch. Ohne große Aufwärmphase, die bei uns nicht nötig war, haben wir das erste Treffen vereinbart. Seitdem spielen und basteln wir zusammen, lesen Kinderbücher, malen wunderschöne Bilder oder sind draußen unterwegs.

Und wir plaudern über die Welt und das Leben; wir lachen viel und sind albern, aber manchmal auch sehr ernst. Regelmäßig freitags alle 14 Tage, manchmal auch etwas öfter, hole ich Susi ab und wir machen uns einen tollen Nachmittag. Wir haben auch schon so manchen Ausflug unternommen, zum Beispiel in den Zoo und in die nahegelegene Eisdiele. Die Kleine genießt es in vollen Zügen, ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen und hat so mitten im Spiel schon manchen Freudentanz aufgeführt, der mich regelrecht gerührt hat, weil ich darin einen Ausdruck von Dankbarkeit ohne Worte zu spüren meine. Sie ist ein wunderbares, normales Kind, das diese Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht und genießt.

Aber wir sind beide sehr froh, dass wir uns haben. Ich denke jetzt oft, wie ,relativ‘ so manche Stressfaktoren sind und dass das Leben eben auch noch andere Seiten hat. Es ist eindeutig ein Gewinn für alle Beteiligten. Susi und ich freuen uns auf jedes Treffen, ihr Elternteil ist durch den zeitlichen Freiraum ein wenig entlastet und auch mein Umfeld ist von meinem ,Patenkind‘ total begeistert und fragt dauernd, wie es ihr geht. Das alles geht jetzt schon seit Monaten so und wird hoffentlich noch Jahre so bleiben...

Froh bin ich auch, dass ich zur Runde der Paten gehöre, die sich monatlich zum Austausch treffen. Hier kann man sich bei Bedarf Rat und Hilfe in Sachen Patenkind holen und auf jeden Fall auch die Gesellschaft netter und tüchtiger Leute, die mitten im Leben stehen und das Herz am rechten Fleck haben.“

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