Eine Trennung mit Folgen

„Harter“ Brexit hätte gravierende Auswirkungen auf die Region

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Das Tischtuch zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ist zerschnitten – jetzt ist die Frage, wie sich der EU-Austritt gestaltet.

Kreis Olpe. Er droht, eine Trennung mit schwerwiegenden Folgen zu werden – nicht nur für die „Sich-Trennenden“: der Brexit. Während die Schäden für Großbritannien und die EU als Ganzes mittlerweile hinreichend beleuchtet wurden, hat diese „Trennung“ aber auch gravierende Auswirkungen für die weiteren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

„Die ökonomischen Folgen des Brexits für EU-Länder und Regionen“: Unter diesem Titel hat die Bertelsmann-Stiftung eine Studie erstellt, die zeigt, welche Auswirkungen der Brexit auf verschiedene europäische Regionen hat . „Allein im Märkischen Kreis werden im Falle eines ,harten’ Brexits rund 1000 Arbeitsplätze wegfallen, im Kreis Olpe rund 100“, hat der heimische Europaabgeordnete Dr. Peter Liese jüngst gesagt. Er wolle er „keine Panik schüren“, sagte aber auch, dass die Studie „nur eine vorsichtige Schätzung“ geben.

Dabei zeichnen die „nackten“ Zahlen ein sehr düsteres Bild. Für Deutschland geht die Bertelsmann-Stiftung nämlich von einem Gesamtverlust von 9,5 Milliarden Euro pro Jahr bei einem „harten“ Brexit (also ohne Austrittsbkommen) aus. Das sind 115 Euro pro Kopf. Das wärte EU-weit der zweithöchste Wert – direkt nach Großbritannien. Auch die Zahlen für den Regierungsbezirk Arnsberg sehen dramatisch aus: Ein Gesamtverlust von 325 Millionen Euro – oder 98 Euro pro Kopf – stehen dort jährlich zu Buche.

„Der Brexit wird auch uns schaden“ 

„Der Brexit schadet Großbritannien, aber er wird auch uns schaden. Und wenn es einen harten Brexit gibt, wird der Schaden enorm sein“, so Liese. Schließlich sei die „starke Industrieregion Südwestfalen mehr als alle andere davon abhängig, dass wir im europäischen Binnenmarkt offene Grenzen und gemeinsame Standards haben“. 

Über die Vereinbarung zwischen der EU und Großbritannien vom Donnerstagabend – mit Verschiebung des Brexit bis zum 22. Mai – muss das britische Unterhaus in der kommenden Woche abstimmen. Eine Ablehnung, wie in der Vergangenheit, ist aber nicht ausgeschlossen. Denn Unterhaus-Sprecher John Bercow hatte bereits mit Blick auf ein Gesetz aus dem 17. Jahrhundert eine erneute Abstimmung abgelehnt. 

Unklar ist, ob die Neuerungen von Donnerstagabend ein neues Votum rechtfertigen. Wenn nicht, oder wenn die Briten dagegen stimmen, wird’s spannend: Dann nämlich ist der 12. April der Stichtag, an dem sich das Vereinigte Königreich zum weiteren Vorgehen äußern muss, gerade in Hinblick auf die Europawahl. 

Bei einer Nichtteilnahme an der Wahl, kommt es unweigerlich zum „harten“ Brexit. Hält Großbritannien jedoch Europawahlen ab, müsste die EU vorher über eine erneute Verschiebung des Brexit entscheiden. Auch die erneute Abstimmung über den EU-Austritt wäre möglich. Es droht also, eine „Trennung mit Schrecken“ zu werden.

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