Von Hornrufen und Schlappohren

Der Halbmondbläserkorps des Deutschen Brackenclubs vor der idyllischen Kulissen der Wendener Hütte.

Weltweit einzigartig und kaum einer weiß es: Der Halbmondbläserkorps des Deutschen Bracken-Clubs in Olpe. Und immer mit dabei: Die Hunde, eine regionaler Schlag der Deutschen Bracke, die Olper Bracke.

Als Gründungsdatum des "Halbmondbläserkorps" wurde der 4. November 1954 festgelegt. Anlass hierfür war der erste uniformierte Auftritt zur Kindtaufe des damaligen Präsidenten des "Deutschen Bracken-Club's", Anton Kraft. Zur Zeit hat der Halbmondbläserkorps 31 Mitglieder.

Der Halbmond als jagdliches Signalinstrument ist mehr als 400 Jahre alt. Die ältesten gebogenen Metallhörner, die die Bezeichnung "Halbmond" verdienen, begegnet man in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert wird der Halbmond, auch Flügelhorn genannt, das Standardhorn der Jägerei in Europa. Seine Blütezeit erlebt er im 18. Jahrhundert. Mit der Deutschen Revolution von 1848 kommt es in Folge der Bindung des Jagdrechts an Grund und Boden zu einem Bruch in der Tradition des Jagdhornblasens.

Anders bei den Brackenjägern. Hier blieb der Halbmond weiterhin im Gebrauch. Bei ihnen gab es keinen Bruch in der jagdlichen Tradition. Wer mit Bracken in unübersichtlichem Gelände, auf Heiden, Mooren und Buschwaldungen jagte, brauchte ein Signalhorn, um die Hunde zu lenken und um sich mit seinen Mitjägern zu verständigen. Die Brackenjäger haben also, egal ob als adlige Herrenjäger, als bodenständige Bauernjäger oder als bürgerliche Jagdliebhaber, in ungebrochener Tradition am überkommenen Halbmond festgehalten und diesen gemeinsam mit den 13 bekannt gewordenen Brackenjagdsignalen aus Westfalen und Hannover in das 21. Jahrhundert hinübergerettet.

Damit sind die Brackenjagdsignale - der Brackenjäger spricht viel stimmungsvoller von Hornrufen - mit Sicherheit viel älter als die offiziellen Jagdsignale.

Und auch die schlappohrigen Hunde mit dem treuen Blick sind etwas ganz besonderes: "Die Bracken sind die Stammväter aller hängeohrigen, mit der Nase suchenden Jagdhunde. Von den früher zahlreichen Brackenrassen ist in Deutschland nur die Westfälische Bracke erhalten geblieben. Ihr bedeutendster Schlag war die dreifarbige Sauerländer Holzbracke, die nach ihren beiden Hauptzuchtorten auch Finnentroper bzw. Olper Bracke genannt wurde. Durch Verschmelzung dieses Schlages mit kleineren Steinbracken, die vor allem im Siegerland gehalten wurden, entstand um 1900 ein Einheitstyp, der seitdem offiziell als Deutsche Bracke bezeichnet wird. Neben dieser hochläufigen Bracke gibt es noch die aus ihr entstandene kurzläufige Westfälische Dachsbracke, die ihre Ursprünge im märkischen Sauerland hat," erläutert Heimo van Elsbergen, Jagdreferent, Ministerialrat und Experte für Bracke und Halbmond.

Bereits 1896 war auf Betreiben des Freiherrn Maximilian v. Kleinsorgen-Blessenohl (Haus Blessenohl bei Eslohe) der Deutsche Bracken-Club gegründet worden. Der Club hatte seinen Sitz zunächst in Finnentrop, seit 1911 in Olpe. Er stellte sich zur Aufgabe, "die von den Vorfahren überkommene uralte Brackenjagd nebst den überlieferten Hornrufen auf dem Halbmond zu erhalten und die älteste, überhaupt bekannte Jagdhundrasse vor dem Untergang zu bewahren".

Regelmäßig begleitet der Bläserkorps deutschlandweit Jagden, zahlreiche Fernsehauftritte und Auftritte auf Festen aller Art halten die Tradition lebendig.

Ein wahres Highlight wartet im September auf die Halbmondbläser mit ihren Hunden: Der holländische Jagdverband hat den Korps zu einer Großveranstaltung in "De Hoge Veluwe", einem der ältesten und größten Nationalparks in den Niederlanden, eingeladen. Dort zeigen die Musiker dann, was sauerländer Tradition wirklich heißt.

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