„Herausforderung der Zukunft“

Jahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt: Erneut deutlich weniger Bewerber als Stellen

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Präsentierten die Bilanz des Ausbildungsmarktes 2018/2019 (v.l.): Daniela Tomczak, Matthias Heider und Stephan Stracke.

Olpe – Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Olpe verschärft sich weiter: Es gibt deutlich weniger Bewerber als gemeldete Ausbildungsstellen. Die Bilanz stellten Daniela Tomczak, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Siegen, Stephan Stracke, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes für den Kreis Olpe (AGV) und MdB Dr. Matthias Heider (CDU) vor.

„Das ist die große Herausforderung der Zukunft“, sagte Daniela Tomczak am Montagmorgen im Haus des AGV in Olpe. „Für die Bewerber ist es natürlich erst einmal super, dass es mehr Stellen gibt – aber aus Arbeitgebersicht ist die Lage überaus prekär. Fachkräftesicherung ist hier das Stichwort.“ Der Kampf um die Bewerber habe definitiv begonnen. 

Gemeldete Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit im Kreis Olpe gab es im Ausbildungsjahr 2018/2019 1539 (2017/2018: 1610), dagegen stehen nur 863 gemeldete Bewerber, 130 weniger als noch im Jahr davor. „Insbesondere, dass die Zahl der unversorgten Bewerber steigt, bereitet uns gleichzeitig Sorgen. Damit sind wir nicht zufrieden“, so Tomczak weiter. Warum hat es zwischen Bewerber und Arbeitgeber nicht funktioniert, sei die Frage, die sich hier stelle. Denn: Ausbildungsstellen gibt es ja rein rechnerisch genug. „Es gelingt zwar immer besser, offene Stellen zu besetzen – 2018/2019 sind nur 19 Stellen unbesetzt geblieben, im Jahr davor waren es noch 70 – allerdings resignieren viele Arbeitgeber und besetzen offene Stellen nicht unbedingt, wenn sich kein passender Bewerber findet. Diese Stellen werden uns dann nicht mehr gemeldet und tauchen in der Statistik nicht mehr auf“, erklärte Tomczak die Zahlen. 

„Leider versteifen sich die Bewerber auf einen Traumberuf und sind nicht bereit, sich einen alternativen Beruf auszusuchen – da mangelt es einfach meist an zusätzlich Informationen zu den Ausbildungsberufen“. Fehlende Mobilität sei eine weitere Herausforderung: „Wenn man zum Beispiel aus Wenden kommt und eine Stelle in Finnentrop haben könnte, ist das mit dem ÖPNV schwer realisierbar“, ergänzte Stephan Stracke. Auf Arbeitgeberseite fehle hingegen häufig die Bereitschaft, die Anforderungen zu reduzieren, wie zum Beispiel den geforderten Schulabschluss. „Obwohl da bereits ein Wandel bemerkbar ist. Neben den Noten ist das Sozialverhalten oft ein großes Problem. Schulische Maßnahmen in den Betrieben ergänzen mittlerweile die klassische Ausbildung“ so Stracke weiter. „Schule kann Erziehung im Elternhaus allerdings nicht ersetzen.“ 

Problem: das Studium gelte als das einzig Wahre

Ein weiteres Problem sei nach wie vor, dass das Studium als das einzig Wahre gelte. „Wir müssen es schaffen, die Attraktivität der Ausbildung zu steigern. Daher weiten wir unser Beratungsangebot direkt an den Schulen aus – sowohl für die Schüler als auch für Lehrer“, erläuterte die Vorsitzende der Agentur für Arbeit weiter. „Auch in einem handwerklichen Beruf kann man erfolgreich sein und viel Geld verdienen. Das weiß ich allerdings mit 17 Jahren noch nicht. Da sind auch die Eltern gefragt, nicht auf ein Studium zu pochen“. 

Viele Berufe hätten außerdem mit vielen Klischees zu kämpfen. 

Die Top Ten der gemeldeten Stellen führen die kaufmännischen Berufe sowie Industriemechaniker an – ähnlich wie die Ausbildungswünsche der Bewerber. „Haben Sie einen Wunsch an die Bundespolitik? Was müssen wir verändern“, wollte MdB Dr. Matthias Heider abschließend wissen. „Ich bin sehr froh über die Rückkehr zu G9. Außerdem muss das Informationsmanagement besser werden und am besten schon in Klasse 9 beginnen“, sagte Daniela Tomczak. Unbedingt notwendig sei es außerdem die Lehrer didaktisch gut auszubilden und vor allen Dingen ihre Arbeit zu entbürokratisieren.

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