Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider in Reutlingen zu sehen

„Kämpfe – Passionen – Totentanz“

Werke aus der Sammlung von Gerhard Schneider (hier: „Der Sieger“ von Georg Netzband, 1937) sind ab Freitag in Reutlingen in der Ausstellung „Kämpfe – Passionen – Totentanz“ zu sehen. Archivfoto: Stadtmuseum Berlin/Michael Setzpfandt

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs, welcher von Historikern inzwischen als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird, zum einhundertsten Mal.

Der Sammler Dr. Gerhard Schneider aus Rhode trug in den letzten Jahrzehnten eine der umfang- und facettenreichsten Spezialsammlungen zu den Haupt- und Nebenwegen der Kunst des 20. Jahrhunderts zusammen, darunter auch zahllose Werke, in denen der Erste Weltkrieg widergespiegelt wird. Eine Auswahl dieser Sammlung ist ab Freitag, 31. Januar, im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen zu sehen.

Das Städtische Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen zeigt anhand von Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälden aus der Sammlung Gerhard Schneider, wie Künstler das Zeitgeschehen unmittelbar verarbeiteten. In der Sammlung Schneider finden sich weit über 400 kritische Bilder, die die Folgen des Kriegs zwischen 1914 und 1918 thematisieren.

In Deutschland stand dieser erste Weltenbrand bisher in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkriegs. Dabei liegen die Ursachen für die jahrzehntelangen Verwerfungen Europas unmittelbar in den Ereignissen und Folgen des Ersten Weltkriegs begründet.

Während man im August 1914 auf allen Seiten zunächst mit Hurra-Begeisterung ins Feld zog, war die Euphorie eines schnellen Sieges bereits nach wenigen Wochen verflogen. Mit der Kunst zum Thema Erster Weltkrieg assoziiert man überwiegend Werke beispielsweise von Otto Dix, George Grosz oder Käthe Kollwitz – und damit vor allem die kritischen Positionen, die zumeist erst nach Ende des Kriegs in der Weimarer Republik bekannt wurden.

Ausstellung ab Mai im Südsauerlandmuseum

Die große Fülle und Qualität der Arbeiten aus der Hand heute wenig bekannter oder nahezu in Vergessenheit geratener Künstler, die die Ereignisse bereits während des Kriegs und meistens unter dem strengen Blick der Zensur thematisierten, steht naturgemäß in deren Schatten.

Das Spektrum des Gezeigten reicht daher von Beispielen eines unreflektierten Hurrapatriotismus über anekdotische, den Soldatenalltag verharmlosende Genredarstellungen einerseits und Motiven andererseits, die das Kriegsgeschehen symbolistisch überhöhen, bis schließlich zur kritischen Sicht auf die grausame Wirklichkeit des ersten modernen Kriegs.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 31. Januar, um 19 Uhr. Es sprechen die Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und der Sammler Dr. Gerhard Schneider.

Zur Ausstellung „Kämpfe, Passionen, Totentanz – Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst, Werke aus der Sammlung Gerhard Schneider und aus Kunstnachlässen“ erscheint ein Katalogbuch mit Texten von Achim Gandras, Bernd Küster, Monika Löcken, Gerhard Schneider, Claudia Schönjahn, Dietrich Schubert und Mareike Witkowski. Anschließend ist die Ausstellung vom 18. Mai bis 13. Juli im Südsauerlandmuseum Attendorn und vom 27. September bis 11. Januar 2015 in der Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg zu sehen.

% 07121/303-2322 www.reutlingen.de/kunstmuseum

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare