Die Menschen hinter den Parteien

Kandidaten für die Landtagswahl stellen sich im Olper Kolpinghaus vor

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Moderator Heinrich Maiworm (hinten, 2.v.r) mit den Protagonisten des Abends: Die Kandidaten Bastian Halbe, Joachim Hoffmann, Gregor Kaiser, Wolfgang Langenohl und Jochen Ritter (hinten, v.l.) sowie die Jury Pauline Lütticke, Louise Frorath, Anna Schwarz und Gamze Naime Özge (vorn, v.l.).

Kreis Olpe Was für Menschen sind die Kandidaten für die NRW-Landtagswahl im Mai? Dieser Frage wollte Heinrich Maiworm, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Olper Senioren (AOS) nachgehen. Im Kolpinghaus der Kreisstadt hatte er daher zu einer „etwas anderen“ Kandidatenvorstellung eingeladen.

Auf dem Podium standen die fünf Spitzenkandidaten Bastian Halbe (Piraten), Joachim Hoffmann (FDP), Gregor Kaiser (Grüne), Wolfgang Langenohl (SPD) und Jochen Ritter (CDU). „AfD und Linke haben auf meine Einladung nicht geantwortet“, sagte Heinrich Maiworm, der auch die Moderation übernahm. Das Besondere an der Diskussion: Eine Jury aus vier jungen Frauen bewertete, ob und wie genau die Kandidaten auf die zwölf gestellten Fragen antworten. Die Fragen sollten es den Zuhören ermöglichen, die Kandidaten besser kennenzulernen, und das fernab von Parteibüchern. Denn es ging um einen Blick in die Glaskugel und persönliche Einschätzungen der Verhältnisse im Jahr 2030. 

So mussten die Kandidaten unter anderem die Frage beantworten, ob es im Jahr 2030 ihrer Meinung nach die EU noch gibt. Jochen Ritter gab sich optimistisch: „Die EU ist ein Zukunftsmodell. Es ist vernünftig, sich zusammen zu tun, um die Herausforderungen zu meistern.“ Bastian Halbe sah es ähnlich: „Die vergangenen Krisen habe dazu geführt, dass wir auch in Zukunft als EU zusammen bleiben.“ Auch Gregor Kaiser und Wolfgang Langenohl sagtem dass es die EU dann noch geben werde, schränkten aber ein: „Die EU muss sozialer werden“ (Kaiser) und „Europa muss ein Stück weit neu gedacht werden“ (Langenohl). 

Auch bei der Frage, ob Deutschland in 13 Jahren noch ein Einwanderungsland sein werde waren sich die Kandidaten weitestgehend einig: „Das Menschenrecht auf Asyl muss immer gewahrt bleiben“, sagte Kaiser. Und Halbe erinnerte daran, dass Deutschland immer ein Einwanderungsland gewesen sei, „und das wird auch so bleiben.“Ritter stellte aber klar: „Deutschland ist derzeit eher Fluchtpunkt als Einwanderungsland. Man brauche daher in Zukunft Regelungen, um die Einwanderung zu steuern. „Wir brauche ein vernünftiges Einwanderungsgesetz“, sagte auch Langenohl. 

Gespaltene Meinung bei Polarisierung 

Beim Thema „mehr direkte Demokratie“ im Jahr 2030 sieht Bastian Halbe die Regierung in der Pflicht: „Wir müssen die Hürden für Volksentscheide senken, damit sich mehr Bürger beteiligen kännen. Die Menschen wollen das.“ Gregor Kaiser äußerte, auch wenn er sich für mehr direkte Demokratie aussprach, Bedenken: „Die Gefahr ist groß, dass Entscheidungen dann eher aufgrund von Emotionen gefällt werden und nicht von Fakten.“ Daher schlug er einen repräsentativen „Bürgerrat“ als eigene Instanz vor. Direkte Demokratie bei jeder Entscheidung halte er allerdings für „nicht machbar“. „Wir müssen die Demokratie wieder nach vorn holen“, forderte Langenohl, „Wir müssen für eine höhere Wahlbeteiligung sorgen, dafür sind wir als Politiker da.“ Jochen Ritter sah direkte Demokratie eher in konkreten Fällen für sinnvoll: „Es gibt nun mal Dinge, die auf höherer Ebene beschlossen werden müssen.“

 Bei der Frage, ob im Jahr 2030 weniger polarisiert werden, gingen die Meinungen auseinander: „Die Polarisierung ist neu ein aktuelles Phänomen. Wir werden versuchen, zur Diskussion in der Sache zurückzufinden“, sagte Ritter. Bastian Halbe sah das anders: „Wir müssen noch mehr polarisieren. Demokratie lebt von der Streitkultur. Wir brauchen keinen ,Einheitsbrei‘ bei den Parteien.“ Man könne Details kontrovers diskutieren, sagte Joachim Hoffmann, das sehe er aber nicht als Polarisieren an, sondern als notwendige Diskussionen. Die Streitkultur hält auch Wolfgang Langenohl für wichtig: „Wir müssen für das Gute in der Parteienlandschaft kämpfen. Wir müssen aber aufhören, dabei zu polarisieren.“ „Die Polarisierung wird sogar noch zunehmen, wenn wir es nicht schaffen, die Menschen besser in die politische Debatte einzubeziehen“, sagte Gregor Kaiser. 

Wer in 13 Jahren der reichste Mensch ist, wollte keiner der fünf Kandidaten pauschal beurteilen. „Ich jedenfalls nicht“, lachte Wolfgang Langenohl. „Wenn ich die Wahl im Mai gewinne fühle ich mich auf jeden Fall wie der reichste Mensch in Olpe“, entgegnete Jochen Ritter. Am reichsten sei der Mensch, der die Möglichkeit hat, am gesellschaftlichen aktiv teilzunehmen und sich um andere zu kümmern, war dann der Tenor am Ende der Veranstaltung. Und Gregor Kaiser ergänzte: „Und der mit dem Lohn auskommt.“

Das Ergebnis der Jury

Mit einem Punktesystem bewertete die vierköpfige Jury, wie gut die Kandidaten auf jede der zwölf Fragen geantwortet haben. 0 Punkte stand für „gar nicht geantwortet“, 1 Punkt für „Antwort auf die Frage“, 2 Punkte für „genaue Antwort auf die Frage“ 

Die höchste Punktzahl erreichte Gregor Kaiser (84), gefolgt von Jochen Ritter (81), Wolfgang Langenohl (70) und Bastian Halbe (64). Joachim Hoffmann kam auf 51 Punkte, er verpasste allerdings aus beruflichen Gründen die ersten vier Fragen. 

Außerdem wurde protokolliert, wer die meisten Fragen als erster beantwortet hat. Dabei erreichte Halbe den Spitzenplatz (4x), gefolgt von Ritter und Kaiser (3x) sowie Langenohl und Hoffmann (1x).

Haben die fünf Kandidaten ihre Chance genutzt, sich persönlich vorzustellen? Hier geht´s zum Kommentar.

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