Klappstühle und Skandale

So sieht Kino heute aus: das Cineplex-Gebäude an der Franzikanerstraße.

Alfons Harnischmacher (85 Jahre) berichtet von einem "unheimlichen Andrang" auf das Kino, so dass man sich die Plätze telefonisch reservieren musste. Als es dann die ersten Klappstühle gab, die sich weiter oben im Kino befanden, verwirrten diese "modernen" Sitzmöbel manche Bürger derart, dass man von Leuten erzählt, die sich oben auf die zusammengeklappten Stühle setzten, da ihnen niemand deren Klapptechnik erklärt hatte.

Auf Nachfrage, ob jemand ein Foto des alten Kinema-Theaters hätte, gibt es leider nur Antworten wie die der 80 Jahre alten Marlis Schmelzer, welche betonte: "Da ging man rein, guckte, und ging wieder raus! Da machte man doch kein Foto."

Nachdem der Bau der Stadthalle beendet worden war, richtete man dort 1958 ebenfalls ein Lichtspieltheater ein. Etwa zur gleichen Zeit eröffnete auch das Rex-Kino in der Kölner Straße.

Der erste Film, der dort vorgeführt wurde, hieß: "Barfuß durch die Hölle". Bucharl hieß der Besitzer des neuen Kinos und übernahm - als Franz Tampier zu alt wurde und sein Sohn und seine Tochter kein Interesse an einer Übernahme hatten - auch das alte Lichtspieltheater der Familie Tampier und nannte es "Skala".

1966 schloss das Lichtspieltheater in der Stadthalle. Durch seine Größe war es nicht rentabel. 1970 wurde schließlich auch die "Skala" geschlossen und somit gab es in Olpe nur noch das Rex-Kino. Anfangs gab es dort nur einen großen Saal mit etwa 500 Sitzplätzen. 1981 wurde das so genannte "Studiokino" abgetrennt, in dem sich etwa 60 Sitze befanden. Der erste Geschäftsführer des Rex-Kinos hieß Buchwald, sein nachfolger war Eißner, der hauptberuflich Malermeister war. Bernd Lamers - an den sich viele Olper sicher noch erinnern können - arbeitete zunächst als Platzanweiser im Kino, bevor er die Geschäftsführung übernahm.

Von der Arbeit eines Filmvorführers

Anfang der sechziger Jahre war Pius Peltner Filmvorführer. Im heutigen Kino wird kein Filmvorführer benötigt - ganz abers jedoch damals: Oben rechts auf der Leinwand gab es sogenannte "Überblendungszeichen" und wenn so eines zu sehen war, musste der Platzanweiser schellen, damit der Filmvorführer ohne Unterbrechung auf die zweite Filmrolle umschalten konnte.

Paul-Manfred Clemens (67) erinnert sich, wie er schon vor seinem 18. Geburtstag die Schaufenster des Kinos dekorierte und später als Platzanweiser im Rex arbeitete. Er berichtet davon, dass mit dem Beginn des Eis-Verkaufs ein regelrechter Wettbewerb unter den Mitarbeitern entstand: Wer verkaufte in den Kinos, die Bucharl besaß (viele in Hagen), das meiste Eis im Monat?

Erst als der letzte Geschäftsführer des Rex, Bernd Lamers, das Kino übernahm, konnte man Popcorn und andere Leckereien erstehen. Clemens erinnert sich daran, dass Schulklassen früher oft am Vormittag ins Kino gingen. Paul-Manfred Clemens besuchte mit seiner Schulklasse zum Beispiel einen Film über die Hitlerzeit.

Ein anderer Film, den er häufig im Kino sah, war "Blue Hawaii" mit Elvis Presley. Später kam der revolutionäre Film "Das Schweigen" in das Olper Kino und schockte die Sauerländer mit einer erotischen Szene, die wir heutzutage nicht mehr ansatzweise als solche bezeichnen würden.

Viele Olper Bürger, die zuvor mit Worten wie "Wie kann man da bloß reingehen" bestürzt auf diesen Film reagierten, schlichen sich dann, wie der damalige Platzanweiser Clemens berichtet, in der Abendvorstellung in das Kino, um sich den Film doch anzusehen.

2004 schloss man letztendlich auch das Rex-Kino und eröffnete am 30. November 2007 in der Franziskanerstraße das jetzige "Cineplex". Dieses besteht aus fünf unterschiedlich großen Kinosälen und insgesamt 800 Sitzplätzen - für die ersten Olper Kinobesucher des ersten Kinema-Theaters bestimmt unvorstellbar.

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