„Ein zweischneidiges Schwert“

120 km/h auf Autobahnen? Diskussion um Tempolimit in Politik, Internetforen und Kreis Olpe

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Einheitliches Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die Meinungen gehen auseinander.

Kreis Olpe. Des Deutschen Spaß an seinem Lieblingskind, dem Auto, ist in Gefahr: Denn die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert 120 Kilometer pro Stunde als Tempolimit auf den Autobahnen, um laut DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bis zu fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen.

Eine Welle der Empörung schwappt durch die sozialen Netzwerke, weil DUH-Chef Jürgen Resch ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen fordert. Zahlreiche „Hobby-Schumis“ und Eigentümer von PS-Boliden sind geschockt, fürchten sich in ihrer Persönlichkeit und ihren Grundrechten eingeschränkt und fragen sich, wo sie ihre 200 Pferdestärken zukünftig ausfahren sollen.

Abseits dieser überspitzten Schilderung der aktuellen Lage hat sich in den sozialen Netzwerken ein Diskurs entwickelt, der das Für und Wider eines generellen Tempolimits behandelt. Grund genug für den SauerlandKurier auf Stimmenfang zu gehen:

  • Für Heinz Kirchhoff, Fachdienstleiter Straßenverkehr im Kreis Olpe, ist eine Umsetzung im Sinne des Umweltschutzes und der Sicherheit nicht wegzudiskutieren, lediglich das Ausmaß der Auswirkungen auf den Kreis Olpe sei noch nicht abzusehen. Aktuell sei die Diskussion um Emissionsverminderung im Straßenverkehr ein zweischneidiges Schwert: „Lediglich die Dieselfahrer haben momentan mit Konsequenzen zu rechnen, nicht aber der Großteil der anderen Autofahrer.“ Es stelle sich die Frage, ob das Thema politisch zu reglementieren sei. „Man muss ja nur über die Grenze in unsere Nachbarländer in die Niederlande oder nach Frankreich gucken, wo es eine solche generelle Reglementierung bereits gibt.“
  • Der Vorstand der Kreisverkehrswacht Olpe hat zum Thema keine einheitliche Meinung. Geschäftsführer Michael Wulf: „Im Sinne des Unfallschutzes befürworten wir ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Wenn dadurch also Unfallopfer vermieden werden können, ist das eine gute Sache.“ Die Umweltschutzargumente würden dagegen nicht „ziehen“: „Die Faktenlage zu diesem Thema ist noch gänzlich unklar.“ Generell aber befindet die Kreisverkehrswacht ein einheitliches Tempolimit auf Landstraßen für sinnvoller als auf Autobahnen: „Autobahnen sind gegenüber Landstraßen deutlich sicherer, deswegen sollte eher ein einheitliches Tempolimit auf den Landstraßen geprüft werden.“
  • Michael Springob vom Verkehrssicherheitszentrum Olpe hält dagegen „nicht all zu viel von einer einheitlichen Regelung. Im Ausland, in Frankreich und Holland, gibt es zwar ein entspannteres Fahren, aber keine großen Auswirkungen auf die Unfallstatistik.“ Des Weiteren müsse man hinterfragen, ob eine solche Regelung Folgen für Deutschland als Automobilstandort habe. „Wir haben hier ein Privileg, wovon auch viele Leute aus anderen Ländern Gebrauch machen. Dieses Privileg gilt es zu schützen.“ Zudem sei ein großer Teil der Strecken bereits mit einem Limit versehen. „Nur auf etwa 20 Prozent des Autobahnnetzes kann noch frei gefahren werden.“ Springob bezweifelt darüber hinaus, ob eine Reglementierung des Tempolimits die Schadstoffe entsprechend reduzieren würde, oder ob es nicht besser Möglichkeiten gäbe, die Emissionen zu regulieren.

Was ist Ihre Meinung zum Thema? Ist ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen nötig und umsetzbar oder soll die Straße frei bleiben? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite oder schreiben Sie uns einen Leserbrief an Sauerlandkurier Redaktion Kölner Straße 18 57368 Lennestadt

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