Mehr Straftaten registriert

Spitzenreiter bei der Aufklärungsquote: Kreispolizeibehörde stellt Kriminalstatistik vor

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Landrat Frank Beckehoff, Kriminalhauptkomissarin Barbara Eßing-Sieler und Polizeidirektor Diethard Jungermann (v.l.) stellten die Statistik vor.

Kreis Olpe. Verbrechen lohnt sich nicht - gerade im Kreis Olpe. Denn mit einer Aufklärungsquote von 67,49 Prozent bei den Straftaten liegt der Kreis NRW-weit auf der Spitzenposition. Das geht aus der Kriminalstatistik 2018 hervor, die Landrat Frank Beckehoff, Kriminalhauptkomissarin Barbara Eßing-Sieler und Polizeidirektor Diethard Jungermann am Mittwochmittag in Olpe vorgestellt haben. Allerdings sind die registrierten Straftaten im Vergleich zu 2017 gestiegen.

6026 Straftaten hat die Kreispolizeibehörde im vergangenen Jahr registriert - das sind 39 Delikte oder 0,64 Prozent mehr als 2017. „Die Fallzahlen sind dennoch im Vergleich der vergangenen zehn Jahr auf einem niedrigen Niveau“, so Beckehoff. In der Tat ist der Wert aus dem vergangenen Jahr der zweitniedrigste der vergangenen zehn Jahre. 

Entscheidend in der Statistik ist die sogenannte „Kriminalitätshäufigkeitszahl“, also die Anzahl der Straftaten hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. Die liegt im Kreis Olpe bei 4470, landesweit kommen auf 100.000 Einwohner 7160 Straftaten. Der Kreis belegt damit landesweit den sechsten Platz. Beckehoff freute sich besonders über die „herausragende Aufklärungsquote“ von 67,49 Prozent (+3,84 Prozent im Vergleich zu 2017): „Damit belegt der Kreis Olpe den ersten Platz im Vergleich der 47 Kreispolizeibehörden des Landes“. Kleiner Seitenhieb Richtung Nachbarschaft: „Wir liegen damit vor dem Kreis Siegen-Wittgenstein mit 66 Prozent“, erklärte Barbara Eßing-Sieler augenzwinkernd. Obendrein liegt die Aufklärungsquote im Kreis damit auf dem höchsten Wert im Zehnjahresvergleich. NRW-weit wurden im vergangenen Jahr 53,65 Prozent der Straftaten aufgeklärt.

Dennoch war 2018 „kein ruhiges Jahr“, wie Frank Beckehoff erklärte. Besonders der „Fall Jona“ habe alle Kräfte der Polizei in Anspruch genommen: „Und alle haben einen sehr guten Job gemacht.“ An den Zahlen sehe man, dass das Leitbild der Kreispolizeibehörde - „einer der sichersten Landkreise zu bleiben“ - funktioniert: „Damit das auch in 2019 so bleibt, wollen wir entsprechende Maßnahmen ergreifen.“ Unabdingbar dafür sei weiterhin die „konsequente Strafverfolgung und Aufklärung“. Zudem will die Polizei gerade im Bereich der Einbruchskriminalität weiter auf Prävention setzen, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Auch der Fahndungs- und Öffentlichkeitsdruck soll weiter hoch gehalten werden.

Beckehoff: „Melden Sie verdächtige Beobachtungen“

Für die hohe Aufklärungsquote macht Beckehoff die Bevölkerung mitverantwortlich: „Die Polizei kann nicht überall gleichzeitig sein. Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.“ Er appellierte erneut: „Melden Sie verdächtige Beobachtungen der Polizei. Scheuen Sie sich auch nicht davor, die 110 anzurufen.“

Die „dicksten Brocken“ in der Statistik: 1748 Delikte (29 Prozent der Gesamtfälle) entfallen auf Diebstahl, 1354 Delikte (22,46 Prozent) auf „sonstige Straftaten“, 1274 (21,24 Prozent) auf die Gruppe „Roheitsdelikte/Straftaten gegen Personen oder persönliche Freiheit.“ Die Zahl der Raubdelikte ist von 29 auf 25 gesunken, die der Gewaltkriminalität von 208 auf 247 gestiegen. Im Jahr 2018 gab es 44 Fälle der Brandstiftung (2017: 36 Fälle) - davon 20 fahrlässige Brandlegungen. In 384 Fällen hat die Polizei Drogen sichergestellt.  

Es gab 1145 „einfache Diebstähle“ (2017: 1181) und 603 „schwere Diebstähle“ (549). Die Zahl der Einbrüche ist von 93 auf 100 gestiegen - deren Aufklärungsquote aber auch. Sie liegt jetzt bei 18 Prozent (2017: 10,75 Prozent). Rückläufig auch die Zahl der Firmeneinbrüche: Dabei gab es 74 Fälle, im Jahr 2017 waren es noch 100. 

Der Gesamtschaden, den die Kriminalität im Kreis 2018 angerichtet hat, beträgt 2.969.213 Euro, das sind 56.724 Euro mehr als 2017. Aber: 2016 betrug die Schadenssumme noch satte 4.560.014 Euro. Auf die 780 Vermögens- und Fälschungsdelikte (davon 503 Betrugsfälle) entfallen allein 1.193.865 Euro. Dennoch ist die Zahl der Betrugsfälle um 189 (-27,31 Prozent) gesunken. 

Die Polizei konnte im vergangenen Jahr 2661 Tatverdächtige ermitteln. Davon waren 2103 männlich und 558 weiblich. 22,6 Prozent der Tatverdächtigen (602) waren unter 21 Jahre alt - 28,8 Prozent (766) hatten keinen deutschen Pass.  Bei den in der Statistik erfassten Opfern waren 102 (6,6 Prozent) unter 14 Jahre alt, 75 (4,8 Prozent) über 60 Jahre. 

„Fall Jona“: Hauptverhandlung im Laufe des Jahres

Barbara Eßing-Sieler, Leiterin der Führungsstelle Kriminalität bei der Polizei, erinnerte an einige „herausragende“ Delikte, die in der Statistik auftauchen. Zum Beispiel das versuchte Tötungsdelikt in Oberhundem aus dem Juli oder ein Tötungsdelikt in Finnentrop aus dem Jahr 2016: „Da die Ermittlungen erst jetzt abgeschlossen sind, taucht der Fall auch erst jetzt in der Kriminalstatistik auf.“ Aus diesem Grund findet sich auch der „Fall Jona“ aus dem Oktober 2018 nicht in der Statistik: „Die Ermittlungen laufen noch, die Hauptverhandlung findet vermutlich im Laufe dieses Jahres statt.“ 

In Erinnerung geblieben ist auch die Brandstiftung in einem Wohn- und Geschäftshaus in Meggen im Januar 2018: „Was die Sache brisant gemacht hat, war, dass kurz vorher Hakenkreuze an die Wand geschmiert worden waren. Daher hat der Staatsschutz ermittelt“, erklärte Eßing-Sieler. Ein Tatverdächtiger sei jedoch nicht gefasst worden. Auch an eine versuchte Geldautomaten-Sprengung bei einem Kreditinstitut in Heggen aus dem März 2018 erinnerte die Kriminalhauptkommissarin: „Die Täter mussten aber ohne Beute wieder abziehen.“ 

Im Jahr 2018 gab es einen Anstieg von satten 76 Prozent (von 25 auf 44) bei den Widerstands-Delikten. „Das liegt vor allem daran, dass der ,Widerstands‘-Begriff rechtlich mittlerweile ausgeweitet wurde. Darunter fallen jetzt mehr Delikte. Aber sicherlich ist auch unser Umfeld rauer geworden,“ sagte Eßing-Sieler. 

Bei der Gesamtzahl gab es die meisten Delikte gab in Olpe (1425), gefolgt von Attendorn (1380) und Lennestadt (1133). In Finnentrop gab es 732 Delikte, in Wenden 627, in Drolshagen 365 und in Kirchhundem 364. Bei der Anzahl der Wohnungseinbrüche ist Olpe Spitzenreiter (27 Fälle), gefolgt von Wenden (24) und Attendorn (18). In Drolshagen gab es im Jahr 2018 nur drei Wohnungseinbrüche. Und dafür gibt es laut Barbara Eßing-Sieler einen einfachen Grund: „Drolshagen ist derzeit nicht mehr einfach über die Autobahnabfahrt zu erreichen.“ 

Fallzahlen von 2017 bis 2018

  • Gesamtkriminalität: +39 Fälle/+0,65 Prozent
  • Gewaltkriminalität: + 39 Fälle/+18,75 Prozent
  • Straßenkriminalität: +5 Fälle/+0,42 Prozent
  • Gefährliche Körperverletzung: +40 Fälle/+24,24 Prozent
  • Drogendelikte: +1 Fälle/+0,26 Prozent
  • Sexualdelikte: +2 Fälle/+2,9 Prozent
  • Widerstand: +19 Fälle/+76,00 Prozent
  • Diebstahl gesamt: +15 Fälle/+1,04 Prozent
    davon Taschendiebstahl: +15 Fälle/+30 Prozent
  • Diebstahl unter erschwerenden Umständen: +54 Fälle/+9,84 Prozent
    davon Wohnungseinbruchdiebstahl: +7 Fälle/+7,53 Prozent
  • Ladendiebstahl: -48 Fälle/ -14,20 Prozent
  • Betrug: -198 Fälle/-27,31 Prozent

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