Zwischen Igel und Katze

Nur kuscheln? Fehlanzeige!: Ein Morgen mit den Pflegerinnen im Tierheim

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Der Großteil des Tages geht für Füttern und Putzen drauf, lacht Eva bei der Versorgung der „Spukies“.

Rüblinghausen – „Ruhe bitte – Igel“ ist auf einem Schild an der Tür des Aufenthaltsraumes des Olper Tierheims zu lesen. Leise und vorsichtig betreten Tierpflegerin Eva David und Azubi Joeline Aspers den Raum, schalten das Licht ein. Ein großer Käfig, wie man ihn sonst von Kaninchen oder Meerschweinchen kennt, gefüllt mit zerknülltem Zeitungspapier steht dort. „Naja – einen Igel päppeln wir auch nicht alle Tage auf“, schmunzelt Eva. Azubi Joeline Aspers zückt bereits die Spritze. Diese hingegen gehört zum Alltag im Tierheim Olpe – das in diesem Jahr zum zweiten Mal mit der Weihnachtsaktion des Sauerlandkuriers unterstützt wird.

„Der Igel wurde leider beim Hecke schneiden aus Versehen rasiert, ein Teil der Stacheln fiel der Heckenschere zum Opfer“, erklärt Eva. „Allerdings ist es auch nicht normal, dass er einfach da sitzen blieb. Wir denken, dass er schon krank war. Umso besser, dass wir uns jetzt um ihn kümmern können.“ Vorsichtig wühlt sie in den Zeitungspapieren und greift dann beherzt zu: Deutlich sieht man, wo die Stacheln fehlen. Der Igel bekommt seine Spritze, wird mit frischem Hackfleisch versorgt und wieder komplett der Ruhe überlassen.

Ruhe kennen die Tierpflegerinnen im Tierheim allerdings selten: Morgens um 8 Uhr beginnt der Tag, sieben Tage die Woche in Wechselschicht. Frühestens um 17 Uhr ist Feierabend – meistens allerdings später. „Wenn ein Tier vom Tierarzt kommt, oder gerade erst abgegeben wurde, lässt man es doch nicht alleine“, sagt Eva.

Der erste Weg am Morgen führt natürlich zu den Tieren: „Wir schauen erst einmal, ob es allen gut geht.“ Dann kurz ins Büro – Mails checken, Anrufbeantworter abhören, ob es irgendwelche Notfälle gibt. „Heute früh haben wir schon erfahren, dass heute Nachmittag vier wild eingefangene Katzen zu uns kommen. Deswegen müssen wir gleich die Quarantäne-Station fertig machen“, erklärt die Tierpflegerin, während Hund Dexter um ihre Beine turnt. Die Katzenschwemme – ein allgegenwärtiges Thema im Tierheim. Allerdings habe sich diese nach hinten verschoben, von September auf Ende Oktober/Anfang November. „Unsere Außenpflegestellen platzen aus allen Nähten“, weiß die junge Frau.

„Man braucht schon eine Menge Herzblut und Tierliebe“

Im Kleintier-Häuschen ist Jahrespraktikantin Julia schon dabei, die Käfige zu säubern und die Nager mit Gurken, Möhren, Salat und Co. zu versorgen. „Wir gehen jetzt erstmal die Katzen versorgen, Joeline kümmert sich um die Hunde.“ Jede Katze bekommt anderes Futter, teils mit Medikamenten. Volle Konzentration. 18 Katzen gilt es zu füttern. Erstmal die „Spukies“ – „das sind die noch menschenscheuen, wilden Katzen und Kitten, die schlagen einen schon mal“, lacht die Tierpflegerin. Die meisten Besucher würden denken, sie streichele den ganzen Tag Katzen und Hunde, schmunzelt sie. „Dabei mach ich die meiste Zeit Futter, putze und mache Häufchen weg“, lacht sie jetzt aus vollem Herzen, während sie das Katzenstreu austauscht. Die Futternäpfe der vergangenen Nacht werden auf ein Tablett gepackt und landen im Desinfektionsbad. Dort ist Aushilfe Gabi schon kräftig am Spülen. Waschmaschine und Trockner „schnurren“ vollbeladen mit Decken und Handtüchern der Tiere.

Einen Igel versorgen Tierpflegerin Eva David (r.) und Azubi Joeline Aspers auch nicht alle Tage. Rechts oben klicken für Vollbild.


Zurück in der „Futterküche“: ein Blick auf den Plan, welche Katze welches Futter und welche Medikamente bekommt. Dann: „Kannst Du mal kurz mit zu den Hundezwingern kommen – ich bin unsicher, was das ist“, fragt Joeline. Die Auszubildende ist im zweiten Lehrjahr. Die Tierpflege-Ausbildung dauert drei Jahre – die Schule ist in Münster. Um mit dem Zug dahin zu kommen, muss sie gegen 2 Uhr nachts aufstehen. „Um unseren Beruf auszuüben, braucht man schon eine Menge Herzblut und Tierliebe, sonst macht man das nicht“, findet sie. Es gibt drei Fachrichtungen in der Tierpflege-Ausbildung – „Forschung und Klinik“, „Tierheim und Tierpension“ und „Zoo“. „Die Anforderungen sind hoch – man trägt schließlich häufig Verantwortung für das Tierleben.“ 

„Ohne unsere Ehrenamtler ginge gar nichts“

Im Hundezwinger angekommen, kniet sich Eva hin und begutachtet, was Joeline irritierte. „Nee, das ist nur Erbrochenes mit Urin drüber, nicht schlimm“, lautet ihr Urteil. Zügigen Schrittes mit Hund Dexter auf den Fersen geht‘s zurück ins Katzenhaus. In jedem Raum hängt ein eigener Eimer und eine eigene Schaufel – „sonst würden sich Krankheiten ja ruckzuck ausbreiten, das können wir nicht gebrauchen“.

Ein Neuzugang ist am Wochenende im Tierheim abgegeben worden, die Katze ist noch isoliert. „Wir müssen ja erst mal checken, ob die Tiere gechippt sind und ob der Chip registriert wurde – das muss man nämlich extra machen, was viele nicht wissen.“ Sonst muss das Tier noch geimpft, entwurmt und kastriert werden, ein weiterer Kostenfaktor für das Tierheim. Gut zwei Stunden sind die Frauen im Einsatz, damit alle Tiere und deren Zuhause auf Zeit gesäubert und mit Futter und Wasser versorgt sind. Dann geht´s kurz an den Computer. Dokumentieren was los war, Anrufe und Mails beantworten.

Viele der Tiere werden gegen Mittag nochmals gefüttert, abends sowieso. Fegen, Wäsche waschen, dazwischen zum Tierarzt hetzen – und ja: Auch mal mit Hunden, Katzen und Co. spielen und kuscheln. Aber das ist eher selten der Fall. Nachmittags kommen die ehrenamtlichen Gassi-Geher, helfen bei den Hunden. „Ohne unsere Ehrenamtler ginge gar nichts“, betont Eva. Viel Arbeit, Dreck, Herzblut und Leidenschaft für die Tiere, die einen neuen Menschen suchen. Alltag im Tierheim Olpe.

Weihnachtsaktion für das Tierheim

Der SauerlandKurier hat zum zweiten Mal eine Weihnachtsaktion gestartet, um den Einsatz der Tierschützer im Olper Brackenweg zu unterstützen . Dabei können bestimmte Geschenke in den Kurier-Geschäftsstellen in Olpe und Grevenbrück abgegeben werden, die Präsente werden wir rechtzeitig vor Weihnachten im Tierheim abliefern.

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