„Der Rest ist Phantasie“

„Kwiatkowski“-Autor Jürgen Banscherus zu Gast in der Stadtbücherei

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„Wer kennt denn noch TKKG?“ wollte Jürgen Banscherus unter anderem von den Drittklässlern wissen.

Olpe – „Lesen ist wie Fliegen“: Diesen bekannten Satz von Schriftsteller Willi Fährmann gab Autor und „Kwiatkowski“-Erfinder Jürgen Banscherus den Drittklässlern der Gallenbergschule am Ende seiner Lesung mit auf den Heimweg. Nicht, ohne diese zuvor begeistert zu haben: „Liest du uns jetzt noch den Rest vom Buch vor?“ fragte eine Schülerin.

Jürgen Banscherus war bereits einige Male in der Stadtbücherei Olpe zu Gast, „wobei das letzte Mal doch acht oder neun Jahre zurück liegt“, sagte der Autor im Kurier-Gespräch. Seine mehr als 60 Kinder- und Jugendbücher sind in mittlerweile 27 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, 2010 unter anderem mit dem Annette-von-Dorste-Hülshoff-Preis für das Gesamtwerk. „Ich komme auch tatsächlich gerade von einer Lesereise in der Ukraine und nächste Woche geht´s weiter Richtung Griechenland und Zypern“, erzählte Banscherus. „Na – wenn deine Bücher in die Sprachen übersetzt werden muss man sich da doch auch mal Blicken lassen.“ 

Die dritten Klassen der Gallenbergschule und der Hohensteinschule kamen in zwei Lesungen – Banscherus las aus den beiden Kwiatkowski-Fällen „Sherlocks Pfeife“ und „Rache ist Schokotorte“ – in den Genuss den Schriftsteller „live“ zu erleben. Und der plauderte direkt drauf los. Ein Fragenhagel prasselte auf die Kinder ein – so dass letztlich auch der größte „Zappelphillip“ angestrengt lauschte.

 „Kennt ihr TKKG? Die fünf Freunde? Die Drei Fragezeichen? Und wer ist die berühmteste Kinderbuchautorin der Welt? Kennt ihr den Detektiv, den sie geschaffen hat?“ wollte Banscherus wissen. Kalle Blomquist kannte denn tatsächlich keines der Kinder mehr. „Meine Tochter Katharina las damals auch mit Begeisterung – aber irgendwann kam sie zu mir und meinte: ,Papa – schon in der Mitte der TKKG Bücher weiß ich, wie es ausgeht, das macht keinen Spaß mehr.‘“ Jürgen Banscherus las also selbst zwei, drei Bände und stellte fest: „Meine Tochter hat recht“. So schrieb er für sie „Ein Fall für Kwiatkowski – Die Kaugummiverschwörung“. 

Der Arena-Verlag veröffentlichte das Buch – und mit dem Erfolg habe er niemals gerechnet. „Dafür werde ich meiner Tochter ewig dankbar sein“, so der Autor. Detektiv Kwiatkowski kaut mit Begeisterung „Carpenters Chewing Gum“und trinkt literweise Milch. Angelehnt ist die Figur an Philip Marlow, die Romanfigur von Raymond Chandler. „Der trinkt allerdings Whiskey und raucht Kette – nicht ganz kinderverträglich“ schmunzelte Banscherus. 

Vertrag für die Verfilmung unterschrieben

Oft seien es Dinge, die ihn ärgern, die in seine Bücher einfließen: „So war ich als Zwölfjähriger eher klein und dünn geraten – meine Eltern schleppten mich zu Ferien auf einen Bauernhof – morgens und abends musste ich Milch frisch aus der Kuh trinken: Bis ich 40 war konnte ich keinerlei Milch-Produkte essen,“ erzählte er zur Freude der Kinder. Und den Kaugummi-Kau-Tick hat er seiner Frau abgeschaut, die in ihrer ersten Schwangerschaft das Rauchen auf und das Kauen anfing. Bis heute: „Ich hasse Kaugummi“. Inspiration für seine Geschichten findet Banscherus überall – aus eigenen Erfahrungen, Erzählungen von Freunden, aus Zeitungsartikeln, in Fernsehberichten – „der Rest ist Phantasie“. 

„Weißt du wenn du anfängst schon, wie das Buch ausgeht?“ will ein Schüler wissen. „Ja – eigentlich schon. Blöderweise entwickeln die Charaktere, die ich mir ausdenke, quasi ein Eigenleben“, erzählte er den staunenden Kindern. „Daher geht´s doch manchmal anders weiter als erwartet.“ 

Im nächsten Jahr erscheint der nächste „Fall für Kwiatkowski“ – außerdem hat Banscherus gerade einen Filmvertrag mit „KIKA“ unterschrieben. Dann werden seine Bücher tatsächlich mehr als – nach Peter Härtling – „Fernsehen im Kopf.“

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