Thyssenkrupp-Standort Lütringhausen dicht

Letzter Hammer ist gefallen

Keine besonders fröhlichen Gesichter machten zur letzten Schicht in Lütringhausen (von links) André Arenz (IG Metall Bevollmächtigter), Olpes Bürgermeister Peter Weber, Werksleiter Thomas Waldenmaier, Betriebsratsvorsitzender Ali Atasoy und Landrat Theo Melcher
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Keine besonders fröhlichen Gesichter machten zur letzten Schicht in Lütringhausen (von links) André Arenz (IG Metall Bevollmächtigter), Olpes Bürgermeister Peter Weber, Werksleiter Thomas Waldenmaier, Betriebsratsvorsitzender Ali Atasoy und Landrat Theo Melcher.

Mit der letzten Schicht am vergangenen Mittwoch beim Lütringhauser Thyssenkrupp-Standort endet ein über 300 Jahre altes Stück Industriegeschichte im Kreis Olpe.

In der jahrhundertenlangen Geschichte des Lütringhauser Hammers hat es immer Auf und Abs gegeben, doch das Produktionssende zum 30. September ist endgültig! Die noch verbleibenden Mitarbeiter von insgesamt mal 330 sind bis zum Jahresende nur noch damit beschäftigt, die Maschinen abzubauen.

Der jetzige Werkleiter Thomas Waldenmaier hatte aber nicht nur Negatives zu verkünden, auch zwei Lichtblicke galt es zu vermelden: zwei Bewerber aus der heimschen Region interessieren sich für die Liegenschaften und auch die meisten „seiner“ Mitarbeiter sind mittlerweile woanders untergekommen. Zum Produktionsende gab es nochmal Lob für die Mannschaft: „Wir haben in diesem Geschäftsjahr 1,9 Millionen Stabilisatoren gebaut!“

Die emotionalsten Worte fand Betriebsratsvorsitzender Ali Atasoy: „Mir tut das in der Seele weh. Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr mein ganzen Arbeitsleben hier. Wir hören immer von Managementfehlern, aber wir Arbeiter müssen es ausbaden. Hier das war härteste Arbeit, aber ich bin immer gerne hier gewesen, so ein Arbeitsklima werd ich wohl nicht mehr erleben.“ Mit Blick auf Interimsmanager Waldenmaier führte Atasoy weiter aus: „Sie sind mein 14. Werksleiter hier, Geschäftsführer habe ich in den letzten 20 Jahren wohl 25 erlebt. Es heißt immer, die Belegschaft kann nix dafür, dafür können wir uns nichts kaufen“, klang es schon verbittert.

Ein explizites Lob gab es an die jetzige Werksleitung ob der erfolgreichen Vermittlung der Kollegen, aber auch: „Ist bei Thyssenkrupp selten, dass man sich an Worte hält!“

Ein ernster Landrat– sonst eigentlich immer ein Ausbund an Fröhlichkeit – erinnerte an die erste urkundliche Erwähnung des Lütringhauser Hammers von 1588 und sprach gar von der Wiege der Metallindustrie in Sieger- und Sauerland. Er erinnerte daran, dass das Werk nach 1800 schon einmal 20 Jahre still gestanden hatte.

Einen ganz persönlichen Bezug hat Bürgermeister Peter Weber, der aus Lütringhausen stammt und der das Unternehmen noch als „Hoesch“ kannte: „Es ist schon ein Unterschied, ob hier inhabergeführte Betriebe am Werk sind oder Konzerne.“

Mit belegter Stimme erinnerte IG Metall Bevollmächtigter André Arenz an so manche harte Verhandlung mit dem Konzern: „Trotz aller Zugeständnisse machen wir hier zu. Das hier hätte nicht sein müssen.“ Ihn packe tiefe Traurigkeit, aber auch Wut. Mit der Übergabe einiger der letzten Stabilisatoren von Werksleiter Waldenmaier an die Politik endete dieses Kapitel Industriegeschichte. Es war ein wahrhaft trauriges Symbolbild!

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