Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Solidarität

Regenbogen als Protest: „Maria 2.0“ bringt Flagge an St.-Nikolaus-Kirche an

Regenboggenflagge Rehringhausen Maria 2.0
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Vertreterinnen von „Maria 2.0“ brachten am Freitag eine Regenbogenflagge an der Kirche in Rehringhausen an (v.l.): Maria Ohm, Veronika Scheppe, Juliana Kleine, Bernadette Schmelzer, Cornelia Sauer und Jutta Ohm.

Für massiven Protest sorgt das klare „Nein“ der Glaubenkongregation des Vatikans zur Segnung von homosexuellen Paaren aktuell. Äußeres Zeichen dieses Protestes sind Regenbogenflaggen, die an Kirchen wehen. Eine haben Vertreterinnen der Reformbewegung „Maria 2.0“ am Freitag an der St.-Nikolaus-Kirche in Rehringhausen angebracht.

Rehringhausen – Passend zum Foto reißt die Wolkendecke auf. Blauer Himmel kommt zum Vorschein. Geregnet hat es nicht. Dennoch ist deutlich ein Regenbogen zu sehen. „Der Herr ist mit uns“, lacht Jutta Ohm von der Rehringhauser „Maria 2.0“-Gruppe am Freitagmittag. Gerade hat sie gemeinsam mit fünf Mitstreiterinnen eine Regenbogenflagge an der Rehringhauser Kirche angebracht. Weithin sichtbar haben die Frauen damit ein Zeichen im 320-Seelen-Ort gesetzt. Für Vielfalt. Für Akzeptanz. Für Solidarität. Und gegen ein Statement der Kirchenoberen, das viele Gläubige wütend und verständnislos zurücklasst.

Am Montag hatte der Vatikan erklärt, Gott könnte „Sünde nicht segnen“ und damit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine Absage erteilt. Viele Katholiken sehen das als Schlag ins Gesicht. „Segen ist doch kein Instrument für moralisches Urteil“, zürnte beispielsweise der Wormser Domprobst Tobias Schäfer. Und ergänzte: „Ich glaube nicht, dass Schwule, Lesben, Transgender sündige Menschen sind.“

Aufruf von Bernd Mönkebüscher

Viele Menschen haben sich mittlerweile offen gegen die Entscheidung aus dem Vatikan gestellt. Geistliche und Laien. So wurde der Siegener Studierendenpfarrer Markus Püttmann in seinem Podcast „Es gibt was auf die Ohren“ am Mittwoch deutlich: „Ich werde niemals den Segen verweigern, wenn mich Menschen darum bitten.“

Und auch der frühere Olper Vikar Bernd Mönkebüscher schrieb in der vergangenen Woche: „Wir werden Menschen, die sich auf eine verbindliche Partnerschaft einlassen, auch in Zukunft begleiten und ihre Beziehung segnen. Wir verweigern eine Segensfeier nicht.“ Mönkebüscher, mittlerweile Pfarrer in Hamm, rief dazu auf, als Protest Regenbogenflaggen an die Kirchen zu hängen – die Regenboggenflagge ist seit den 1970er-Jahren ein Symbol unter anderem der Lesben- und Schwulenbewegung.

Für die Reformbewegung „Maria 2.0“ in Rehringhausen war die Aufforderung von Bernd Mönkebüscher eine Art Initialzündung: Binnen kürzester Zeit entschlossen sich die Frauen am Dienstag, im wahrsten Sinne des Wortes „Farbe zu bekennen“. „Wir haben die Flagge am Mittwoch bestellt und am Freitag aufgehängt“, erzählt Maria Ohm. Zwischendrin haben die Frauen natürlich noch das „Okay“ von Pfarrer und Kirchenvorstand eingeholt.

Wir lassen die Flagge so lange hängen wie wir dürfen.

Jutta Ohm

„Wir lassen die Flagge so lange hängen wie wir dürfen“, beschreibt Jutta Ohm das weitere Vorgehen. Und Veronika Scheppe ergänzt: „Sie sollte auf jeden Fall bis Ostern hängen bleiben. Das würde ja ganz gut zum Fest der Auferstehung passen.“

Und so wird die Regenbogenflagge wohl noch einige Zeit weithin sichtbar an der St.-Nikolaus-Kirche hängen. Als Zeichen. Für Vielfalt. Für Akzeptanz. Für Solidarität.

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