Medizinisches Schreckgespenst

In der Diskussion. Von links: Wolfgang Schuldzinski, Joe Bausch und Dr. Thomas Kopitsch, Franz-Josef Laumann, Beate Schmies, Dr. Karl Lauterbach und Hans-Werner Veen. Foto: Achim Gandras

Den ländlichen Regionen in NRW werden wohl schon bald die Allgemeinmediziner ausgehen. Zu diesem Thema hatte am Mittwochabend der WDR unter dem Motto "Hilfe, mein Hausarzt geht in Rente", zur Aufzeichnung einer Sendung in der Reihe "Stadtgespräch" in die Aula der Realschule Olpe-Drolshagen in Olpe eingeladen.

Dazu fand sich eine illustre Runde ein: Die Moderatoren Beate Schmies und Klaus Tewes hatten Karl-Josef Laumann (CDU), NRW-Gesundheitsminister zu Gast, dazu Prof. Dr. Karl Lauterbach MdB, den bekannten SPD-Gesundheitsökonomen, Dr. Thoma Kopetsch von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Wolfgang Schuldzinski, Verbraucherzentrale NRW, Hans-Werner Veen, DAK-Landeschef NRW und den Gefängnisarzt und "Tatort"-Pathologen Joe Bausch.

Die Problematik rund um die ärztliche Versorgung auf dem Lande wurde mit besorgniserregenden Zahlen belegt. Schon bald werden über 40 Prozent der heimischen Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden und es scheint für den Medizinernachwuchs nicht besonders reizvoll zu sein, in die so frei werdenden Lücken nachzustoßen.

Minister Laumann sieht eine wichtige Ursache in der Kassenärztlichen Vereinigung in Münster, die das System nach und nach zusammenstreiche. Selbstständige Ärzte auf dem Lande in Westfalen verdienten inzwischen ein Drittel weniger am Patienten als ihre Kollegen beispielsweise in Niedersachsen.

Aber auch der Nachwuchsmangel kann keine Ursache sein, denn die Zahl der Ärzte nimmt stetig zu und auch die Abwanderung ins Ausland hält sich dabei in Grenzen.

Nun wird auch diskutiert, ob man Medizinstudenten nicht sogar mit einer Prämie den Weg in die Landarztpraxis versüßen sollte, wie der Minister ebenfalls vorschlug.

Einige Mediziner im Publikum erläuterten in der laufenden Diskussion ihr Dilemma: Nicht nur die zu geringe Bezahlung, sondern auch eine ausufernde Bürokratie hindere sie an ihrer Berufung, als Humanmediziner mit ausreichender Zeit auf ihre Patienten einzugehen, und das in einem Umfang, wie es nur der Mensch am Menschen leisten könne. Davon heißt es auf dem Lande wohl Abschied nehmen zu müssen. Der Zusammenschnitt der Sendung wird auf WDR 5 am Dienstag, 28. April um 21.05 Uhr gesendet.

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