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Ein "Narrenschiff" für Olpe

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Noch mit einer 'billigen Kopie': Der Vorstand des Olper Museumvereins hofft auf Spenden, um die Anschaffung des Originalwerks zu finanzieren.  Foto: Stefan Zeppenfeld
Noch mit einer 'billigen Kopie': Der Vorstand des Olper Museumvereins hofft auf Spenden, um die Anschaffung des Originalwerks zu finanzieren. Foto: Stefan Zeppenfeld

Der Vorstand des Olper Museumsvereins möchte der Stadt Olpe zum 700. Geburtstag ein besonderes Geschenk machen: ein Originalexemplar des "Narrenschiffs" aus dem Jahr 1497 von Sebastian Brant. Der Olper Johann Bergmann hatte diesen ersten Bestseller in der Geschichte des Buchdrucks herausgegeben. Dem Museumsverein bietet sich nun die Möglichkeit, eines der seltenen Originale zu erwerben.

Vor einiger Zeit bekam der Vorstand des Olper Museumsvereins um Wilma Ohly einen heißen Tipp: Bei einer Versteigerung wird eines der seltenen erhaltenen Originale des "Narrenschiffs" angeboten.

Neuerwerb zum Selbstkostenpreis

Interessant ist diese Information für die Olper, weil der Herausgeber, Johann Bergmann von Olpe, wie der Name schon sagt, ursprünglich aus der Kreisstadt stammt.

Professor Thomas Wilhelmi von der Universität Heidelberg erstand das Buch für 12.500 Euro. Ein Schnäppchen, wie der Experte meint. Der Vorstand des Museumsvereins nahm kurzerhand Kontakt mit dem neuen Besitzer auf. Dieser erklärte sich gleich bereit, seinen Neuerwerb der Stadt mit dem besonderen Bezug zum Werk zum Selbstkostenpreis zu überlassen. "Ein sehr edler Zug, zumal er selbst ein Sammler ist", so Wilma Ohly vom Olper Museumsverein.

Um dieses Projekt zu finanzieren, ruft der Verein nun alle Bürger zu Spenden auf, um das "Narrenschiff" anlässlich des 700. Stadtjubiläums nach Olpe zu holen.

Bei Germanisten und Historikern gilt das Werk als erster Bestseller des Buchdrucks. Nach der Veröffentlichung 1494 in einer Art Neuhochdeutsch wurde das sozialkritische Werk wenig später in der zweiten Auflage auch auf Latein veröffentlicht.

Diese Entscheidung brachte europaweiten Erfolg mit sich. Aus dieser zweiten Auflage stammt auch die Ausgabe von 1497, deren Erwerb nun finanziert werden soll.

16 Auflagen in zahlreichen Sprachen unterstreichen den historischen Wert des "Narrenschiffs". "Ende des 18. Jahrhunderts hat Goethes ,Die Leiden des jungen Werthers' diese Nachfrage erstmals wieder erreicht", so Josef Wermert vom Kreisstadt Archiv Olpe.

Holzschnitte von Albrecht Dürer

Wertvoll ist das Original unter anderem auch durch die Holzschnitte von Albrecht Dürer, die das Buch illustrieren.

Dadurch sei auch das außerordentliche Interesse der Zeitgenossen zu erklären. "Das Werk muss damals wie ein Comic gewirkt haben", so Josef Wermert.

"Das Interesse an Geschichte, vor allem an der eigenen, wächst auch bei jungen Leuten immer weiter", so Wilma Ohly. Deshalb hofft der gesamte Verein auf finanzielle Unterstützung der Olper Bürger, um den Kauf bis November abwickeln zu können.

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