Netzwerk gegen Gewalt: Mehr Mut zur Selbsthilfe

Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt traf sich im Kreishaus Olpe zum Thema: "Vor Jahren missbraucht - bis heute geschwiegen." Insbesondere Opferschutz und Therapieansätze sorgten für Gesprächsstoff.

Diskutiert wurden unterschiedliche Möglichkeiten, Missbrauchs-Opfer zu unterstützen ihre Hemmschwelle zu überwinden, um Täter im Kreis Olpe zur Verantwortung zu ziehen. Ein regionaler Bezug soll hergestellt werden. Es sind gesellschaftliche Impulse nötig, die Machtlosigkeit und Verschwiegenheit der Opfer zu brechen, Verdrängungsprozesse zu beenden, um den Heilungsprozess der psychisch kranken Seele durch eine geeignete Therapie zu unterstützen. Je nach Schweregrad und Dauer des Missbrauchs sind psychische Störungen erkennbar. Ärzte sollten sensibler werden und körperliche Verletzungen genauer hinterfragen und dokumentieren.

Im frühen Stadium des Dramas zeigen sich soziale Ängste, Depressionen, Unruhezustände, Aversionen gegen Details (z.B. Alkoholgeruch), die später in Essstörungen, Zwangsneurosen (Reinlichkeitszwang) bis zur Selbstverletzung oder zum Selbstmord führen können.

Für eine Heilung muss der Tatbestand vor Gericht geklärt und der Täter zuerst verurteilt sein, damit die Betroffenen die konfrontative Aufarbeitung erleben und abschließen können. Der erste Schritt ist allerdings, die Hilflosigkeit zu überwinden und gegebenenfalls eine Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen, um über den eigenen Schatten zu springen, die Tat bei der Polizei anzuzeigen. Die Folgen bei Jungen/Männern und Mädchen/Frauen sind unterschiedlicher Natur. Es gibt sehr wenige Männer, die sich einer Therapie unterziehen, die Tat vorzugsweise verdrängen oder in Aggressionen ausleben. Eine besondere Problematik stellt für alle Opfer die Tatsache dar, dass in 94 Prozent der allgemeinen Missbrauchsfälle der Täter im bekannten Umfeld zu finden ist, was zusätzliche Berührungsängste schafft, sich dem Tatbestand vor Gericht in der Opferposition zu stellen. Der Weisse Ring fordert nicht nur die Täter ins Visier zu nehmen, sondern Hilfe für die Opfer zu organisieren. Gerade wer sich erst lange Zeit nach der Tat outet, braucht vielfach intensive Hilfe. Für die Opfer steht im Vordergrund, dass eine Schuld auch von den verantwortlichen Trägern anerkannt wird und eine Harmonisierung der Verjährungsfristen von Straf- und Zivilrecht erfolgt. Psychotherapeuten erwarten eine kürzere Verfahrensdauer, um therapeutisch schneller agieren zu können und dem Opfer weitere Quälereien zu ersparen.

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