Weltweiter Anstieg häuslicher Gewalt durch „Shutdown“

Codewort „Maske 19“: Netzwerk gegen häusliche Gewalt bietet neue Notrufhilfe

Stellten die zusätzliche Notrufhilfe vor (v.l.): Elvira Schmengler, Ulf Ullenboom, Eva Rieke-Trinn, Shahana Gitzen, Klaudia Thun-Vigener und Michael Kopsan.
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Stellten die zusätzliche Notrufhilfe vor (v.l.): Elvira Schmengler, Ulf Ullenboom, Eva Rieke-Trinn, Shahana Gitzen, Klaudia Thun-Vigener und Michael Kopsan.

Angesichts der Ausgangsbeschränkungen durch Quarantäne, Homeoffice oder Kontaktverboten fehlt Hilfesuchenden oft der nötige Abstand zum gewalttätigen Partner, um sich bei häuslicher Gewalt an bestehende Hilfsmöglichkeiten zu wenden und bemerkbar zu machen. In Zeiten der Corona-Pandemie möchte die Union Deutscher Zonta Clubs nach dem Vorbild Frankreichs und Spaniens mit „Maske 19“ auch in Deutschland zusammen mit Apotheken eine zusätzliche Notrufhilfe initiieren, die bei akuter häuslicher Gewalt und Gefahr im Verzug leicht erreichbar ist.

Kreis Olpe - Elvira Schmengler, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe und Koordinatorin des Netzwerkes gegen häusliche Gewalt, Klaudia Thun-Vigener, ZONTA Club Siegen Area, Ulf Ullenboom, Vertrauensapotheker im Kreis Olpe, Michael Kopsan, Opferschutzbeauftragter der Kreispolizeibehörde Olpe, Eva Rieke-Trinn, Frauenberatungsstelle, und Shahana Gitzen, Frauenhaus, stellten die zusätzliche Notrufhilfe „Maske 19“ vor.

Die Idee hinter Maske 19: Wenn jemand Opfer häuslicher Gewalt geworden ist, können Betroffene, in der Regel Frauen, in die Apotheke gehen und das Codewort „Maske 19“ dort nennen. „Daraufhin wird die Frau diskret sofort beiseite genommen und in einen anderen Raum gebeten. Auf Wunsch der Betroffenen wird in einer akuten Bedrohungslage die Polizei gerufen. Diese Entscheidungen trifft die Betroffene aber selbst. Die Apotheke sorgt nur für den geschützten Raum und die Diskretion bis zum Eintreffen der Polizei oder bis zur Entscheidung der Betroffenen, die Apotheke wieder zu verlassen. Beratung in jeglicher Form ist nicht Aufgabe der Apotheke, die aktuelle Unterstützung schon“, erklärt Ulf Ullenboom.

Wünscht die Betroffene keine Verständigung der Polizei, wird auf die örtliche Frauenberatungsstelle, das Frauenhaus oder das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ hingewiesen oder dort bei Bedarf auch direkt angerufen.

Ausbrechen aus der Gewaltspirale

Eva Rieke-Trinn berichtet: „Wir begrüßen jede Möglichkeit für Frauen und Mädchen, sich jemandem mitzuteilen. Die Initiative ,Maske 19‘ ist ein zusätzlicher Weg für Betroffene, aus der Gewaltspirale herauszukommen.“

Ulf Ullenboom fügt an: „Apotheken als niederschwellige Zufluchtsorte für die Direkthilfe sind deshalb sinnvoll, weil sie systemrelevant sind und daher auch während eines Lockdowns so schnell nicht geschlossen werden und die Leute für einen Besuch auch momentan die eigenen vier Wände verlassen dürfen.“

Ist eine Apotheke bereit, bei der Aktion mitzumachen, hängt sie gut sichtbar ein kleines Plakat auf. Für die Beschäftigten in der Apotheke gibt es einen Leitfaden, der den Umgang mit der Situation erleichtern soll. Auch die Frauenberatungsstelle bietet an, die teilnehmenden Apotheken zu beraten.

„Wenn allein einer Person durch die Initiative geholfen werden kann, haben wir schon etwas erreicht“, befindet Elvira Schmengler. Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Kreis Olpe unterstützt die Initiative „Maske 19“ ausdrücklich, vor allem weil viele der Mitglieder, über Frauenberatungsstelle, Frauenhaus oder Polizei hinaus, auch vor Ort Hilfsangebote machen können.

Durch das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen können sich unabhängig von diesem Angebot Betroffene, aber auch Angehörige, Freunde sowie Fachkräfte und Ehrenamtliche anonym und kostenfrei in Krisensituationen beraten lassen. Qualifizierte Beraterinnen stehen den Anrufenden rund um die Uhr vertraulich zur Seite und vermitteln sie auf Wunsch an Unterstützungsangebote vor Ort. Bei Bedarf werden Dolmetscherinnen in 17 Sprachen zum Gespräch hinzugeschaltet.

Weitere Informationen online oder unter Tel. 08000/116016.

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