Kinder werden mit einbezogen

Hilfe für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Neustart der „Smily Kids“-Gruppe

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Kämpfen für mehr lächelnde Kinder (v.l.): Claudia Bucher, Suchtberaterin bei Caritas-AufWind, Christa Gattwinkel und Jessica Spielmann von den „Smily-Kids“.

Olpe. In Deutschland leben rund 2,65 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit alkoholkranken Eltern zusammen, dazu kommen 40.000 bis 60.000 Kinder drogenabhängiger Eltern. Das heißt jedes sechste Kind ist betroffen. Vermutlich sind es noch mehr. Das weiß auch Jessica Spielmann – die junge Frau wuchs bei alkoholsüchtigen Eltern auf. Heute unterstützt sie Christa Gattwinkel beim Neustart einer „Smily Kids“-Gruppe in Olpe. Das sind die Kindergruppen im Kreuzbund, die seit 1996 Hilfe für Kinder und Teens aus suchtbelasteten Familien bieten. Gemeinsam mit der Suchtberatung von „Caritas-AufWind“ startet am Dienstag, 15. Januar, die neue Gruppe.

„Am 14. September 1996 startete ich in Altenhundem mit der ersten Kindergruppe – hier hatten die Kinder von Alkoholikern die Gelegenheit in einem geschützten Raum von ihren Sorgen und Nöten zu berichten“, erinnert sich Christa Gattwinkel beim Pressespräch in den Räumen von Caritas-AufWind in Olpe am Donnerstagmittag. Anlass war damals der konkrete Fall von einer Frau mit suchtkrankem Ehemann, die sich an Christa Gattwinkel mit der Bitte wandte, mit ihrer Tochter zu reden. Sie fände keinen Draht mehr zu dem Mädchen – sähe aber, dass sie sehr leide. Christa Gattwinkel sprach mit dem Kind – mit großem Erfolg. So entstand die Idee zu den „Smily Kids“. 

„Kindern einen Anlaufpunkt zu bieten, jemanden, an den sie sich wenden können – natürlich bei Schweigepflicht – das war und ist mein Ziel“, so die Kirchhundemerin. Sie weiß wo von sie redet. Ihr Ehemann kämpfte jahrelang – im Endeffekt erfolgreich – gegen die Alkoholsucht und engagierte sich dann gemeinsam mit seiner Frau bei den Kreuzbund-Gruppen. Vielleicht war es dank ihrer eigenen Erfahrung möglich, einen direkten Draht zu den Kindern zu finden. „Ich stelle mich auf eine Stufe mit ihnen, höre einfach zu. Es ist oft so, dass sich dann ein Ventil öffnet und es nur so aus ihnen heraus sprudelt. Die Kinder merken: Sie sind nicht allein, andere sitzen mit im Boot“. 

So ging es auch der heute 31-jährigen Jessica. Sie kam 1998 das erste Mal zur Altenhundemer „Smily Kids“-Gruppe dazu. „Wir hatten keine Anlaufstelle, aber bei Christa konnten mein Bruder und ich einfach frei reden, fühlten uns nicht ausgeschlossen oder wurden doof angeschaut“, erinnert sich die dreifache Mutter heute. Ihre Eltern kämpften beide mit der Alkoholsucht. Bereits mit drei Jahren kamen sie und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder zu einer Pflegefamilie. „Wir haben alles erlebt – Aggressionen, alles“, sagt sie. Besonders schlimm sei es gewesen, dass ihre Mutter, sie für den Alkoholkonsum verantwortlich machte. „Wenn du nicht so ein Sorgenkind wärst, würde ich nicht trinken“, das habe sie zu hören bekommen. „Das ist leider häufig der Fall“, unterstreicht Christa Gattwinkel. „Die Kinder hören ,Wenn du nicht geboren wärst, hätten wir das Problem nicht‘ – was das mit Kindern macht, können Sie sich vorstellen“. 

Kinder werden mit einbezogen

Daher war es immer ihr erstes Ziel, die Kinder von ihren Schuldgefühlen zu befreien, ihnen zu zeigen, dass sie keinerlei Verantwortung für die Sucht ihrer Eltern tragen. „Im Unterschied zu uns Erwachsenen können Kinder nicht einfach weglaufen, es sind ihre Eltern, die ihnen das antun“, erläutert sie. Jessica und ihr Bruder wuchsen nach einigem Hin und Her bei ihrer Oma auf, ihre Mutter schaffte es schließlich, trocken zu werden. Heute kann Jessica mit ihren Erfahrungen umgehen – und möchte anderen Kindern mit einem ähnlichen Schicksal helfen. „Als Christa mich fragte, ob ich sie nicht bei den Smily-Kids unterstützen möchte, habe ich gerne Ja gesagt“, lacht sie.

„Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn man Kindern zuhört und ihnen glaubt werden sie stark“, so Christa Gattwinkel. „Die Kinder werden mit einbezogen – ohne das Vertrauen zu missbrauchen“. Im Rahmen der „Smily Kids“-Gruppe in Olpe am Dienstag, 15. Januar, um 16 Uhr in den Räumen von „Caritas-Aufwind“ in der Olper Kolpingstraße 62 treffen sich Kinder – das Alter ist hier egal – und Eltern separat um über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Bei den Kindern folgt nach jedem Reden eine Meditation oder eine Geschichte, dann folgt eine Pause zum „Toben“ – erst dann kommen die Eltern dazu. Manchmal wird gemeinsam gebastelt, gemalt und häufig auch diskutiert.

„Wichtig ist, dass Schweigepflicht herrscht“, unterstreicht Christa Gattwinkel. „Wenn Probleme auftauchen, reden wir gemeinsam mit dem Kind oder dem Teenie mit den Eltern.“ Außerdem müssen Eltern keine Scheu haben, ihr Kind zu den „Smily-Kids“ zu schicken. „Das Reden über Sorgen und Ängste verändert und befreit das Kind, es baut wieder Selbstvertrauen auf, es kann lachen und träumen“, sagt Christa Gattwinkel. „Das hat mir meine jahrelange Erfahrung immer wieder gezeigt. Kinder sind ganz erstaunlich stark.“

Über die „Smily Kids“

Unter diesem Namen wurde von Christa Gattwinkel innerhalb der Erzdiözese Paderborn die erste Kindergruppe des Kreuzsbundes für kinder aus suchtbelasteten Familien gegründet. 

Die Treffen in Olpe finden dritten Dienstag im Monat um 16 Uhr bei Caritas-AufWind in der Kolpingstraße 62 statt. Um kurze Anmeldung wird gebeten: Christa Gattwinkel, ☎ 02723/3152 oder christa-gattwinkel@t-online.de oder bei Caritas-AufWind, Claudia Bucher ☎ 02761/921-1518.

Weitere Infos unter www.smily-kids.de und bei Facebook.

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