Erstmals seit 27 Jahren

Aus Annika Zöll wird Schwester Jakoba: 24-Jährige ist neue Novizin bei den Franziskanerinnen

Seit Dienstag ist Annika Zöll, gebürtig aus Leverkusen, Novizin bei den Olper Franziskanerinnen.
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Seit Dienstag ist Annika Zöll, gebürtig aus Hitdorf bei Leverkusen, als Schwester Jakoba Novizin bei den Olper Franziskanerinnen.

Olpe – „Ob sie heute Nacht schlafen konnte? Ich konnte es nicht!“, lauten die aufgeregten Worte einer Ordensschwester im Franziskanerinnen-Mutterhaus Olpe. Mit „sie“ ist Annika Zöll gemeint. Der Grund für die Aufregung: An diesem Dienstagnachmittag wird die 24-jährige Theologin feierlich in den Orden aufgenommen und nun den Namen „Schwester Jakoba“ tragen. Damit beginnt für sie offiziell das Noviziat und das sogenannte „kanonische Jahr“. In Olpe hat es das seit 27 Jahren nicht mehr gegeben.

Im Kirchensaal ist es still. So still, dass man jede Bewegung, jeden Atemzug hört. 30 Schwestern, Annika Zöll Verwandte und Bekannte sowie gezückte Kameras warten darauf, dass sich die Tür öffnet. Annika Zöll, nun Schwester Jakoba, hat gerade ihren Habit und Schleier erhalten. Nun befindet sie sich zusammen mit ihrer Ausbilderin Schwester Katharina Hartleib in der Einkleidung. 

Als es dann endlich soweit ist, spielt die Orgel auf. Ein strahlendes Lächeln in dem Gesicht der gebürtigen Leverkusenerin. Vor dem Altar erhält sie dem Ritual gemäß von Schwester Scholastika Kaiser, Provinzoberin der Olper Franziskanerinnen, Kreuz, Stundenbuch mit dem täglichen Stundengebet, Regel und Konstitutionen. Dann erklärt sie, wieso sie sich „Jakoba“ als Ordensnamen ausgesucht hat: „Jakobs Kampf mit Gott im Buch Genesis ist meine Lieblingsgeschichte. Im intensivsten Kampf lässt sich nicht mehr zwischen innigem Kampf und inniger Umarmung unterscheiden. So geht es auch mir im Kampf mit Gott und seiner Theorie.“ 

Beginn eines Jahrs abgeschottet vom Alltag 

2013 ergatterte Annika Zöll einen von 18 Plätzen bei der Aktion „Girls find out“ der Franziskanerinnen. Auf ihrer Reise in die USA mit ihrer jetzigen Ausbilderin, Schwester Katharina, lernte sie ein Leben kennen, welches sie nicht mehr missen wolle. Ihr Theologiestudium zog sie nach Bonn, Jerusalem und schließlich wieder nach Olpe zu den Ordensschwestern. Dort war sie seit November 2019 Postulantin, hat damit offiziell um die Aufnahme in den Orden gebeten. Mit der Einkleidung beginnt nun das Noviziat - die Zeit der Ausbildung und Vorbereitung auf das Ordensgelübde.

Gemeinsames Gebet (vorn, v.l.): Generaloberin Schwester Magdalena, Provinzoberin Schwester Scholastika, Novizin Schwester Jakoba und Formationsleiterin Schwester Katharina

Im Noviziat steht der jungen Frau zunächst das „kanonische Jahr“ bevor: „Im kanonischen Jahr wird Annika ein Jahr abgeschottet vom Alltag leben. Sie soll sich ganz auf das Leben im Konvent konzentrieren können. Neben Bibellesen und Unterricht steht da auch gemeinnützige Arbeit in den Einrichtungen der GFO auf dem Plan“, beschreibt Schwester Katharina Hartleib.

Ordenstracht steht für den Beginn eines neuen Lebens 

Schwester Scholastika betont: „Die Ordenstracht ist kein Zeichen für einen Beruf. Sie ist ein Zeichen für ein gemeinschaftliches Leben im Konvent und für ein neues Leben für dich.“ 30 Schwestern und 45 Verwandte und Bekannte der 24-Jährigen singen und beten in Feststimmung während der Vesper, einem traditionellem Festgottesdienst. Enge Freunde der frisch aufgenommenen Ordensschwester, lesen Fürbitten, Bibelstellen und Pslamverse. Es ist eine im Hinblick auf die Corona-Bedingungen reich besetzte Kirchenfeier, die für Annika Zöll und die Anwesenden mit einer Grillparty endet.

Gruppenbild mit Novizin: die versammelte Schar der Franziskanerinnen.

Das Noviziat kann um ein Jahr verlängert werden. Danach folgt das Ordensgelübde - die zeitliche Profess. Sie bindet eine ausgebildete Novizin zunächst auf drei Jahre an den Orden und kann bei Bedarf verlängert werden, bevor es mit der ewigen Profess zu der Entscheidung auf Lebenszeit kommt.

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