Für eine lebendige Kirche

Reformbewegung Maria 2.0 bringt Thesen an Olper Kirchen an 

Reformbewegung Maria 2.0 bringt Thesen in Olpe an
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Jutta Gummersbach-Ohm, Beate Lütticke, Beate Schröder, Jutta Ohm und Ulrike Heuel (v.l.) vom Olper Maria-2.0-Team präsentierten die Thesen vor der Marienkirche.

Es ist irgendwie ein passendes Bild: Mehr als 500 Jahre ist es her, dass der große Reformator Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche Wittenberg geschlagen hat. Am Wochenende haben bundesweit viele Frauen der Reformbewegung Maria 2.0 ebenfalls ihre Thesen in und an Kirchen sowie in deren Schaukästen platziert. Und auch hier geht es um grundlegende Reformen der katholischen Kirche. In Olpe machten die Frauen der Maria-2.0-Bewegung unter anderem an der Marienkirche auf ihre Thesen aufmerksam.

Olpe - Zufällig gewählt hat die Reformbewegung den Zeitpunkt nicht: Vom 23. bis 25. Februar findet die Online-Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz statt. Und die kriegt durch die Affäre um Missbrauchsvorwürfe im Erzbistum Köln und eine mögliche Vertuschung durch den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki sicherlich noch einmal mehr Brisanz. Passend dazu lautet auch eine der Maria-2.0-Forderungen: „In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft.“

„Am Freitag sind sogar die Server des Amtsgerichts in Köln wegen der vielen Terminanfragen für Kirchenaustritte abgestürzt. In Köln gibt es derzeit heftigen Gegenwind. Wir glauben, Woelki will das Ganze bis zur zweiten Studie zu den Missbrauchsvorwürfen im März aussitzen“, berichtet Ulrike Heuel vom Olper Maria-2.0-Team. Konkret soll es um zwischen 200 und 300 Missbrauchsopfer und ebenso viele Beschuldigte allein im Bistum Köln gehen. Kardinal Woelki hält aktuell ein Gutachten über den Umgang mit Vorwürfen gegen katholische Priester im Bistum Köln aufgrund des sexuellen Missbrauchs von Kindern zurück. Zuletzt haben auch namhafte deutsche Bischöfe wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, oder dessen Vorgänger Reinhard Kardinal Marx den Kölner Erzbischof deutlich kritisiert.

Der Gegenwind aus Rom ist für uns eine Auszeichnung.

Ulrike Heuel Team Maria 2.0 Olpe

Doch die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ist nur eines der Anliegen der Frauen. Vielmehr geht es um grundlegende und umfassende Reformen mit dem Ziel einer lebendigen und zukunftsfähigen Kirche. Die Bewegung Maria 2.0 tritt dabei für eine geschlechtergerechte Kirche mit dem Zugang für Frauen zu allen Ämtern, für eine wertschätzende Haltung gegenüber selbstbestimmter, achtsamer Sexualität sowie für die Aufhebung des Pflichtzölibats ein. Neben dem Thesenanschlag standen die Vertreter der Initiative am Wochenende auch nach den Gottesdiensten in Olpe, Oberveischede und Altenkleusheim für Gespräche zur Verfügung. In den Kirchen wurden Thesenpapiere ausgelegt. Überschrieben sind sie mit „An alle Menschen, die guten Willens sind!“.

Mittlerweile haben Aktionen von Maria 2.0 in Deutschland zu einer Beobachtung durch die für die Einhaltung der kirchlichen Lehre zuständige Glaubenskongregation des Vatikans geführt. Für die Frauen ist das ein Ritterschlag: „Wir bitten sogar darum, dass man im Vatikan genau beobachtet, was wir hier machen“, sagt Beate Lütticke. Und Ulrike Heuel ergänzt: „Der Gegenwind aus Rom ist für uns eine Auszeichnung.“

Dass die Glaubenskongregation radikale Bewegungen wie beispielsweise die Piusbruderschaft, die Teile der kirchlichen Lehre als Ketzerei ablehnt, offenbar nie offiziell beobachtet hat und der Vatikan sie sogar nach Exkommunikation wieder in ihre Mitte aufgenommen hat – passt auch irgendwie ins Bild.

Die sieben Thesen der Initiative Maria 2.0

1. In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

2. In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

3. In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

4. Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

5. In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

6. Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

7. Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.

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