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Umbau statt Abriss - Olper Architekt plant neue Zukunft für den „hässlichen Turm“

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Von: Christine Kluge

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Rathaus Olpe Architekt Wohnung Projekt
Wenn es nach Architekt Axel Stracke geht, sollen im alten Rathaus in Olpe 63 neue Wohnungen entstehen. © Archivfoto

Es ist eine Idee, die nicht nur auf positiven Anklang stößt. Der Olper Architekt Axel Stracke hat in der vergangenen Sitzung der Stadtverordneten seine Pläne für die Zukunft des alten Olper Rathauses vorgestellt.

Olpe – Das Angebot von Mietwohnungen und vor allem bezahlbarem Wohnraum in der Olper Stadtmitte sei dürftig, betont Axel Stracke. Er habe den Wunsch aus dieser Problematik vernommen und die Pläne zur neuen Nutzung des Rathauses geschaffen. Das Rathaus soll laut seinen Plänen nicht nach Beendigung des Neubaus des Rat- und Bürgerhauses auf dem Bahnhofsgelände abgerissen werden, wie es bislang geplant ist. Er will stattdessen 63 Wohnungen schaffen.

„Auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ist der Erhalt des Rathauses besser. Es ist erst 45 Jahre alt und es würden dann auch keine Abrisskosten anfallen“, erklärt Stracke bei seiner Vorstellung. Für den Umbau des Rathaus würde er ebenfalls Hilfe von Fachingeneuren erhalten.

Aber was hat Axel Stracke genau vor? Er möchte das Rathaus kernentrümpeln bis nur noch das Skelett aus Betonstahl steht. Das bedeutet den Abbau der Fenster, der Trennwände, der Heizungsanlage, der abgehängten Decken und vieles mehr. Auch das Problem mit der Asbestbelastung sei ihm bewusst.

Kunststofffenster mit Dreifachverglasung, Balkone mit Teilverglasung und eine Teilbegrünung der Fassade wären für das zukünftige Wohnquartier in Olpe vorgesehen. Dazu betont Axel Stracke die fußläufige und barrierefreie Verbindung zum neuen Bürgerhaus. Dafür müsse jedoch die Überdachung der Parkfläche des Rathauses abgerissen werden. Auf dem Rathausvorplatz sollen Sitzgelegenheiten, Tische und Pflanzen zum Verweilen einladen. Geheizt werden soll laut Stracke durch Erdwärme und Photovoltaik. Dazu hat er die Idee, die Wohnungen mit Fußbodenheizungen und das Gebäude mit Wärmedämmputz auszustatten. Neu eingezogene Wände plant er in der Trockenbauweise mit geringem Gewicht mit Rücksicht auf das Betonstahl-Skelett des Rathauses.

Ambulantes und betreutes Wohnen

Insgesamt 63 Wohnungen sollen so geschaffen werden. Im ersten Geschoss werden die zukünftigen Wohnungen eine Fläche von 60 bis 93 Quadratmeter haben und einen Balkon. Im ersten Geschoss plant Axel Stracke 16 Wohnungen für ambulantes und betreutes Wohnen. Der jetzige Ratssaal wird in seinen Plänen zu einem Gemeinschaftsraum mit Speisesaal. Dazu soll es eine Terrasse und ein Büro für eine Aufsichtsperson geben.

Die Wohnungen im zweiten bis neunten Obergeschoss plant Stracke mit einer Fläche von 45 bis 62 Quadratmeter und ebenfalls mit Balkon. Dazu sollen alle Wohneinheiten ein barrierefreies Bad besitzen. Bei seinen Planungen hat Axel Stracke mehr „ältere Menschen“ bedacht, aber „natürlich gibt es aus Möglichkeiten, zwei Wohnungen zusammenzufügen, wenn sich junge Familien dafür interessieren“.

Die Mieten sollen 10 bis 12 Euro pro Quadratmeter kosten. „Weniger ist einfach nicht machbar, da das ganze Projekt ja auch tragbar sein soll“, erklärt der Olper Architekt. Dafür seien die Nebenkosten aufgrund der Heizung mit Erdwärme niedriger.

Finanzierung noch „komplett offen“

Aber wie viel würde die Umsetzung dieser Pläne kosten? Auf konkrete Kostenplanungen ist Axel Stracke nicht eingegangen. Doch die Kosten für den Umbau könnten bei 1500 Euro pro Quadratmeter liegen, sich aber noch immens erhöhen. Der Olper Architekt gibt an, dass eventuell die Heizung erhalten bleiben könnte, was die Kosten senken würde, dafür könnte sich der Quadratmeterpreis in anderen Stellen erhöhen: „Ich weiß nicht, was in den Wänden, der Decke und der Dämmung steckt“, gesteht Axel Stracke. Deswegen sei eine genaue Kostenkalkulation zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht möglich. „Ich habe das Haus noch nicht untersucht, aber ich kann sagen, dass es machbar ist.“

Auch die Kosten einer Schadstoffsanierung könnten hinzukommen. Eventuell käme allerdings auch eine Förderung in Betracht. Axel Stracke gibt auch zu bedenken, dass „so ein Gebäude“ nicht einfach zu kaufen sei. Deswegen habe er an eine Erbpacht als Lösung gedacht. Diese würde eine größere Chance auf einen Besitzerwechsel bieten.

Geteilte Meinung unter Ratsmitgliedern

Die Rückmeldungen der Ratsmitglieder auf die Pläne waren gespalten. Zaklina Marjanovic, Fraktionsvorsitzende der Grünen, bekräftigte noch einmal, dass bezahlbarer Wohnraum „dringend“ benötigt würde. Deswegen regt sie an, über den Erhalt des Rathauses nachzudenken und dies mit in den ISEK-Prozess zu integrieren.

Auch Volker Reichel von der SPD stimmte dafür, die Planung objektiv zu prüfen und auch auf die Machbarkeit zu prüfen. „Es ist ein gesundes Gebäude in Stahlbeton. Wir müssen uns die Fragen stellen, ob der Erhalt nicht besser ist, wenn es sinnvoll machbar ist? Können wir die Innenstadt durch Wohnungen beleben? Was passiert, wenn nicht abgerissen wird? Wie sieht die mögliche Nutzungszeit von 50 bis 70 Jahren aus? Auch die Einnahmen für die Stadt sollten dabei bedacht werden.“

Thomas Primavesi von der CDU war dagegen überrascht, „was aus einem hässlichen Gebäude zeichnerisch herausgeholt werden kann“. Er betont seine Sorge, dass der ISEK-Prozess bereits lange läuft und die Bürger damals schon in die Entscheidung über die Zukunft des Rathauses miteinbezogen worden seien. „Es ist eine Menge rausgeholt worden, was man aus der Bude machen kann. Aber kostentechnisch ist es komplett offen. Auch eine Insolvenz ist möglich. Was machen wir dann? Was können wir tun, um das zu verhindern? Ich gehe lieber einen sicheren Weg, als große Sorgen bei einer Insolvenz zu haben. Dann steht alles still und es bedeutet auch hohe Kosten für die Stadt. Die Risiken sind mir zu hoch.“

Einig waren sich die Ratsmitglieder, dass die städtebauliche Achse mit freiem Blick vom Markplatz auf das neue Bürgerhaus bedacht und wichtig sein sollte. Auch der laufende und fast in die finale Phase eingehende Freiraumplanungswettbewerb für das Gelände der ehemaligen Realschule geht von einem Abriss des Rathauses aus.

Das Rathaus spielte einfach keine Rolle mehr. Auch ein Wohnraum für 12 bis 14 Euro pro Quadratmeter hilft der Stadt nicht weiter. Die Idee von Axel Stracke kommt zu Unzeiten.

Uwe Schmidt (UCW)

Dies betont auch Frank Clemens, Fraktionsvorsitzender der CDU: „Ein Abriss des Rathauses bedeutet ja nicht, dass in dieser Lage kein Wohnraum mehr geschaffen wird. Trotzdem bin ich skeptisch, was die Kosten angeht. Mietpreise von 10 bis 12 Euro sind nicht kostengünstig. Außerdem ist vieles noch unklar, besonders was an Kosten noch anfallen wird.“ Markus Maria Arens (CDU) ist von der Beharrlichkeit mancher Fraktionen beeindruckt. „Wir sollten aber auch die Bürgerbeteiligung bedenken. Wir haben damals die Bürger nach ihrer Meinung gefragt. Ich höre auch immer wieder, dass der „hässliche Turm“ weg soll.“

Für Rüdiger Schnüttgen (CDU) steht das Rathaus einfach bei der Erschließung der Bigge, dem neuen Bürgerhaus und dem Marktplatz im Weg: „Das Projekt in der Finkenstraße knüpft an den Marktplatz und die Bigge an, aber das Rathaus ist einfach im Weg und sollte nicht in Konkurrenz stehen. Wir hätten uns vorher darüber Gedanken machen müssen, jetzt ist es zu spät dafür.“

Uwe Schmidt von der UCW sieht den Zeitpunkt der Präsentation von Axel Stracke ebenfalls kritisch. „Wir haben uns sehr lange Gedanken gemacht, was mit dem Rathaus passieren soll. Ein Neubau ist die Chance für die städtebauliche Entwicklung. Vor zehn Jahren gab es noch keine Idee zum Erhalt. Das Rathaus spielte einfach keine Rolle mehr. Auch ein Wohnraum für 12 bis 14 Euro hilft der Stadt nicht weiter. Die Idee von Axel Stracke kommt zu Unzeiten. Es hat einfach keinen Mehrwert, die Idee jetzt weiterzuverfolgen.“

„Das Rathaus ist im Kopf schon lange weg“, sagt Martin Moseler von der FDP. „Der Vorschlag ist schön, aber es ist einfach der falsche Ort, um Wohnraum zu schaffen.“

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