Online-Petition gegen religiöse Ausgrenzung

Sechs Familien kämpfen gegen die Ablehnung ihrer Kinder von Grundschulen

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Immer wieder lehnen katholische Grundschulen in Olpe Kinder aufgrund ihrer Konfessionszugehörigkeiten bei Anmeldung ab. Sechs Mütter aus Olpe kämpfen gegen diese religiöse Ausgrenzung an und starten eine Online-Petition (Symbolfoto).

Altenkleusheim – Betül Isiklars Sohn Jamal sollte im Sommer die Franz-Hitze-Grundschule in Rhode besuchen. Doch die telefonische Absage durch Schulleiterin Carmen Rosenthal erfolgte einen Monat nach Anmeldung und zwar wegen „Aussortierens aus Konfessionsgründen“.

Und Betül Isiklar ist nicht alleine mit diesem Problem der Grundschulpolitik, die bei vielen Eltern auf Kritik stößt. Deswegen startete Betül Isiklar zusammen mit weiteren fünf betroffenen Müttern aus Olpe die Online-Petition „Nein! Zu religiöser Ausgrenzung bei Schulanfängern in Olpe“.

Die Grundschulen in Olpe sind weitgehend katholisch orientiert und dazu sind einige Grundschulen sogenannte Bekenntnisgrundschulen. Darin liegt das Problem, denn das erste Aufnahmekriterium an diesen besonderen Schulen ist die katholische Konfession. Sobald die Anmeldezahlen die Aufnahmekapazitäten der Schule übersteigen, entscheidet zuerst die Konfession darüber, ob das Kind an der Schule angenommen oder abgelehnt wird. Eltern mit Kindern, die einem anderen Glauben angehören, haben so kaum eine Chance auf einen Schulplatz der insgesamt vier Grundschulen in Olpe, von denen drei zu den Bekenntnisschulen gehören. 

Ziel: Schulbesuch in Wohnortnähe

Das Ziel der Petition ist es, mindestens eine der Bekenntnisschulen, die sich in städtischer Trägerschaft befindet, umzuwandeln und somit Kindern anderer Konfessionen eine weitere Alternativschule statt der einzigen Gemeinschaftsgrundschule „Hohenstein“ anbieten zu können. Damit soll verhindert werden, dass Kinder aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld gerissen werden und unter der Ausgrenzung aus religiösen Gründen leiden. Das vorrangige Ziel solle nach Wunsch der Petitionssteller die Wohnortnähe sein.

Betül Isiklar kämpft mit fünf weiteren Müttern gegen die religiöse Ausgrenzung von Kindern an Olper Grundschulen.

Aber wie kam es überhaupt zu der Petition? Betül Isiklar berichtet in einem Gespräch mit dem SauerlandKurier, dass sich mehrere Mütter aus dem Stadtgebiet in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen haben. Von allen 15 Familien waren die Kinder an einer katholischen Grundschule aus demselben Grund abgelehnt worden. Es wurde diskutiert und ein reger Austausch betrieben, was denn eine Vorgehensweise sein könne oder was überhaupt gegen einen Ausschluss an einer Grundschule aufgrund einer anderen Konfession getan werden könne. 

"Alle nicht katholischen Kinder abgeschoben"

Betül Isiklar erzählt weiter, dass ihr Sohn Jamal das einzige Kind aus seinem Kindergarten sei, das nicht an der Rhoder Grundschule angenommen wurde. Familie Isiklar entschied sich jedoch gegen eine Anmeldung an der „Hohensteingrundschule“, weil ihr der Gedanke nicht behagte, dass „alle nicht katholischen Kinder auf diese Schule abgeschoben werden“. Um für ihren Sohn zu kämpfen, sprach Betül Isiklar sogar mit dem Olper Bürgermeister sowie dem Schulamt. „Es hat sich bei keinem der Betroffenen in den Gesprächen mit der Stadt, dem Schulamt, der Schulaufsicht des Kreises Olpe und den Schulleiterinnen verantwortlich gezeigt für die momentane Situation. Immer hieß es, die Eltern der aktuellen Schüler müssen entscheiden“, sagt Betül Isiklar. 

Regen Zuspruch bekam sie von anderen Eltern, Lehrern, Pädagogen, der Politik und vielem mehr. „Alle äußerten ihr Bedauern, aber niemand handelte“, erzählt Betül Isiklar. Eins wurde dabei ganz deutlich: Die Ablehnung von Kindern mit einer anderen Konfession ist nicht nur das Problem von Familien mit Migrationshintergrund. Auch viele „deutsche“ Familien, die evangelisch oder konfessionslos sind, seien in großem Maße betroffen.

Eine weitere WhatsApp-Gruppe wurde ins Leben gerufen. Dieses Mal waren es insgesamt sechs Mütter, die bereit waren sich nach zahlreichen Berichten in der Presse doch zu äußern und etwas gegen die Grundschulpolitik im Kreis unternehmen zu wollen. Neben Betül Isiklar fassten Angela Günnewig, Vanessa Dombrowe, Nuray Uyar, Sandra Schulte und Meliha Kir den Entschluss eine Online-Petition zu starten und Betül Isikar war glücklich, dass sie nicht alleine war mit dem Problem. 

"Schulsystem kann so nicht weitergeführt werden"

Ihrer Meinung nach müssen sich Grundschulen an die heutige Zeit anpassen und das nicht nur im Kreis Olpe, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen. Denn die Absage aus religiösen Gründen sei landesweit ein Problem an Grundschulen. Betül Isiklar geht sogar noch weiter. Es sei „keine kleine Sache“, wie die Mutter betont, sondern „das Schulsystem von vor 100 Jahren ist veraltet und kann so nicht weitergeführt werden“. Die Politik müsse vorausschauend planen.

Weiter erzählte Jamals Mutter, dass sich keine der Familien gegen die Teilnahme des Kindes am katholischen Religionsunterricht gesträubt hätte. Im Gegenteil. Sie sehe den Religionsunterricht als wichtig an, da dieser für sie zur Allgemeinbildung gehöre und Parallelen zu anderen Glaubensrichtungen zeige. Sie hofft, dass die Petition etwas bewirkt und sie ihren anderen Kindern nicht wie Jamal erklären muss, dass sie anders sind, obwohl sie Weihnachten feiern, am Martinszug teilnehmen und Gottesdienste besuchen. Deswegen sei ihr das Ziel der Petition auch sehr wichtig. Kinder sollen auf die gleiche Schule gehen können wie ihre Freunde.

Doch der mutige Schritt einer Online-Petition trifft nicht überall auf positive Reaktionen. Besonders in Altenkleusheim werde das Thema nicht gerne angesprochen, berichtet Betül Isiklar und erzählt von einem besonderen Zusammentreffen mit einer anderen Mutter im Kindergarten. „Sie solle sich nicht über die Absage der Rhoder Grundschule wundern, schließlich sei ihre Familie…“ Ausgesprochen wurde der Satz nicht und doch ist die Meinung dahinter deutlich. „Aber wie sonst sollen andere Eltern auf das Thema aufmerksam gemacht werden?“, fragt Betül Isiklar.

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