Ein „schwarzer Februar“

Polizei stellt Bilanz für 2019 vor: So viele Unfälle gab es im vergangenen Jahr im Kreis

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Jürgen Dzuballe, Frank Beckehoff, Jürgen Griesing und Marcus Zeppenfeld (v.l.) stellten die polizeiliche Verkehrsunfallbilanz für den Kreis Olpe vor.

Kreis Olpe – 4404 Verkehrsunfälle hat die Polizei im Kreis Olpe im vergangenen Jahr registriert. Entgegen dem Landestrend ist die Zahl der Unfälle damit gesunken. Doch die Zahl der Verkehrstoten ist – ebenfalls anders als im NRW- und bundesweiten Vergleich – gestiegen. Das liegt insbesondere am „schwarzen Februar“, wie die Verantwortlichen bei der Vorstellung der polizeilichen Verkehrsunfallbilanz am Donnerstag ausführten. Unfallursache Nummer eins bleibt die Geschwindigkeit.

„Unfälle passieren nicht einfach. Sie werden verursacht. Bewusst oder unbewusst. Das nehmen wir nicht hin“, sagte Abteilungsleiter Polizei Jürgen Griesing. Daher appellierte er an die Verkehrsteilnehmer, sich „an die Regeln zu halten“.

Landrat Frank Beckehoff erklärte: „Die Zahlen in der Statistik spiegeln die Realität auf den Straßen im Kreis Olpe wider. Aber hinter den Zahlen stehen Menschen, die schwer verletzt wurden oder getötet wurden. Und wir sehen das Leid hinter diesen Zahlen. Jeder Verunglückte ist einer zu viel.“ Daher hat sich die Polizei einmal mehr auf die Fahnen geschrieben, die Sicherheit im Straßenverkehr in den Fokus zu rücken. Durch Prävention, durch Überwachung und Ahnung sowie durch repressive Maßnahmen.

Unfallbilanz 2019 im Kreis Olpe: acht Verkehrstote 

„Im vergangenen Jahr gab es acht Verkehrstote, im Jahr 2018 waren es sechs. Nach dem Februar hätten wir eigentlich einpacken können“, berichtete Jürgen Dzuballe, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde Olpe. Denn: Bei drei Verkehrsunfällen im Februar 2019 starben insgesamt fünf Menschen. Ein Pkw-Fahrer war am 16. Februar im Bereich Drolshagen in den Gegenverkehr geraten und bei dem Unfall gestorben, ein Mofa-Fahrer starb an den Folgen eines Alleinunfalls vom selben Tag in Wörmge und bei einem Frontal-Crash am 22. Februar auf der B236 zwischen Lenhausen und Finnentrop starben ein Pkw-Fahrer und seine beiden Beifahrer.

Bei einem schweren Verkehrsunfall zwischen Lenhausen und Finnentrop wurden im Februar drei Menschen getötet. 

Dazu kommen drei weitere Verkehrstote: Ein Motorradfahrer verunglückte am 18. Mai am Lenscheid tödlich, ein Pkw-Fahrer kam am 11. August auf der Ihnestraße in Attendorn aus ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab und erlag später seinen Verletzungen und am 2. November wurde eine Fußgängerin auf der B55/Griesemert von einem Pkw erfasst und tödlich verletzt

Ein Baustein bei der Prävention ist das Netzwerk Krad. Beckehoff: „Der Anteil an Motorradfahrern bei den schweren Unfällen ist zu hoch.“ Im vergangenen Jahr gab es 54 Verkehrsunfälle mit Kradfahrern, einen mehr als 2018. Dabei wurden 30 Fahrer schwer und 32 leicht verletzt, ein Motorradfahrer wurde getötet. Bei 44 der Unfälle waren die Kradfahrer die Verursacher, 33 Unfälle wurden von ortsunkundigen Fahrern verursacht. 19 der Verursacher waren Wiedereinsteiger über 40 Jahren: „Es geht bei den Verkehrsunfällen mit Motorrädern nicht nur um junge Raser, häufig sind es auch Fahrer ab 40, die jahrelang kein Motorrad gefahren sind“, sagte Dzuballe. 24 waren Alleinunfälle, 29 der 54 Unfälle ereigneten sich an einem Samstag oder Sonntag.

Unfallbilanz 2019 im Kreis Olpe: „junge Fahrer“ im Visier

Als repressive Maßnahme wird die beliebte Motorradstrecke am Lenscheid (L687) vom 1. April bis 31. Oktober an Wochenenden und Feiertagen halbseitig für Kradfahrer gesperrt. Marcus Zeppenfeld von der Direktion Verkehr erläuterte: „Das ist die Ultima Ratio. Durch bauliche Maßnahmen können wir die Strecke nicht mehr entschärfen. Uns ist bewusst, dass damit auch Motorradfahrer, die sich an die Regeln halten, eingeschränkt werden.“ 

Verstärkt im Visier der Polizei sind weiterhin die „jungen Fahrer“ zwischen 18 und 24 Jahren. Sie waren Verursacher von 16 Prozent der insgesamt 4404 Unfälle und von 23 Prozent der 429 Unfälle mit Personenschaden. Frank Beckehoff führte aus: „Das bereitet uns Sorgen, schließlich macht diese Bevölkerungsschicht nur 8,5 Prozent der Bevölkerung im Kreis aus.“ Insgesamt wurden 131 „junge Fahrer“ bei Verkehrsunfällen verletzt, einer wurde getötet. Die Polizei setzt daher weiter auf Präventionsveranstaltungen wie den „Crash Kurs NRW“ und die Verkehrssicherheitstage „Komm zurück“. Beckehoff: „Die Kreisverkehrswacht und das Verkehrssicherheitszentrum sind unerlässliche Partner in Sachen Prävention.“

Unfallbilanz 2019 im Kreis Olpe: 50 Kinder verunglückt

50 Kinder sind im vergangenen Jahr verunglückt (18 mehr als 2018), allerdings: „Bei einem Busunfall am 19. Februar in Grevenbrück wurden allein 21 Kinder verletzt“, sagte Dzuballe. Überraschend: 17 Prozent aller registrierten Unfälle waren Wildunfälle (756). 

Dzuballe räumte auch mit einem Irrtum auf: „Es stimmt nicht, dass sich die meisten Unfälle spätabends oder nachts ereignen. Wir registrieren mehr Unfälle in den frühen Morgenstunden und am frühen Nachmittag.“ Als Konsequenz wird die Polizei in Zukunft bereits ab 5 Uhr morgens und am frühen Nachmittag die Geschwindigkeit kontrolliert.

21 Kinder wurden bei einem Schulbusunfall im Februar in Grevenbrück verletzt.

Bei den Ursachen für die Unfälle mit Personenschaden steht weiterhin die Geschwindigkeit an Platz eins (100 Fälle), gefolgt von gefolgt von Abbiegen/Wenden (65) und mangelndem Abstand (58). „Die Ursache Abstand könnte ein Indiz für Handynutzung am Steuer sein, das ist aber schwierig nachzuweisen. Wenn wir da einen Verdacht haben, stellen wir die Handys sicher“, so Dzuballe. Die Polizei hat im vergangenen Jahr 1222 Fälle von Handynutzung am Steuer festgestellt und geahndet. 

Unfallbilanz 2019 im Kreis Olpe: 824 Fälle von Unfallflucht

Unfälle mit Fahrrädern oder Pedelecs sind laut Jürgen Dzuballe im Kreis Olpe „kein großes Thema“: Es gab 41 Unfälle mit Fahrrädern und 17 Unfälle mit Pedelecs. Auch bei den E-Scootern sind die Zahlen verschwindend gering: „Wir hatten einen Unfall mit einem E-Scooter, der nicht für den Straßenverkehr zugelassen war und auch niemals zugelassen wird. Der fuhr um die 80 km/h“, sagte Dzuballe.

Nach wir vor ein leidiges Thema ist die Unfallflucht. Hier gab es im vergangen Jahr 824 Fälle, 35 davon bei Unfällen mit Personenschaden. Insgesamt 39,93 Prozent wurden aufgeklärt.

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