Kunst als öffentliches Statement

Projektkurs „Public Art“: SGO-Schüler kritisieren das Verhalten der Menschen

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Immer den Blick aufs Smartphone gerichtet: Die Veränderungen in der zwischenmenschlichen Kommunikation sind für die Schüler schockierend.

Olpe. Plastikmüll schwimmt im Geschichtsbrunnen am Kurkölner Platz – „Das ist auch DEIN Müll“ steht auf einer Flipchart. Personen in weißen Maleranzügen und weißen Masken stehen mit dem Handy in der Hand an einem Stehtisch neben der St. Martinus-Pfarrkirche in Olpe – neben ihnen das Schild mit der Frage „Nennt ihr das Kommunikation?“ Es sind ungewöhnliche Szenen, die sich in den vergangenen Tagen in der Kreisstadt abspielten. Szenen, die das Verhalten unserer Gesellschaft widerspiegeln.

Identitätsverlust, Plastikkonsum und Toleranz: Hinter den Präsentationen steckt der Kunstprojektkurs „Public Art“. „Kunst ist auch Kommunikation“, erklärt Carmen Magers. Die Kunstlehrerin begleitet die jungen Menschen, die hier öffentlich ein Zeichen setzen wollen. „Was ist für euch Kunst?“ und „Was ist euch wichtig, auf welches Thema wollt ihr in der Öffentlichkeit hinweisen?“– Elf Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Städtischen Gymnasiums Olpe (SGO) haben sich mit diesen Fragen beschäftigt. 

Und ganz unterschiedliche Antworten gefunden. „Kunst sind nicht nur Bilder“, betont Carmen Magers. Für die eine Gruppe ist es Kommunikation: „Es gibt immer weniger zwischenmenschliche Kommunikation. Uns ist aufgefallen, dass immer mehr Menschen am Handy ,hängen’ und nicht mehr miteinander reden. Das ist ziemlich schockierend.“ Schockieren soll auch das gewählte Outfit: Weiße Maleranzüge und Masken, sodass man „die Identität nicht erkennt“, dabei bleibt der Blick auf das Smartphone in der Hand gerichtet. Anders am Kurkölner Platz: „Wir wollen die Aufmerksamkeit auf die Entsorgung von Plastik lenken“, erklären die Schülerinnen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. 

Handabdruck als „Unterschrift“ 

Innerhalb kurzer Zeit haben die jungen Frauen in der Olper Innenstadt – vom Marktplatz bis zum ZOB – Müll vom Boden aufgesammelt und daraus eine „Insel“ gebastelt, die nun anschaulich im Geschichtsbrunnen schwimmt. Warnende Hinweise gibt es auf einer Tafel. 

„Toleranz“ ist die Antwort, die eine weitere Gruppe für sich gefunden hat. Sie präsentiert ihr Projekt jetzt auf dem Olper Stadtfest: Auf einem Plakat steht die Frage „Egal welche Nationalität, Religion, Sexualität oder welches Geschlecht – Sind wir nicht alle Menschen?“ Die Schüler bitten Bürger, die dieser Frage zustimmen, ihren Handabdruck als „Unterschrift“ auf einem großen Stück Stoff zu hinterlassen. „Sodass wir am Ende eine Sammlung an vielen bunten Handabdrücken haben, welche für Toleranz stehen.“

Eine „Plastikmüll-Insel“ im Olper Geschichtsbrunnen – die SGO-Schülerinnen warnen: „Es betrifft auch deine Gesundheit“.

Und die Schüler des Projektkurses haben noch viele weitere Ideen: So wollen sie ebenfalls auf die „Helden“ der Stadt und den fehlenden Klimaschutz aufmerksam machen. Auch Projekte auf dem Schulhof und am Biggerandweg sollen folgen. Unterstützt wird der Projektkurs vom Förderverein der Schule und der Stadt Olpe. „Die Stadt ist uns sehr entgegen gekommen und hat entschieden, dass sie uns eine Bühne geben will“, freut sich Carmen Magers.

Außerdem haben die Schüler zahlreiche kleine Figuren verteilt – ganz im Stil von Slinkachu, einem britischer Streetart-Künstler, Fotograf und Blogger, der für seine „Little People“ bekannt wurde, die er in London installierte. Sie finden sich zum Beispiel in Pfützen, auf Bänken oder auf Statuen. „Wir wollen die Aufmerksamkeit auf die kleinen Dinge lenken, dass man nicht nur mit einem Tunnelblick durch die Stadt geht“, erklärt Magers weiter. Bereits im Herbst 2018 haben die Schüler einige der Figuren in der Kreisstadt verteilt. Nun folgt quasi die „Neuauflage“ der Aktion ergänzend zu den anderen Projekten. 

Kunst nach Slinkachu: Überall in der Stadt verteilt finden sich kleine Figuren – auch in einer Pfütze.

Das Ziel der Aktion ist klar: „Wir wollen die Aufmerksamkeit auf wichtige aktuelle Themen richten“ – aber auch auf den „kleinen Blick“.

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