"Ruhe bewahren" nach "Kyrill" — Sicherheit zuerst

Die Waldbesitzer sollten trotz der immensen Schäden Ruhe bewahren. Foto: Andrea Vollmert

Forstamt Olpe warnt vor Panikverkäufen

Olpe. (harpo)

"Kyrill" hat deutliche Spuren in unseren Wäldern hinterlassen. Die größte Naturkatastrophe, die den Kreis Olpe bisher heimgesucht hat, sollte aber nicht zu Panik — vor allem bei den Waldbesitzern — führen.

So der Tenor des Forstamtes Olpe, dessen Leiter, Forstdirektor Joachim Zacharias, am Montag vor der Presse zu Ruhe und Besonnenheit mahnte. "Erst einmal müssen wir ,Klar SchiffŒ machen, schauen, was wirklich passiert ist", erklärten Zacharias und Forstrat Fritz-Ewald Klocke, in Olpe für den Holzverkauf verantwortlich.

Bisher steht fest, dass der Orkan einen Schaden von 1,5 Millionen Festmetern in Lennestadt, Kirchhundem, Olpe, Wenden und Drolshagen anrichtete. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Vermarktungsrate des Forstamts Olpe liegt bei 180.000 bis 200.000 Festmetern im Jahr. Dennoch: "Wir haben kein Markt-, sondern ein Logistikproblem", so Joachim Zacharias. Waldbesitzer sollten ihr Holz nicht unter Wert an dubiose Händler verkaufen, die zurzeit offenbar mit Offerten hausieren gingen. Mit regionalen Sägewerkern wurde ein Verkaufspreis für Fichtenstammholz ab Stärkeklasse 2b von 75 Euro ausgehandelt, 300.000 Festmeter werden laut Zacharias von ihnen abgenommen, eine weitere große Menge vermutlich von Stora Enso in Hagen. Ferner bestehen Kontakte in benachbarte Bundesländer, nach Belgien und Frankreich. Zur Vermarktung sollten die Waldbesitzer aber unbedingt Kontakt zum örtliche Förster aufnehmen: "Wir können nur Holz verwerten, das in Zusammenarbeit mit dem Forstamt aufgearbeitet wurde", sagte Fritz-Ewald Klocke.

Lagerplätze werden

eingerichtet

Zacharias und Klocke warnten noch einmal vor unbedachten Arbeiten im Wald: "Sicherheit muss unbedingten Vorrang haben." In diesem Zusammenhang verwiesen sie auf das Jahr 2000, als allein in Süddeutschland 15 Menschen bei der Aufarbeitung des Holzes ums Leben kamen. "Die Aufarbeitung ist in erster Linie Maschinenarbeit. Bis zum Wochenende werden 15 Harvester im Einsatz sein." Zurzeit werden noch Verhandlungen mit den österreichischen Bundesforsten geführt, die mit bis zu fünf Harvestern nach Olpe kommen wollen. Handarbeit komme nur an Stellen in Frage, an denen Maschineneinsatz unpraktikabel sei.

Es gehe nun darum, das Holz schnell aus den Wäldern zu bekommen, um Borkenkäferbefall zu verhindern. Natürlich können die immensen Holzmengen nicht allein 2007 vermarktet werden, mit Hochdruck wird daher nach Lagerplätzen gesucht. Die 1990 nach "Wiebke" eingerichteten Nassholzlagerplätze — unter anderem bei Varste — mit einer Kapazität von 100.000 Festmetern werden wieder in Betrieb genommen, Grundbesitzer, die weitere Lagerkapazitäten anbieten können, sollten sich mit dem Forstamt Olpe in Verbindung setzen.

Zacharias hatte beim Besuch von Umweltminister Uhlenberg am Samstag in Oedingen (der SAUERLANDKURIER berichtete in seiner Sonntagsausgabe) Vorstaubecken der Biggetalsperre als Lagerplätze ins Gespräch gebracht. An einer Beeinträchtigung der Wassergüte durch ausfließende Gerbsäuren, so Zacharias, werde ein solches Projekt nicht scheitern, Probleme bereite die Sicherheit: "Katastrophentouristen" könnten nicht ausgeschlossen werden.

"Kyrill" lässt aber auch unbürokratisches und gutnachbarschaftliches Handeln entstehen. So hat die Stadt Drolshagen kurzfristig einen Förster eingestellt, und Waldbesitzer in der kleinsten Stadt des Kreises schließen sich zu Solidargemeinschaften zusammen, um Kosten und Nutzen aus der Schadensaufarbeitung zu teilen.

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