„Vereinsleben spielt wichtige Rolle“

Saßmicker Schützen feiern mit zwei neue Regenten

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Die neuen Majestäten in Saßmicke: Königspaar Fabian und Klaudia Tichy und Jungschützenkönigspaar Simon Weber und Marielle Mudra.

Saßmicke – Kontrastreich war es, das Schützenfestwochenende in Saßmicke. Zum einen nahmen zum ersten Mal auch Frauen am Vogelschießen teil. Zum anderen erwies sich das Vogelvieh beim Königsschießen hartnäckiger als bei den Jungschützen: Während Simon Weber mit dem 35. Schuss für die erste Kompanie der Jungschützen die Würde holen konnte, mussten beim neuen König Fabian Tichy 112 Schüsse ran. Als neue Regentinnen dürfen Jungschützenkönigin Marielle Mudra und Schützenkönigin Klaudia Tichy das Diadem tragen.

Ein Erneuerungsjahr stand für die Saßmicker Schützen an: Nicht nur, dass der traditionelle Termin aus dem August vorverlegt wurde. Auch durften die Frauen ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. „Ich würde sagen, mit dem 70. Geburtstag des Grundgesetzes ist es einfach zeitgemäß, dass nun auch Frauen ans Gewehr dürfen. Natürlich dürfen sie sich dabei nicht die Kirschen herauspicken: Wer schießt, muss auch Verantwortung im Verein übernehmen“, wie Königin Klaudia Tichy erklärte. 

Stolz trug sie dabei die dunkelgrüne Schützenkappe und ein weißes Hemd, die Uniform der zweiten Korporalschaft. Sie selbst schoss dem dunkelbraunen Holzvogel den rechten Flügel zielgenau ab. Als erste Frau schoss jedoch die bis dato amtierende Königin Judith Häner. Wer danach den bunt gepunkteten Aar zu Fall bringen würde, war lange nicht klar: In einem spannenden Wettkampf schossen Sven Kappestein, Lars „Bolli“ Bollmeyer, Stefan „Gummi“ Gummersbach und Svenja Kantzos als erste weibliche Anwärterin um den Königstitel. 

Nach Anfeuerungsrufen, Drohungen, das Vogelvieh mit einem Stein zum Absturz zu zwingen, und Munitionsproblematiken durch das heiß gelaufene Gewehr war der Jubel groß: Mit dem 112. Schuss ging es dem letzten Kopfstückchen des Holzvogels an den Kragen. Der Sieger des Tages war der 24-jährige Fabian Tichy, der bei bester Stimmung mit seiner Frau an der Theke gefeiert wurde. Der neue Regent arbeitet als Konstruktionsmechaniker und wird im nächsten Jahr den Schützenvorstand des St.-Johannes Schützenvereins Saßmicke übernehmen. Wenn er nicht gerade Vögel runterholt, holt er in seiner Freizeit am liebsten Fische mit der Angel aus dem Wasser hoch. 

Jubel mit 35. Schuss

Die drei Jahre ältere Königin Klaudia ist als Gewerkschaftssekretärin bei IG Metall Olpe tätig. Über das Schützenfest in Saßmicke kann sie nur positiv berichten: „Mein Mann und ich kommen eigentlich aus dem Dortmunder Raum und sind dort mit Schützenfesten groß geworden. Als wir aber vor zwei Jahren hier ins Dorf gezogen sind, wurden wir unglaublich herzlich empfangen. Deswegen spielt das Vereinsleben für uns eine unheimlich wichtige Rolle.“ Neben dem Verein setzt sie sich in politischen Ehrenämtern vor allem gegen Rechtsradikalismus ein. 

In 30 Minuten wurde zuvor dem Jungschützen-Vogel von Simon Weber knallend der Geraus gemacht. Mit Ausnahme des Kopfes traf Simon Weber beim 35. Schuss präzise den Vogelfang und holte den ganzen Vogel direkt herunter: „Ich hätte nicht gedacht, dass der jetzt gefallen wäre“, sagte der glückliche Regent später. Hier war der spätere König Tichy der einzige Mitbewerber. 

Schützenfest in Saßmicke

Der Jungschützenkönig zielt in seiner Freizeit neben dem Kugelfang auf das Fußballtor im VfR Rüblinghausen. Seine Freundin und Jungschützenkönigin, Marielle Mudra, hat dieses Jahr zusammen mit ihm das Abitur abgeschlossen. Beide sind 18 Jahre alt. Nach einer Proklamation bei Sonnenwetter ließen die Saßmicker Schützen ihre Feierlaune im Open-End-Schoppen ausklingen. Musikalisch wurde das Treiben unter der Vogelstange vom Musikverein Heinsberg begleitet.

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