Erster „Gesprächskreis Integration“ der Kreisstadt Olpe

„Schritt in die Gesellschaft“

Polizeidirektor Diethard Jungermann zog eine positive Bilanz: Bislang musste die Polizei erst fünf Mal zur Notunterkunft ausrücken. Foto: Vivienne Tittelbach

Die aktuelle Entwicklung im „Regenbogenland“ und die weitere Integration von Flüchtlingen in Olpe waren die Themen eines runden Tisches am vergangenen Dienstag.

Die Kreisstadt lud alle Akteure und Beteiligte im Bereich Integration, sowie alle Interessierten zum ersten Treffen des neuen „Gesprächsforums Integration“ ein.

Neben einem Überblick über die aktuelle Situation gab es konkrete Vorschläge für eine weitere Integration der Flüchtlinge ins Olper Stadtleben – sowohl für die in der Notunterkunft untergebrachten Menschen, als auch für die in den Wohnheimen im Lütringhauser und Stachelauer Weg sowie „In der Trift“.

Den Abend moderierte Jochen Voss, Leiter der VHS Olpe. In den Integrationskursen an der VHS treffe er immer wieder Menschen, die Sprache und Kultur kennen lernen wollen: „Was können wir als Bürger für die Bürger bewegen?“ stellte er der Diskussion voran.

Torsten Tillmann vom DRK-Kreisverband Olpe berichtete: „Wir haben vom Land den Auftrag, eine Unterkunft für 350 Flüchtlinge im Regenbogenland zu schaffen. Derzeit haben wir eine Kapazität von 250 Betten erreicht, die im Laufe der nächsten Wochen auf die erforderlichen 350 erhöht werden soll.“

186 Menschen – 16 Nationen

Bisher sind dort 186 Personen aus 16 verschiedenen Nationen untergebracht, darunter 52 Kinder (Stand Dienstag). Tillmann berichtete, dass ihn über 650 E-Mails erreicht haben, in denen Freiwillige ihre Hilfe anboten. Bisher konnte allerdings leider noch nicht alles beantwortet werden. Es sind zurzeit bereits rund 500 ehrenamtliche Helfer vor Ort im Einsatz – weitere Hilfe werde aber nach wie vor benötigt. Das rein ehrenamtliche Engagement des DRK werde nun langsam zurückgefahren. Gleichzeitig werden Hauptamtliche die Arbeit übernehmen. „Dies ist ein wichtiger Punkt: Die Notunterkunft bleibt vermutlich mindestens bis Ende 2016 bestehen“, schloss sich Bürgermeister Horst Müller an. Reiner Löcker, von der Bürgerinitiative „Humanitäre Flüchtlingspolitik in Olpe“, sprach sich erneut deutlich gegen die Massenunterkunft und für eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge aus (der SauerlandKurier berichtete). Hierfür sollte das gesamte Olper Stadtgebiet mit einbezogen werden. Die Bürgerinitiative zählt zurzeit etwa 250 Mitglieder.

Polizeidirektor Diethard Jungermann: „Aus Sicht der Polizei läuft es im Regenbogenland außerordentlich gut. Die Streifen wurden intensiviert und auch der Schichtplan geändert, aber insgesamt haben wir bisher nur fünf Straftaten zu verzeichnen: zwei Ladendiebstähle, zwei Sachbeschädigungen und einen Schwarzfahrer.“ Jungermann lobte die Arbeit der vielen Freiwilligen, vor allem die der Dolmetscher, die auch den Polizisten die Arbeit sehr erleichterten.

Strukturierung des Tagesablaufes

Daniel Baethcke von der Offenen Tür in Olpe hatte außerdem ganz konkrete Hilfsangebote im Gepäck: „Natürlich können unsere vorhandenen Angebote im Jugendbereich genutzt werden“. Außerdem plane man, Sport- und Sprachkurse im Regenbogenland anzubieten, denn eines der Hauptprobleme neben der Sprachbarriere sei die Langeweile. „Aus dieser entstehen häufig Konflikte“, so Baethcke weiter. Daher sei auch eine Strukturierung des Tagesablaufs sinnvoll.

Außerdem ging es an diesem Abend um die 130 Flüchtlinge, die in Wohnheimen und Containern im Stachelauer und Lütringhauser Weg, sowie In der Trift untergebracht sind. Sie kommen aus insgesamt 27 verschiedenen Herkunftsländern. „Hier sind verstärkte Integrationsbemühungen möglich und nötig“, erklärte Thomas Bär, erster Beigeordneter der Stadt Olpe. Zum Beispiel sei die Hausaufgabenhilfe für die schulpflichtigen Kinder ein wichtiges Thema.

Außerdem könnten die Flüchtlinge aufgrund des geänderten Asylrechts nun schneller ins Arbeitsleben integriert werden – „ein wichtiger Schritt in die Gesellschaft“, so Bär. Dazu müssten geeignete Arbeitsmöglichkeiten ausfindig gemacht werden. Auch Sportvereine könnten zu einer gelungenen Integration beitragen.

Marie-Luise Hesse, seit 2010 Vorsitzende der Caritas St. Marien, schloss an: „Die Wohnsituation ist wirklich kritisch: Zum einen leben häufig mehr als zwei Personen auf nur 15 Quadratmetern zusammen, zum anderen findet man dort Schimmel, viele Heizungen und Türen sind kaputt. Außerdem müssten eigentlich reichlich Möbel entsorgt werden.“ Sie führte an, dass es sinnvoll sei, einen hauptamtlichen Hausmeister einzustellen: „Die jungen Menschen, die durch den Bundesfreiwilligendienst zur Verfügung stehen, sind mit den anfallenden Aufgaben häufig einfach überfordert.“

Monatliche Sitzungen des Gesprächskreises

Wichtig seien außerdem regelmäßige Besuche: „Die Flüchtlinge freuen sich immer sehr, wenn sich jemand für ihre Probleme interessiert. Außerdem brauchen sie Hilfe um zu verstehen, was in der an sie adressierten Post steht.“

Vor sechs Jahren begann man Sprachunterricht einzuführen, der mittlerweile vom IN VIA Bildungswerk unterstützt wird. Hesse betonte, dass sich in den Häusern „durchgehend intelligente, wache Menschen befinden, die gerne lernen wollen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Sozialamt laufe ebenfalls gut.

Der Vorschlag, die Häuser auf Vordermann zu bringen stieß auf große Zustimmung: Das CJD bot an, die Hilfen voranzutreiben und zu sichten, welche Arbeiten im Detail vorgenommen werden müssen. In der nächsten Sitzung am Dienstag, 24. März, werden die vielen Themen arbeitsteilig angegangen. Die Treffen sollen dann monatlich angesetzt werden: Weitere Termine sind der 14. April, der 12. Juni und der 9. Juli. Alle Interessierten sind jederzeit zu diesen eingeladen. Das Lorenz-Jaeger-Haus stellt weiterhin die Räumlichkeiten zur Verfügung. Wer ansonsten gerne seine Hilfe anbieten möchte, kann sich hier melden:

Für die Notunterkunft im Regenbogenland per Mail an: info@kv-olpe.drk.de

Für die Unterkünfte der Stadt in den Pfarrbüros St. Marien (% 02761/61844) oder St. Martinus (% 02761 2375). (Von Vivienne Tittelbach)

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