Stadtmauer wird Bühne

Mit viel Spaß und Begeisterung probt die Theater-AG mit Lehrer Herbert Loose 'Das zweite Gesicht', das am 1. Juli 'Open Air' aufgeführt wird. Foto: Corinna Schwegel

"Das zweite Gesicht", ein 60 Jahre altes Theaterstück, geschrieben vom Olper Ernst Beran und 1951 auch in Olpe uraufgeführt, erlebt im Zeichen von "Olpe 700" sein Comeback. Die Theater-AG des Städtischen Gymnasiums Olpe probt bereits seit letztem Sommer mit etwa 35 Darstellern der Stufen 9 bis 13 und ehemaligen Schülern das Schauspiel, das der Deutsch- und Musiklehrer Herbert Loose überarbeitet und neu inszeniert hat.

Auf den ersten Blick scheint es ein geschichtliches Stück zu sein; Hexenverfolgung und Stadtbrand werden thematisiert. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Schauspiel allerdings als zeitlos-modernes Drama. Unverstandene Liebe, Narzissmus, Verblendung und Lügen sind immer noch ebenso aktuell wie um 1600.

Beran, der auch die Olper Stadtbücherei aufbaute, geht mit den Bürgern und den Politikern seiner Stadt hart ins Gericht. Dabei interpretiert er jedoch mit einer solch dichterischen Freiheit, dass das Stück im Jahr 1951 trotz seiner offenen Kritik ein voller Erfolg war. "Nach dem Krieg waren alle ausgehungert nach Kultur und freuten sich über jede Art der Unterhaltung", erklärt Herbert Loose den damaligen Erfolg des Heimatstücks. Die Hauptfiguren in "Das zweite Gesicht" sind Ratsherr Martin Rügge, der den Stadtbrand vorausahnt, seine Tochter Elisabeth und ihre große Liebe Heinrich, dessen Mutter der Hexerei bezichtigt wird. Dazu gibt es noch einen selbstverliebten Bürgermeister, der über Ungerechtigkeiten seiner selbst Willen hinweg sieht.

Gegenwartsbezüge fließen ein

"Ich versuche, das Stück tagesaktuell zu halten. Die Schüler bringen ihre eigenen Ideen bei der Umsetzung ein. So haben wir auf Grundlage des schon sehr frei interpretierten Theaters von Ernst Beran quasi ein eigenes Stück um das alte drum herum geschrieben", erläutert Loose seine Vorgehensweise. Die Szenen werden zudem kommentiert.

Die Bühne wird jedoch nicht klassisch in einer Halle oder Saal aufgebaut, sondern als Bühne dient eine Fläche im Bereich St.-Martinuskirche an der Stadtmauer. "Die Inszenierungen am 1. und 2. Juli werden spektakulär, daher ist dieser Platz als Bezug zur Stadtgeschichte hervorragend für uns geeignet", schwärmt der Lehrer weiter von dem Bemühen seiner "Eleven", den Olpern im Jubiläumsjahr etwas ganz Besonderes zu bieten. Bei den Proben wird bereits deutlich, dass ihnen dies gelingen wird. Enthusiastisch spielen sie die Figuren, lernen seitenlange Texte auswendig und lassen die Konflikte der damaligen Zeit lebendig werden.

Herbert Loose: "Es muss sicher noch viel geprobt werden, aber ich mache mir keine Sorgen, dass unsere Aufführung kein ebenso voller Erfolg wie vor 60 Jahren wird."

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