Im weißen Kittel auf die Bühne

Svenja Kantzos singt im Finale von „Revoice of Pharmacy“

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Gute Laune beim „Musizieren“: Das Team der Olper Martinus-Apotheke unterstützt Svenja Kantzos (2.v.l.) bei dem Wettbewerb.

Olpe – Arzneimittel herstellen und abpacken, Labortests und Qualitätskontrolle sowie Beratung von Patienten: Die Aufgaben einer Pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA) sind vielfältig. Und Singen gehört eigentlich nicht zu ihren Tätigkeiten im Berufsalltag. Die 35-jährige PTA Svenja Kantzos aus Rüblinghausen verbindet jetzt aber genau das: Beruf und Gesang.

„Ich bin kein Mensch, der vor Leuten singt. Ich singe beim Staubsaugen. Ich singe gerne, aber ich singe nur für mich“, erklärt sie im Gespräch mit dem SauerlandKurier. Dass sie in rund drei Wochen vor fremden Menschen – vor Musikexperten – singt, hat sie unter anderem auch ihren Kollegen aus der Olper Martinus-Apotheke zu verdanken. „Revoice of Pharmacy“ heißt der Gesangswettbewerb, bei dem deutschlandweit die besten Stimmen der Apotheker, Apothekerinnen, PTA, PKA sowie Pharmaziestudierenden und Auszubildenden gesucht werden. 

„Mein Chef und meine Kollegen wissen, dass ich gerne singe. Sie haben mir schon vor einiger Zeit vorgeschlagen, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Damals war ich zu spät für die Anmeldung und danach habe ich es einfach vergessen“, erzählt sie lachend. Die Bewerbungsfrist lief bis Ende Juni. Quasi „auf den letzten Drücker“ hat die 35-Jährige noch schnell den Song „Shallow“ von Bradley Cooper und Lady Gaga aus dem Film „A Star is born“ per Karaoke-App eingeschickt. 

Eine Jury wählte aus allen Bewerbungen schließlich die fünf Finalisten aus. Sie erwartet Anfang Oktober ein dreitägiges Vocal-Coaching mit Nik Hafemann, Musikmanager und ehemaliger Head of Music von „The Voice of Germany“, und seinem Vocal-Coaching-Team in den Hansa-Studios in Berlin. 

Vorbereitung per Video-Anruf

Einer dieser Finalisten ist Svenja Kantzos. Der Anruf kam Mitte August: „Ich konnte das gar nicht glauben. Das war so unwahrscheinlich. Ich bin im Finale, obwohl ich mich nicht richtig beworben habe. Eigentlich sollte man sich in einem Video zuerst vorstellen und dann zwei Lieder singen“, so Svenja Kantzos. Aber: „Meine Stimme hat Nik Hafemann so sehr gefallen, dass er mich unbedingt dabei haben wollte.“ Neben der ehemaligen Schützenkönigin von Rüblinghausen stehen auch noch drei weitere Frauen und ein Mann im Finale – „Und die haben alle viel mehr Erfahrung als ich – die singen alle in einer Band.“ 

Unterstützt wird sie von Kollegen und der gesamten Familie. „Mein Mann hat mich noch nie singen hören. Aber er weiß, dass es mir gut tut.“ Schließlich schenkte er ihr zu Weihnachten einen achtstündigen Stimmbildungskurs in der Musikschule. Auch ihre zwei Söhne (9 und 11 Jahre alt) seien sehr musikalisch. Ihr Vater begleitet sie in die Hauptstadt: „Mein Papa will unbedingt mit, der ist so stolz.“ Seit dem Anruf ist einiges passiert: Per Video-Anruf bereitet sie sich gemeinsam mit Nik Hafemann auf den Workshop in Berlin vor. „Ich bekomme per Mail Links mit Liedern und Texten zugeschickt. Die soll ich dann üben und ihm vorsingen. Er will das Beste aus mir rausholen. Er sagt, ich singe in zwei verschiedenen Techniken: Musical und Soul.“ Für die 35-Jährige ist das Finale ein großer Schritt. 

Doch bereits jetzt hat sich etwas für Svenja Kantzos geändert. Sie will freiwillig vor fremden Menschen singen: „Meine Freundin singt regelmäßig bei Hochzeiten. Sie sagt immer, ich soll mitsingen – unsere Stimmen klingen auch wirklich gut zusammen. Ich kann mir vorstellen, dass ich nach dem Finale doch mal mit ihr zusammen auftrete.“

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