Ein Lächeln für Menschen mit Behinderung

„Überwältigendes Ergebnis“: Berufskolleg Olpe spendet 15.000 Euro an Verein „Utho Ngathi“

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Die Verantwortlichen von „Utho Ngathi“ waren jetzt im Forum des BKO zu Gast, um den Verein vorzustellen. Dabei erhielten sie den symbolischen Spendenscheck.

Olpe – Nur 500 Meter vom Olympiastadion in Johannesburg, dem Austragungsort des Fußball-WM-Finales 2010, liegt Tumelo im Dreck. Der 23-Jährige ist schwerbehindert. Hier, im südafrikanischen Soweto, weiß niemand, wie er mit ihm umgehen soll. Doch Hilfe kommt aus Deutschland. Denn Andreas Wörster, Physiotherapeut aus Weidenau, hat es sich seit 29 Jahren zur Aufgabe gemacht, sich um behinderte Menschen im südlichen Afrika zu kümmern, ihr Leben, ihre Teilhabe zu verbessern. Daher hat er den Verein „Utho Ngathi: Wir sind wertvoll füreinander“ gegründet. Aber Hilfe kommt auch aus dem Kreis Olpe. Das Berufskolleg Olpe (BKO) spendet den Erlös seiner Sozialaktion – satte 15.000 Euro – an Wörsters Verein.

Andreas Wörster ist 25 Jahre alt, als er zum ersten Mal nach Soweto kommt. Die Apartheid, die strikte Trennung der weißen und schwarzen Bevölkerung, die Ausgrenzung und Schikane von Schwarzen, ist noch präsent. „Ich habe gesehen, wie Schwarze auf der Straße einfach erschossen wurden. Das Schlimmste war, zu sehen, wie ein Mensch bei lebendigem Leib verbrannt wurde“, erinnert sich Wörster. Er fängt an, als Physiotherapeut in Soweto, einem Township mit vielen Elendsvierteln, zu arbeiten. Und er beginnt, sein Leben den Menschen mit Behinderungen in der Region zu widmen. 

1999 lernt er Masauso Phiri aus Sambia kennen. Gemeinsam gründen sie den Verein „Utho Ngathi“. Das Ziel: Menschen mit Behinderungen, die in den ländlichen Gebieten des südlichen Afrikas oft isoliert und benachteiligt sind, zu helfen. Ihnen ein Lebensumfeld zu geben, dass eine Integration in das tägliche Leben ermöglicht. „Die Menschen mit Behinderung leben gemeinsam mit ihren Familien in neun Quadratmeter großen Blechhütten. Sie liegen den ganzen Tag auf dem Boden. Nicht, weil sie nicht geliebt werden. Sondern weil niemand weiß, wie er mit ihnen umgehen soll“, so Wörster.

„Die Hilfe kommt von Herzen“

Da setzt der Verein an. Wörster und Phiri besorgen Rollstühle, Hilfsmaterial. Sie bauen ein Internat, in dem zwölf Kinder mit Behinderungen leben. Diese haben zum ersten Mal ein Bett, ein Kopfkissen, eine Bettdecke. Sie können durch das Internat gemeinsam mit 650 Kindern ohne Behinderung die Schule besuchen. Teilhabe, Barrierefreiheit – das alles war für die Menschen dort zuvor ein Fremdwort: „Dort, wo Kinder mit Behinderungen sterben, weil Ärzte nicht bereit sind, an Ostern zu operieren, ist es mit der Teilhabe erst recht nicht weit her“, sagt Wörster der in diesem Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. „Die Hilfe für die Menschen mit Behinderung kommt von Herzen. Sie ist aber auch zu einer Verantwortung geworden. Die Arbeit unserer kleinen Organisation ist sehr wichtig“, sagt Masauso Phiri. Allerdings ist der Verein auf Spenden angewiesen.

15.000 Euro erhält „Utho Ngathi“ jetzt vom Berufskolleg Olpe. Der Betrag ist der Erlös der Sozialaktion 2019. Dabei hatten sich die Schüler und Lehrer, nachdem sie vom Verein gehört hatten, an den drei Standorten eine Menge einfallen lassen: „Einige verkauften in den Pausen frische Waffeln, Hot Dogs und Crêpes, andere selbstgebackene Muffins und Kuchen sowie Eis“, berichtet BKO-Lehrer Hubertus Ohm-Bender von der Arbeitsgruppe „Sozialprojekt“. Es gab Spardosen, Pfandsammelaktionen und eine große Tombola. „Der Löwenanteil an Spenden kam aber bei der Sponsorenwanderung zusammen“, so Ohm-Bender.

„Über den eigenen Tellerrand schauen“

Was ihn freut: „Es ist deutlich geworden, dass wir sehr viele Schüler haben, denen es nicht nur um eine qualifizierte Berufsausbildung geht, sondern die auch über den eigenen Tellerrand schauen und sich für andere Menschen einsetzen.“ Und Schulleiter Bernard Schmidt geht noch weiter: „Die Gesellschaft braucht keine egoistischen Fachidioten, die nur ihre Gewinnmaximierung im Sinn haben. Wir brauchen Menschen, die ihre soziale Verantwortung im Blick haben, ihre Augen nicht vor der Not in der Welt verschließen und sich für andere einsetzen.“ Die 15.000 Euro seien ein „überwältigendes Ergebnis.“

Mit der Spende wird ein therapeutischer und inklusiver Spielplatz auf dem Gelände des Utho-Ngathi-Internats in Sambia erreichtet. „Der Spielplatz wird einiges verändern. Die Kinder mit Behinderung können mit den anderen Kindern spielen.“ Rendani Nthangeni aus Südafrika, neu bei „Utho Ngathi“, freut sich über das Engagement der BKO-Schüler: „Es tut gut, dass uns so viele Menschen unterstützen. Das gibt uns die Stärke, weiterzuarbeiten.“ Und so schenken sie Menschen wie Tumelo ein Lachen. Er hat mittlerweile einen Rollstuhl. „Er lächelt immer, weil er weiß, dass es im Leben jetzt um ihn geht. Dass er nicht mehr isoliert ist“, so Wörster.

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