Zahl der Verkehrstoten verdoppelt

Verkehrsunfallbilanz: Geschwindigkeit weiter Unfallursache Nummer eins im Kreis

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Frank Beckehoff, Diethard Jungermann, Marcus Zeppenfeld und Frank Buchholz (v.l.) stellten die Zahlen vor. 

Kreis Olpe. Sechs Menschen sind im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen im Kreis Olpe gestorben – doppelt so viele wie im Jahr 2017. Das geht aus der Verkehrsunfallbilanz hervor, die die Kreispolizeibehörde am Mittwoch vorgestellt hat. Und demnach ist die Geschwindigkeit immer noch Unfallursache Nummer eins auf den Straßen im Kreis.

„Jeder im Straßenverkehr Verunglückte ist einer zu viel“, sagte Landrat Frank Beckehoff angesichts der aktuellen Zahlen. Die Zahl der bei Verkehrsunfällen im Kreis Olpe Getöteten sei zwar „auf einem niedrigen Stand“, habe sich aber im Vergleich zu 2017 trotzdem verdoppelt. „Die Zahlen spiegeln die Realität im Straßenverkehr wider. Aber hinter den Zahlen stecken Menschen. Und wir sehen das Leid hinter diesen Zahlen“, so Beckehoff. Daher sei es erklärtes Ziel der Polizei, die Sicherheit im Straßenverkehr weiter zu erhöhen und Maßnahmen zu ergreifen, um Unfälle zu verhindern. Das soll vor allem durch Prävention, Überwachung und konsequente Ahndung geschehen.

Auch die Motorradfahrer hat die Polizei im Visier: „Deren Anteil an schweren Unfällen ist zu hoch“, erklärte der Landrat. Daher ist das „Netzwerk Krad“ in diesem Jahr wieder vier Mal im Einsatz.

Die jungen Autofahrer sollen weiter durch Aktionen wie die Verkehrssicherheitstage „Komm zurück!“ sensibilisiert werden. In dem Zusammenhang lobte Beckehoff die „gute Zusammenarbeit mit der Kreisverkehrswacht und dem Verkehrssicherheitszentrum“: „Sie sind langjährige und verlässliche Partner in der Unfallprävention.“

4676 Unfälle registriert

Polizeihauptkommissar Marcus Zeppenfeld von der Direktion Verkehr stellte die Zahlen für den Kreis Olpe vor: Die Zahl der registrierten Verkehrsunfälle ist von 4631 auf 4676 (+ 1 Prozent) gestiegen. Es gab 396 Verkehrsunfälle mit Personenschaden (+2 Prozent) und 3381 Unfälle mit Sachschaden (+5,7 Prozent). Bei den Unfällen mit Personenschaden macht Geschwindigkeit die Hauptursache aus (76 Fälle), gefolgt von Abstand (65) und Vorfahrt/Vorrang (56).

17 Prozent aller gemeldeten Unfälle sind Wildunfälle. Dabei gibt es einen Anstieg von 789 auf 801.

533 Personen sind bei Verkehrsunfällen verunglückt (+4,9 Prozent) – darunter sind auch die sechs Toten. Marcus Zeppenfeld erinnerte an diese sechs Unfälle:

  • Eine Pkw-Fahrerin war am 3. Februar 2018 auf der K27 in in Kirchhundem in den Gegenverkehr geraten, laut Zeppenfeld stand sie unter Alkoholeinfluss;
  • Ein 17-jähriger Beifahrer starb am 17. April in Halberbracht, als das Auto aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit in den Gegenverkehr geriet;
  • Aufgrund eines internistischen Notfalls starb ein 78-jähriger Pkw-Fahrer am 11. Juni bei einem Alleinunfall auf der K 36 in Berlinghausen;
  • Bei einem Alleinunfall aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit starb ein 27-jähriger Kradfahrer am 1. Juli auf der K10 in Thieringhausen;
  • Ein 79-jähriger Rollerfahrer starb am 7. August in Windhausen bei einem Alleinunfall wegen eines internistischen Notfalls;
  • Auf der Kölner Straße/Johannesstraße in Grevenbrück wurde ein 62-jähriger Fußgänger am 30. November von einem Auto erfasst.

Außerdem gab es im vergangenen Jahr 106 Schwerverletzte (+0,9 Prozent) und 421 Leichtverletzte (+5,2 Prozent). Ein leidiges Thema sind auch wieder die Unfallfluchten, auch wenn sich die Zahl um 1,2 Prozent von 843 auf 833 gesunken ist. 43,58 Prozent davon konnten aufgeklärt werden.

40.671 Strafen verhängt

Einen großen Raum in der Statistik nehmen die Zweiräder ein: Insgesamt stehen 53 Unfälle mit Motorrädern zu Buche, in 39 davon waren die Motorradfahrer die Verursacher, 32 dieser Fahrer waren kamen nicht aus dem Kreis Olpe. 17 der 39 Verursacher waren Wiedereinsteiger über 40 Jahren. 30 der 53 Unfälle ereigneten sich an einem Samstag oder Sonntag. Zudem gab es 52 Unfälle mit Fahrrädern und 13 mit Pedelecs. Das Durchschnittsalter der verunfallten Pedelec-Fahrer lag bei 50 Jahren.

Apropos Alter: 32 Kinder sind im vergangenen Jahr verunglückt – 2017 waren es 36. Die Zahl der verunglückten Senioren über 65 ist von 40 auf 47 gestiegen. Die „jungen Erwachsenen“ zwischen 18 und 24 Jahren haben insgesamt 18,2 Prozent aller Unfälle verursacht und sogar 24 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden. 112 Personen aus dieser Altersgruppe sind verunglückt. (2017: 119). Bei neun Verkehrsunfällen war ein 17-jähriger Fahranfänger der Verursacher. 867 von 1639 Führerscheinen wurden für „begleitendes Fahren“ ausgestellt.

Insgesamt hat die Polizei 40.671 Strafen im Straßenverkehr verhängt (2017: 35.101), satte 31.534 davon im Bereich Geschwindigkeit. Handynutzung am Steuer wurde 1314 Mal bestraft. „Wenn Sie bei Tempo 50 ihr Handy nur drei Sekunden in der Hand halten, sind Sie 45 Meter im ,Blindflug’ unterwegs“, mahnte Marcus Zeppenfeld. Trotzdem gab es laut Polizeichef Diethart Jungermann bei den schweren Unfällen, bei denen die Polizei die Ursache kontrolliert hat, „keine Belege für eine Handynutzung am Stauer.“

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