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„Vorwort zu einem Buch“

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Die neue EP ist in Kreuztal entstanden und heißt passenderweise „Crossvalley“.  Cover: Jonathan Sterz
Die neue EP ist in Kreuztal entstanden und heißt passenderweise „Crossvalley“. Cover: Jonathan Sterz

Mit einer Tasse Kaffee lässt es sich bekanntlich besser quatschen.

In einer gemütlichen Ecke im Olper „Klumpen“ erzählen „Abel & Cain“ – das sind Christian Blöcher und Marek Noël – von ihrer Karriere, der neuen EP „Crossvalley“, ihrer Deutschlandtour als Vorband von „We invented Paris“, woher sie sich eigentlich kennen – und der Philosophie hinter „Abel & Cain“.

Christian wartet schon, Marek kommt eine Viertelstunde zu spät: „Sorry, Stau auf der Zoobrücke“, so der Wahlkölner. „Eigentlich sind wir wie Tag und Nacht, Yin und Yang, Hell und Dunkel“, erzählt Marek. „Stadt- und Landkind“ ergänzt Chris schmunzelnd. Daher kommt ihr Bandname „Abel & Cain“ – es sind die Unterschiede, die zusammenschweißen. Der gemeinsame Nenner ist die Musik.

Während Marek in Köln hauptsächlich von Musik lebt, wohnt Chris in Kreuztal, hat einen bodenständigen Job – obwohl auch er mittlerweile nichts als Musik machen könnte. Kennengelernt haben sich die beiden vor über zehn Jahren im Ratinger Musikladen „Spieker und Pulch“. Ein Laden in dem in den 80er Jahren jeder sein Musikequipment kaufte – von BAP bis Joe Cocker. „Hier hing ein Zettel an der Pinnwand, einfach aus einem Spiralblock gerissen“, erzählt Marek weiter. „Suche Gitarristen zwecks Bandgründung“ stand da, von Christian, der gerade seine Ausbildung hier am Niederrhein begonnen hatte.

Die beiden trafen sich mit einem gemeinsamen Kumpel, und als Marek „A Rush of Blood to the Head“ von Coldplay bei Chris im CD-Regal sah, war klar: „Das passt.“ Man könne das nicht wirklich beschreiben, in einem schlummere Musik, das Grundgefühl müsse einfach stimmen, sagt Chris. Seither sind die beiden unterwegs, begannen im Kinderzimmer eines Kumpels zu proben und rocken bis heute eine Menge Bühnenmeter in ganz Deutschland.

Schlafen wird zur Nebensache

Ihre Musik: eine Mischung aus Britpop, Indie und Alternative – gitarrenlastig und echt. Das kann man auch auf „Crossvalley“ der neuen EP, hören. „Auf Englisch klingt sogar Kreuztal gut“, grinst Chris. In seinem heimischen Wohnzimmer haben Marek und er sich die Nächte im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren geschlagen.

„Unsere Songs entstehen nicht am Reißbrett, sind kein festes Gebilde, sie entwickeln sich.“ Stundenlang feilen die beiden an den Liedern, bis die „Mission“ erfüllt ist. „Es ist dann als ginge eine Tür auf und dort ist der Song“, so Marek. Schlafen wird zur Nebensache, die Erschöpfung kommt erst, wenn alles fertig ist.

Die vier Songs auf „Crossvalley“ sind ebenfalls „Nachtproduktionen“. Zusammen mit Produzent David Schwager – langjähriger Weggefährte von „Abel & Cain“ – wurden die Songs schließlich eingespielt, die man wohl am ehesten „hymnisch“ nennen kann. „Sie sind wie das Vorwort zu einem Buch“, so Chris.

Das Buch – das Album – wollen „Abel & Cain“ im Herbst und Winter fertig stellen. Als Support für „We invented Paris“, tourten sie im Frühjahr von Flensburg im hohen Norden bis Lindau am Bodensee. Absolutes Highlight: der Gig in der „Prinzenbar“ auf St. Pauli, Hamburg.

Veröffentlicht wurde bisher die Single „Left right hearted Man“, die allerdings schon vor zwei Jahren entstand. Erzählt wird hier die Geschichte eines Anti-Helden, eines Vaters, der es nicht schafft, seiner Rolle gerecht zu werden und darüber fast den Verstand verliert. Das ist nicht autobiografisch, sondern entstand aus der Faszination für „Hank Moody“, David Duchovnys Golden-Globe prämierte Rolle in der Serie „Californication“. Das dazugehörige Video drehten die beiden an der Lister – mit Chris Vater als Hauptdarsteller, der als Postbote in Wörmge seine einsamen Runden drehte. „Obwohl er echt noch nie vor der Kamera stand, hat er es geschafft, die Gefühle zu transportieren“, ist Chris stolz.

Die neue Single ist dank einer neuen PR-Agentur aus Berlin auf Rotation in über 30 Radiostationen in ganz Deutschland. Das Video ist außerdem heute auf „EinsFestival“ zu sehen.

Jetzt steht erst mal der Umzug in ein neues Studio an – von einem Keller in Schreibershof nach Meggen. Dann wollen die beiden die Herbststimmung im Sauerland nutzen – sogar Stadtkind Marek: „Damit die Tür wieder aufgeht und wir viele gute Songs schreiben können.“ (Von Miriam Hubmayer, m.hubmayer@sauerlandkurier.de)

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