"Walz" durch 24 Länder

Mitten im Schnee: Stefan Walter war in 24 Ländern und traf in Olpe nach dreieinhalb Jahren erstmals wieder Mutter Mechthild und Bruder Matthias. Foto: Miriam Brüser

Um 13 Uhr ist der Olper Busbahnhof, wie üblich um diese Zeit, dicht "bevölkert" mit Schülern, die auf ihre Busse warten. Schneebälle fliegen hin und her und alle sind froh, endlich schulfrei zu haben. Aber einer, der zieht sogar hier alle Blicke auf sich: Stefan Walter, ein Handwerksgeselle.

Der Klavierbauer aus Meschede ist seit drei Jahren und drei Monaten unterwegs, "auf der Walz". In der Zeit hat er 24 Länder bereist und unendlich viel erlebt. Traditionsgemäß in Gesellenkleidung, bestehend aus Jackett, Weste, weiter Schlaghose, hellem Hemd, Hut und Stock, der "Stenz" genannt wird, bepackt mit seinem Bündel, dem "Charlottenburger", in dem er seine Arbeitskleidung, Schlafsack und Werkzeug aufbewahrt, traf er seine Familie, die Stefan lange nicht mehr gesehen hat. "Als Geselle auf der Walz darf man nicht mehr als 50 Kilometer an seinen Heimatort heran", erläutert er das Brauchtum der Handwerker. "Also treffen wir uns ab und zu etwas entfernt. Die Grenze fängt in etwa 10 Kilometern an, da bot sich Olpe an."

Olpe "hart" an der Grenze für Stefan

Vor allem seine Mutter Mechthild freute sich, ihren "Jungen" wieder zu sehen — ganz besonders aber an diesem Tag: Stefan hatte nämlich Geburtstag und wurde 26 Jahre alt. "Wenn man die Wanderschaft beginnt, darf man nur fünf Euro mitnehmen, man muss mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs sein, und darf für Reise und Übernachtungen nichts bezahlen", beschreibt der Handwerker die Walz.

Unterwegs arbeitet der Klavierbauer für Essen und Unterkunft, sogar Flugtickets hat er sich so schon erarbeitet.

"Vor sechs Wochen war ich noch in Tel Aviv am Strand", sagt Stefan. Drei Tage nach Kriegsbeginn dort, ist er wieder abgereist. "Davon haben wir aber nichts mitbekommen." Stefan Walter ist ein "frei-reisender" Geselle, kann das "Schwarz" der Handwerker, die mit Holz arbeiten, und das "Blau" der Metallarbeiter tragen, schließlich arbeitet er als Klavierbauer mit beidem.

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