"Wir werden kämpfen"

Warnstreik der IG Metall bei ThyssenKrupp in Lütringhausen

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Der Warnstreik bei ThyssenKrupp in Lütringhausen bot aufgrund der Coronapandemie ein anderes Bild als üblich.

Lütringhausen – „Wir werden hier nicht sang- und klanglos untergehen – unser Arbeitgeber wird es bereuen den traditionsreichen Standort geschlossen zu haben“: Klare und emotionale Worte fand Betriebsratsvorsitzender von „ThyssenKrupp Federn und Stabilisatoren“ Ali Atasoy. Die IG Metall hatte zum Warnstreik wegen der Schließung des Standortes Olpe in Lütringhausen aufgerufen.

„Wir werden für das, was uns zusteht, kämpfen“, sagte Ali Atasoy, seit zwei Jahren Betriebsratsvorsitzender bei ThyssenKrupp zu seinen zahlreich erschienen Kollegen. 

Ende April machte der Arbeitgeber ThyssenKrupp die Schließung des Werkes in einer Pressemitteilung öffentlich. Dies war André Arenz, 1. Bevollmächtiger der IG Metall damals schon sauer aufgestoßen (wir berichteten): „Wir hätten uns gewünscht, dass der Arbeitgeber erstmal die Belegschaft informiert.“ 

Ali Atasoy nutzte die Gelegenheit, einige Fragen zu beantworten, die regelmäßig an ihn heran getragen würden: „Ganz klar: Der Betriebsrat wusste nichts von der Schließung – natürlich stand diese im Raum, aber wir haben bis zuletzt daran geglaubt, dass unser Standort gerettet werden kann.“ Die Schließung gehe ganz klar auf Management-Fehler zurück. Atasoy betonte, er habe gehört, dass viele Kunden unzufrieden seien. „Da gab es wohl einen Auftrag über 2 Millionen Vollstabilisatoren. Warum ist dieser Auftrag nicht an uns gegangen? Dann hätten wir keine Probleme mehr gehabt.“ Er glaube allerdings nicht daran, dass die Geschäftsführung die beschlossene Schließung rückgängig machen werde.

"Das geht auch uns an die Substanz" 

Derzeit liefen die Verhandlungen zum Sozialplan. „Wir haben gemeinsam mit der IG Metall und einem Anwalt einen Vorschlag , über das, was uns zusteht, ausgearbeitet“, so der Betriebsratsvorsitzende. „Der Arbeitgeber hat natürlich gesagt, dass unsere Forderungen zu hoch seien, aber wir generell gar nicht so weit auseinander liegen – was auch immer das heißen soll.“ Gleichzeitig appellierte er an seine Kollegen, dass Spekulationen unnötig seien: „Sobald etwas fest steht, werden wir euch darüber informieren. Das geht auch uns an die Substanz.“ 

Er selbst arbeite in der zweiten Generation hier, sein Herz hänge an Werk und Belegschaft. „Wir werden versuchen das Bestmögliche für euch zu erreichen. Wir werden es denen nicht leicht machen.“ 

Auch die Frage, warum es bisher noch keinen Arbeitskampf gegeben habe, wusste Atasoy zu beantworten: „Als der Schließungsbeschluss kam, war der Plan, die Belegschaft in Busse zu packen, nach Essen zu fahren und die Aufsichtsratsitzung zu crashen – das war aber aufgrund der Coronakrise nicht möglich.“ Auch ein Streik war in der Zeit nicht machbar, außerdem befanden sich zahlreiche Kunden in Kurzarbeit – da wäre ein Streik ebenfalls sinnlos gewesen. „Das sieht jetzt allerdings anders aus – die Kundgebung heute ist erst der Auftakt.“ 

Er unterstrich, dass das Werk, das 1866 gegründet wurde, bereits durch viele Höhen und Tiefen gegangen sei: „Wir haben unsere Wochenenden geopfert, an Feiertagen geschuftet – alles um den Standort zu halten. Das ist nicht unser Fehler, das ist der des Managements. Allein 14 Werksleiter in 6 Jahren, das muss man sich mal vorstellen“, rief er in das Mikrofon. Trillerpfeifen schallten durch die Straßen, zustimmendes Gemurmel kam von den Bänken.  „Wieder wird ein Standort aufgegeben, um im Ausland vermeintlich billiger zu produzieren. Das ist in Werdohl schon einmal schief gegangen – und sie werden es auch hier bereuen, das Werk geschlossen zu haben.“

André Arenz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Olpe, fand deutliche und kritische Worte.

„Der Arbeitgeber hat es versäumt, den Standort weiterzuentwickeln, damit dieser wettbewerbsfähig bleibt“, sagte André Arenz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Olpe. Denn: „Auch eine Schließung kostet Geld – dieses hätte man besser für Investitionen genutzt.“ Die aktuelle Corona-Pandemie zeige besonders deutlich, dass es nicht gut sei, ganze Produktionszweige nach außerhalb Europas zu verlegen – die Vollstabilisatoren für die Automobilindustrie, die hier in Lütringhausen produziert werden, werden nach der Schließung nur noch in Brasilien, Mexiko und China hergestellt. „Seitens der IG Metall haben wir keine wirtschaftliche Mitbestimmung. Wenn der Arbeitgeber um jeden Preis schließen will, haben wir keine Chance – aber dann muss er auch den Preis dafür zahlen“, zeigte Arenz sich kämpferisch. 

Gute Bedingungen und Abfindungen

Das Ziel der IG Metall sei es ganz klar, gute Bedingungen bei Abfindungen, Transfergesellschaften und Qualifizierungen für die Beschäftigten heraus zu handeln. „Lasst und gemeinsam handeln und kämpfen, lasst uns zusammenhalten“, rief er abschließend den Beschäftigten zu. 

Auch seitens der Stadt Olpe zeigte man Solidarität mit den ThyssenKrupp-Beschäftigten, der stellvertretende Bürgermeister Markus Bröcher nahm ebenfalls am Warnstreik teil. Auch zahlreiche Betriebsräte anderer Unternehmen waren vor Ort, um den Streikende ihre Unterstützung zu zeigen. 

Die Dorfstraße in Lütringhausen war für den Streik voll gesperrt. Natürlich galt es auch hier die aktuellen Corona-Bestimmungen und Hygieneregeln zu beachten. So reihten sich Bänke in den Straßen, Pfeile zeigten die Richtung, in welcher die Streikenden gehen sollten. 340 Mitarbeiter werden Ende 2021 hier ihren Job verlieren.

Das Werk steht still: Warnstreik der IG Metall bei ThyssenKrupp Federn in Lütringhausen

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